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FAZ.NET-Fernsehkritik : Lieselotte, frag den Raab!

Gute Miene zu „Time to say Goodbye” Bild: ddp

Während RTL am Samstag in einer Final-Show das „Supertalent“ suchte, stieg auf ProSieben Stefan Raab gegen eine im Kampfsport erprobte Blondine in den Ring. Raab kann zwar nicht boxen, aber er hat Talent und Instinkt für die große Show. Bei RTL war von beidem nichts zu sehen. Von Marco Dettweiler.

          4 Min.

          Nicht jeder Mensch hat Talent. Wer welches besitzt, muss es erst entdecken. Dann muss man seine besondere Fähigkeit weiter entwickeln. Wie weit ein talentierter Mensch im Fernsehen kommt, konnten die Zuschauer mal wieder am Samstag Abend sehen. Doch nicht bei RTL in der Supertalent-Show, sondern beim Konkurrenzsender ProSieben. Dort zeigte Stefan Raab ein weiteres Mal, was er drauf hat. In seiner Sendung „Schlag den Raab“ kämpfte er verbissen um den Sieg, während bei RTL mittelmäßige Talente, um die Wette sangen, tanzten und turnten. Stefan Raab warf mit Hölzern, spielte mit dem Auto Fußball, schnitt eine Wurst in fünf Stücke und hetzte roten Punkten hinterher - und gewann den Wettkampf. Raab hat längst seinen Talentstatus verlassen. Er ist getrieben von furchterregendem Ehrgeiz, unbändigem Willen und einer ernsthaften Einstellung zu dem, was er macht. Talent ist also nicht alles.

          Wie es aussieht, wenn jemand gar kein Talent hat, zeigte an diesem Abend Lieselotte bei RTL. Sie trat im Finale von „Das Supertalent“ auf, weil es laut Moderator Marco Schreyl das Publikum so wollte. Die Jury hatte sie verständlicherweise in der Vorrunde nicht weiterkommen lassen. Ihr Auftritt war somit außer Konkurrenz. „Deutschlands Karaoke-Königin“ stampfte auf die Bühne, um „Schuld war nur der Bossa Nova“ zu singen. Ihre steifen Bewegungen und ihre miserable Stimme hielten weder RTL noch das Publikum oder die Jury davon ab, diesen äußerst peinlichen Auftritt zu unterbrechen. Selbst als klar wurde, dass Lieselotte Playback singt, weil ihr zwischendurch die Luft ausging, klatsche das Publikum weiter und forderte eine Zugabe. Bei RTL ist die Würde des Menschen wohl doch antastbar.

          Die Jury lobte vor sich hin

          Die Idee, den großen Unterschied zwischen Stars mit viel und Menschen mit null Talent zu zeigen, ist nicht neu. RTL hat sie bei sich selbst abgeschaut. Schon bei „Deutschland sucht der Superstar“ durfte ein unterirdisch schlecht singender Michael-Jackson-Imitator knapp fünf Minuten der Sendezeit stehlen, um die Zuschauer zu befriedigen und die Jury zu quälen. RTL hatte nur dieses Mal ein Problem: Im Gegensatz zu DSDS fanden sich bei den zehn Finalisten von „Das Supertalent“ zu viele Kandidaten, die offensichtlich wenig Talent hatten und Lieselotte mit ihrer schrecklichen Darbietung von anderen Kandidaten nicht allzu weit weg war. Die letztlich mittelmäßige Talentiertheit der meisten Finalisten wollte natürlich keiner eingestehen. Und so lobte die Jury vor sich hin.

          Wieder mal Punktsieger: Stefan Raab
          Wieder mal Punktsieger: Stefan Raab : Bild: obs

          Allen voran Zirkus-Chef André Sarrasani. Er lobte, ohne rot zu werden und sprach, ohne authentisch zu sein. Seine Sätze wirkten schlichtweg auswendig gelernt. Auch Dieter Bohlen lässt sich seine Gags offensichtlich vorher präparieren. Doch er hat sich wenigstens die Mühe gemacht, die Auftritte genau anzusehen und anzuhören, um dem elf Jahre alten Udo Uhse zu sagen, dass er häufiger den Ton nicht getroffen habe, um den Rabiniak Schwestern vorzuwerfen, dass sie bei ihre Kleiderwahl daneben lagen und um dem jungen Tänzer Philip Fedan klar zu machen, dass sein rhythmisches Gezappel auf der Bühne ihn nicht berührt habe. Dennoch sahen die Zuschauer einen sehr milden Bohlen.

          Familienfreundliche Samstagsabendshow

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