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FAZ.NET-Fernsehkritik „Unsere Besten“ : Unser Konsensfähigster

  • -Aktualisiert am

Das war doch was: Fernsehmacher Kerner, Witt und Jauch selbstverliebt Bild: dpa

Der Mauerfall ist für die ZDF-Zuschauer also der bewegendste Moment der Fernsehgeschichte. Fragt sich nur: Sind historische Ereignisse auch gleich TV-Historie? Etwas mehr Selbstverliebtheit hätte dem Fernsehen diesmal gut getan.

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          Preisfrage: Was haben Konrad Adenauer, Tolkiens Roman-Trilogie „Der Herr der Ringe“, Michael Schumacher, das Rad, das Lied „Wind of Change“ von den Scorpions, Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer, der Kölner Dom, Heinz Rühmann, Loriot, Herbert Grönemeyer und der Mauerfall gemeinsam? Für Fernsehzuschauer liegt der Fall klar auf der Hand. Die Genannten sind unsere Besten.

          Besser gesagt: Unsere Besten sind sie nicht wirklich, sondern vielleicht eher unsere Beliebtesten. Obwohl auch das nicht so richtig stimmt, denn unsere Beliebtesten sind sie nicht zwangsläufig, sondern die Sieger unter den Beliebtesten, die das ZDF im Vorfeld jeder neuen Ausgabe seiner Unterhaltungsreihe „Unsere Besten“ auf durchaus überschaubaren Listen im Internet zur völlig unrepräsentativen Abstimmung aufstellt.

          Gesucht: Der konsensfähige Sieger

          Offenbar möchte man durch die Vorauswahl seitens des Senders gröberen Unfug der Zuschauer vermeiden - auch wenn das nicht immer klappt, wie 2003 die Wahl Daniel Küblböcks zum sechzehntgrößten Deutschen aller Zeiten eindrucksvoll bewiesen hat. Jedenfalls wäre es mindestens ebenso peinlich gewesen, wenn in der 2005 ausgestrahlten Sendung „Unsere Besten - Die größten Erfindungen“ beispielsweise der Eiertrenner, der Silikonbusen oder das Atomkraftwerk unter den Top-Favoriten gelandet wären. Gegen das Rad, das „wir“ noch vor die Glühbirne stattdessen auf Platz eins gesetzt haben, kann dagegen nun wirklich niemand etwas haben. Das Rad ist unbestreitbar nützlich, ästhetisch formschön und vor allem ist es absolut konsensfähig.

          Langes Reden über ein umgefallenes Fußballtor: Marcel Reif
          Langes Reden über ein umgefallenes Fußballtor: Marcel Reif : Bild: dpa

          Und darauf kommt es bei „Unsere Besten“ letztlich an - egal ob die Ausgaben nun „Die größten Fernsehmomente“, die „Sportler des Jahrhunderts“ oder „Die Lieblingsorte der Deutschen“ heißen. Würdig muss der Sieger zuallererst sein, und es Guido Knopps Zeitgeschichte-Redaktion darüber hinaus erlauben, möglichst viel Bildmaterial zu emotionsgeladenen Stücken zusammenstellen zu können. Wie beim Mauerfall, der künftig als allerbemerkenswertestes „TV-Highlight“ (Moderator Johannes B. Kerner) nach Meinung der Abstimmenden ins Fernseharchiv des kollektiven Gedächtnisses gehört.

          Nur die „schönen Momente“ ...?

          Auch nach dieser Sendung gibt es also wieder einen rundherum akzeptablen Sieger, der zu „Freude schöner Götterfunken“ am Ende im Studio nahezu entfesselt bejubelt wurde. Und es gibt natürlich allerlei Merkwürdigkeiten, wie sie Hitlisten, die das Vergleichen von Äpfeln und Birnen zum Prinzip erhoben haben, eben so enthalten. Im vergangenen Jahr schob sich bei „Unsere Besten - Musikstars aller Zeiten“ Ludwig van Beethoven (Platz 6) gerade noch so zwischen Nena (5.) und Roy Black (7.), während es für Johann Sebastian Bach nur zu einem bescheidenen 34. Rang reichte. Modern Talking landeten auf Platz 13. Diesmal sieht man den Streit der Mädchen der Popband Tic Tac Toe (Platz 48) in einer Besten-Sendung zusammen mit der Mondlandung (Platz 2) und dem Wunder von Lengede (Platz 7).

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