https://www.faz.net/-gqz-x0ab

FAZ.NET-Fernsehkritik „Unsere Besten“ : Unser Konsensfähigster

  • -Aktualisiert am

Immerhin wissen wir dank des Fernsehjournalisten Claus Kleber nun, was einen großen Fernsehmoment von einem lediglich geschichtlichen Ereignis unterscheidet. Es sind die „großen Emotionen“. Entscheidend ist die Anteilnahme. Wir müssen spüren, dass wir dabei gewesen sind. Auch wenn wir streng genommen nicht dabei gewesen sind, sondern bloß ferngesehen haben. Wir sind schließlich das Fernsehvolk. Wobei bei „Die größten Fernsehmomente“ auch wieder nicht jede Art von Zuschauer-Anteilnahme gewünscht ist. Als Inka Bause, die Moderatorin von „Bauer sucht Frau“, im Studio auf Kerners Frage nach ihrem bewegendsten TV-Moment den 11. September wählt, belehrt Kerner sie: „Nur die schönsten Momente“ dürfen an diesem Abend zählen. Etwa solch „schöne“ wie die Hamburger Sturmflut vom 17. Februar 1962, der 315 Menschen zum Opfer fielen (Platz 19)?

Sportstudio und „Wetten, dass...?“

Doch wer wird schon kleinlich sein wollen. Die „größten Fernsehmomente“, das sind selbstredend die Hochzeiten bei Königs und die Krönungen von Königin Elizabeth II. von England (Platz 38) und Papst Benedikt (Platz 3), zu denen wir durchs Fernsehen ja höchstpersönlich eingeladen waren. Neben 500 Millionen anderen Zuschauern bei Carl Gustav von Schweden und der deutschen Olympiahostess Silvia Sommerlath 1976 (Platz 50), oder neben 750 Millionen anderen bei der Traumhochzeit von Lady Di und Prince Charles 1981 (Platz 6). So etwas verbindet eben.

Ebenso wie die größten sportlichen Siege in Fußball, Boxen (Henry Maske auf Platz 49), Tennis (Steffi Graf auf Platz 46, Boris Becker auf Platz 18) und Eiskunstlauf (Platz 40). Folgt man der Sendung „Unsere größten Fernsehmomente“, dann haben vor allem „Das aktuelle Sportstudio“ und „Wetten, dass…?“ Fernsehgeschichte geschrieben. Und Genscher auf dem Balkon der Prager Botschaft, Willy Brandt beim Kniefall in Warschau und John F. Kennedy in Berlin.

Offensichtliche Höhepunkte

Neben solchen offensichtlichen „TV-Highlights“ finden sich diesmal tatsächlich auch echte Perlen der Fernsehgeschichte im engeren Sinn und ihre Gestalten. Wie Günter Jauch und Marcel Reif. In der Sendung sitzen beide neben Claus Kleber, Inka Bause und Katharina Witt im Studio und kommentieren, wie sie am 1. April 1998 geschlagene 76 Minuten bei RTL live ein zufällig umgefallenes Fussballtor im Champions-League Halbfinale kommentierten (Platz 22). Ebenso unübertrefflich sind der zufällige Putzmann in der Tagesschau (Platz 36), Horst Schlämmers Auftritt bei „Wer wird Millionär“ mit Günter Jauch (Platz 33), „Dalli-Dalli“ mit Hans Rosenthal (Platz 27) oder Willy Brandts Knopfdruck für das Farbfernsehen am 25.8.1967 (Platz 45), dessen Umstellung allerdings praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, weil die allermeisten Zuschauer nach wie vor Schwarz-Weiss-Geräte besaßen.

Hätte man sich ausschließlich auf einen eher selbstbezüglichen Kanon der Fernsehgeschichte beschränkt, hätte diese Folge von „Unsere Besten“ richtig kurzweilig werden können. So aber gewann höchst vorhersehbar der Mauerfall vom 9. November 1989 das Ranking der „größten Fernsehmomente“. Und gesellt sich zu Adenauer, dem Rad, den Scorpions und Grönemeyer.

Weitere Themen

In einem ziemlich guten Film

Doppel bei den ATP-Finals : In einem ziemlich guten Film

Joe Salisbury? Filip Polasek? Nie gehört? Kein Problem. Die Protagonisten der Doppel-Spiele bei den ATP-Finals wundern sich bisweilen selbst, dass sie es so weit geschafft haben.

Die Fleischerfaust des Genies

Roman über Georg Heym : Die Fleischerfaust des Genies

Mit „Der Gott der Stadt“ schreibt Christiane Neudecker eine Hommage an den jung verstorbenen Lyriker Georg Heym. Das Werk ist gleichzeitig Künstler-, Wende- und Berlin-Roman – und fragt, was echte Genies ausmacht.

Topmeldungen

Der umstrittene Tesla-Gründer Elon Musk am Dienstagabend in Berlin, als er überraschend zur Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ auftauchte.

Auch Design und Entwicklung : Musk verspricht Berlin eine Tesla-Fabrik

Jetzt ist es raus: Elon Musk wird seine nächste „Gigafactory“ nahe Berlin bauen. Mehr Details ließ er sich nicht entlocken. Fest steht, dass dort nicht nur produziert, sondern auch entwickelt und entworfen wird.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.