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FAZ.NET-Fernsehkritik : In acht Wochen gibt's die erste Suppe

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Eine schöne Idee von Vox: Man darf etwas Eigenes aufbauen und es vielleicht sogar behalten. Bild:

Die härteste Show, die es derzeit im deutschen Fernsehen zu sehen gibt, kommt ganz ohne Actionspiele und Denksportaufgaben aus. In „Mein Restaurant“ müssen Paare aus fünf Städten ihr eigenes Lokal eröffnen - und sind dabei einem enormen Druck ausgesetzt.

          Die vielen Menschen, die täglich den Triathlon proben, währenddessen kniffelige Rätsel lösen und sich unablässig neue Hobbys ausdenken, um an ihre Grenzen zu gehen, können sich mal ein Päuschen gönnen - und, wenn sie unbedingt wollen, nachher trotzdem ins Fernsehen kommen, um sich dort einen Traum zu erfüllen. Dazu war es bisher notwendig, besonders viel zu wissen (um vor Günther Jauch bestehen zu können), in möglichst vielen Sport- und Denksportdisziplinen zu glänzen (um den Showmarathon gegen Stefan Raab durchzuhalten) oder die Bereitschaft mitzubringen, sich in möglichst vielen dämlichen Spielen zu blamieren (und in der Neuauflage der „100.000 Euro-Show“ von Inka Bause zugequasselt zu werden).

          Eines haben die Shows, ob Quiz oder Action, gemeinsam: Es kommt auf eine Leistung an, die, nachdem sie erbracht wurde, nichts mehr zählt, weil das Spiel dann schon als gewonnen gilt. Die Aufgaben haben ihren Zweck für den Moment, mehr nicht. Bei der neuen Vox-Sendung „Mein Restaurant“ ist das anders. Es gibt, wie der Titel schon verrät, auch etwas zu gewinnen, aber zum Schluss bekommt keiner einen Geldkoffer oder eine fertig eingerichtete Bude hingestellt. Und es zählt auch nicht Sportsgeist, sondern: Kreativität, unternehmerisches Verantwortungsbewusstsein und seriöses Auftreten. Was für eine wunderbare Idee!

          Vom Innenausbau bis zur Suppe

          Am Freitagabend ist bei Vox die härteste Show gestartet, die es derzeit im deutschen Fernsehen zu sehen gibt. Fünf Zweier-Teams sollen in den Städten Berlin, Hamburg, Leipzig, München und Köln ihr eigenes Restaurant aufbauen. Dafür haben sie acht Wochen Zeit und müssen alles alleine machen: vom Innenausbau bis zur ersten servierfertigen Suppe. Zwischendurch können sie sich durch nachvollziehbare Konzeptpräsentationen Geld von der „Bank“ holen, die in diesem Fall aus einer Experten-Jury besteht. Am Ende entscheiden die Zuschauer, wem die Umsetzung am besten gelungen ist - und wer das aufgebaute Restaurant behalten darf.

          Es beginnt mit einer unliebsamen Überraschungen: die Lokalitäten ähneln zunächst Müllhalden

          Die Idee stammt aus dem australischen Fernsehen, und die Produktionsfirma Granada hat bei der Umsetzung für Vox vieles richtig gemacht. „Mein Restaurant“ ist ein schnelles, temporeiches Format, das von immer wieder neuen Überraschungen für Kandidaten und Zuschauer lebt. Als die Teams am Anfang per Kurier die Nachricht erhalten, für die Show ausgewählt worden zu sein und den Schlüssel für ihre vom Sender gemieteten Räumlichkeiten in bester Lage bekommen, ist die Freude riesig - doch nach der Euphorie, dabei zu sein, folgt schon der erste Schock. Alle Räume sind Bauruinen, zugemüllt mit Schutt, verwahrlost, mit kaputten Fenstern, verdorbenen Lebensmitteln und Graffiti an den Wänden. Allein das Ausräumen wird der Horror.

          „Die Zeit läuft ab jetzt“

          Die Kandidatenpaare gehen die Aufgabe höchst unterschiedlich an: In Hamburg will Cornelia mit ihrem zum Koch ausgebildeten Sohn Hannes das Rennen machen, fragt sich aber schon am ersten Tag, ob sie sich viel zu viel zugemutet hat. Anna und Toby in München haben ihren gemeinsamen Cocktailservice aufgegeben, um die Chance wahrzunehmen - aber noch keine Gastronomie-Erfahrung. Und Susann will mit ihrem Mann Markus ein babyfreundliches Restaurant eröffnen, ohne allerdings den Überblick zu haben, wie teuer das kommen könnte.

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