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FAZ.NET-Fernsehkritik : Mythos Mutter Maischberger

Macht mit Kind Karriere: Sandra Maischberger ist zurück Bild: dpa

Ein fulminantes Comeback stellt man sich anders vor. Dabei war von der ARD für Sandra Maischberger alles bestens vorbereitet. Sie kehrte als Mutter in ihre Sendung zurück, es ging um das Thema „Mutter“ und in der Talkrunde waren nur brave Kinder. Die FAZ.NET-Fernsehkritik von Marco Dettweiler.

          Sandra Maischberger hätte während ihrer Babypause mehr Fußball gucken sollen. Der Stammtorhüter des FC Bayern, Oliver Kahn, hat abermals gezeigt, wie man zurückkehren muss, wenn man ein paar Wochen von anderen vertreten wurde: Er respektiert zwar den Einsatz des Ersatz-Keepers, aber beweist gleich im ersten Spiel nach der Zwangspause, wer der wahre Torwart ist und macht den Zuschauern deutlich: es kann nur einen geben!

          Kahn hatte einen exzellenten Ersatz, auch Maischberger hatte sehr gute Vertreter - allen voran Jörg Kachelmann: geradezu jugendlich und angenehm unkompliziert versuchte er sich damals an dem Motto „Wohin mit unseren Alten?“. Auch wenn die zurückgekehrte Mutter Maischberger eine Stammplatzgarantie hat - schließlich heißt die Sendung so wie sie, und die ARD steht hinter ihr -, sollte sie dennoch gleich von Anfang an mit voller Konzentration und Kampfeslust zu Werke gehen. Doch Sandra Maischberger brauchte zu lange, bis sie mal in Fahrt kam und die Diskussion in die entsprechende Richtung lenkte.

          Kinder sind die Zukunft

          Gleich zu Anfang hatte sie sich verteidigt: „Nicht, dass Sie glauben, ich hätte mir das Thema der Sendung ausgesucht. Es hat mit der ARD-Themenwoche Kinder-sind-die-Zukunft zu tun.“ Doch, liebe Frau Maischberger, wir glauben, dass es kein Zufall war, dass Sie nach rund zwei Monaten Babypause die 150. Sendung moderieren und sich die Sendung mit dem Thema „Mutter“ beschäftigt. Wäre ja auch nicht weiter schlimm, wenn es eine interessante und kurzweilige Talkrunde gewesen wäre.

          Nach wenigen Sekunden lässt sich das Motto der Sendung „Mutter - nur ein Mythos?“, zumindest bezogen auf die Moderatorin selbst, schnell beantworten. Die 41jährige ist kein Mythos, sondern eine wahrhaftige Mutter: Ihr ist der Schwangerschaftsspeck ebenso anzusehen wie ihr Glück. In ihrer Runde dient sie als bestes Beispiel für eine Frau, die ein Kind haben und dennoch Karriere machen will. Sonst hätte sie sich einfach noch länger vertreten lassen können.

          Nur die Klapperstörche?

          Es fiel schon in den letzten Maischberger-Sendungen auf, dass die Wahl des Mottos zwar nicht willkürlich, aber von der Redaktion manchmal etwas mutwillig gesetzt wird und über die Bedeutung eines Stichworts nicht hinauskommt. „Mutter - nur ein Mythos?“ ist da wieder so ein Fall. Wer in Biologie nicht aufgepasst hat, könnte nun meinen, dass es sie gar nicht gibt, und der Klapperstorch für die Kinder verantwortlich ist.

          Gemeint war wohl eher: Brauchen Kinder eine Mutter für die Erziehung? Oder können Kitas und Krippen die Aufgabe übernehmen? Die Politik hat sich mit der Kirche bereits darüber gestritten: Der katholische Bischof Walter Mixa hat Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen vorgeworfen, sie degradiere Frauen zu Gebärmaschinen, weil sie die Kleinkindbetreuung ausbauen will (Siehe auch: Bischöfe im Krippenstreit: Lehmann distanziert sich von Mixa).

          Keine Lust auf Streit

          Vielleicht wurde in letzter Zeit dieses Thema zu viel diskutiert. Die ARD hat möglicherweise zu lange damit gewartet, bis Moderatorin, Motto und Themenwoche perfekt zusammen passen, so dass die Menschen bei Maischberger keine Lust hatten, sich miteinander anzulegen. Dabei saßen die Gegner sogar direkt nebeneinander: Christian Nürnberger, Bestsellerautor und Ehemann von ZDF-Moderatorin Petra Gerster, hätte seine Kinder am liebsten „mit auf die Arbeit genommen und sie dort abgegeben“. Außerdem könnten Kinder auch Pech haben mit ihren Eltern, meint der zweifache Vater. Kinder könnten doch auch in einem anderen Umfeld als daheim groß werden.

          Für Maria Steuer wäre das undenkbar und für Kinder eine seelische Belastung. Die Kinderärztin und Mitinitiatorin der Kampagne „Familie sind WIR!“ ist der Meinung, dass Kinderkrippen schädlich sind und das Kind die ersten Jahre auf jeden Fall von der Mutter erzogen werden sollte. „Es sollte kein ökonomischer Druck entstehen“, damit die Frauen nach der Geburt mehrere Jahre zu Hause bleiben könnten.

          Angst, alles falsch zu machen

          Wenn Sandra Maischberger so weiter moderiert, wird sie noch zum Mythos. Sie war einmal bekannt für ihre exakten, scharfen und treffsicheren Fragen. Nun sitzt sie als glückliche Mutter gemütlich in der Runde, um sich am Anfang zu fragen: „Sind wir eigentlich nicht bei Trost, wenn wir über Kinderkrippen diskutieren?“, womit sie auf die katastrophale Situation der Kinder in Afrika anspielt. Am Ende der Sendung ist sie dann wieder ganz bei sich selbst: „Man hat ja bei all den unterschiedlichen Studien nur noch Angst, alles falsch zu machen.“

          Mit diesen Worten trat sie in der Diskussion das erste Mal als Mutter auf. Als Zuschauer hatte man während der Sendung den Eindruck, als hätte sie wenig Ahnung, was den Umgang mit und die Erziehung von Kindern angeht. Hoffentlich hat sie sich auf ihr Mutter-Dasein hinreichend vorbereitet. Und falls sie noch einmal in die Babypause gehen will: Nur zu, wir sind gespannt auf ihre nächsten Vertreter.

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