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FAZ.NET-Fernsehkritik : „Ich habe Beckmann zehnmal abgesagt“

Wieder einig: Dani Levy, Helge Schneider Bild: dpa

Dani Levy und Helge Schneider hatten einen netten Abend bei Stefan Raab. Die Minidebatte zum Film „Mein Führer“ brachte keine nennenswerten Ergebnisse. Immerhin: Levy, Schneider und Raab haben sich sehr schön über Reinhold Beckmann lustig gemacht. Die Fernsehkritik von Michael Hanfeld.

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          Die Ausschnitte, die man als Fernsehzuschauer bislang aus Dani Levys Film „Mein Führer“ zu sehen bekam, und Stefan Raabs Show „TV Total“ haben eines gemeinsam: Sie sind in nur eingeschränktem Maße witzig. Und wenn der Ausschnitt, der in Raabs Show lief, wirklich eine der witzigsten Szenen aus dem Film ist - Helge Schneider wird als Hitler versehentlich die Hälfte seines Schnäuzers wegrasiert - dann ist es sogar in sehr eingeschränktem Maße witzig.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dani Levy lachte trotzdem, auch wenn er seinen Film schon kennt, und saß vergnügt neben Schneider, von der vermeintlichen Kontroverse der beiden, die aussahen, als hätten sie gerade als Statisten bei den Karl-May-Festspielen mitgewirkt, keine Spur. Er habe ja auch gar nicht gesagt, dass er den Film „scheiße“ fände, sagte Schneider, dem selbiges in der Presse nachgesagt worden war, sondern nur, dass man noch mehr hätte rausholen können. Mit der Frage, die der Film aufwirft, nämlich ob man über Hitler lachen kann, darf oder soll, befasste sich die Runde geschätzte drei Minuten. „Über den Holocaust kann man nicht lachen“, sagte Schneider, Hitler zum Narren zu machen sei dagegen etwas ganz anderes. Der Film verharmlose nichts, sagte Levy, er male nicht schön, die Nazis erschienen in seiner Komödie genau so böse wie sie gewesen seien.

          „So bin ich“

          Schlecht vorbereitet wie immer gab sich Raab damit zufrieden. Und das war wahrscheinlich auch besser so. Denn die Debatte über Levys Film hat etwas sehr Künstliches, Bemühtes, Krampfiges, weil die Frage, ob und wie man mit einer Figur wie Hitler im Kino umgehen kann, schon Charlie Chaplin 1940 mit seinem „The Great Dictator“ beantwortet hat. Bei Bernd Eichingers Film „Der Untergang“ mit Bruno Ganz als Hitler hatte die Diskussion zuletzt noch einen Gegenstand, das ist bei Levys Film erkennbar anders. Da braucht der Regisseur sich über die kritischen Reaktionen von Leuten, die sein Stück noch gar nicht gesehen haben (können) - weil es erst an diesem Donnerstag angelaufen ist - gar nicht aufzuregen, das ist genau die Promotion, die ein solcher Film braucht.

          In Beckmanns Show? Bloß nicht...

          Ein paar Bemerkungen gab es bei Raab Minidebatte noch zu den Dreharbeiten, Helge Schneider bekannte, dass er sich in seiner Rolle als Hitler gar nicht verstellen brauchte: „So bin ich.“ Und da Hitler jeden Abend im Fernsehen auftauche, habe er reichlich Anschauungsmaterial für seine Rolle gehabt - das war's.

          Seitenhieb auf Beckmann

          Eines kann man Levy, Schneider und Raab nach ihrem Auftritt von Donnerstagabend aber zu Gute halten. Sie haben sich sehr schön über Reinhold Beckmann lustig gemacht, der Levy und Schneider bekanntlich unbedingt in seiner Show haben wollte und auch schon angekündigt hatte. Und die Scharade ging so: Als Levy gehen will, klingelt in seiner Tasche ein Handy. Ein gewisser Oliver Gebhard ist dran. Er will mit Anke sprechen. „Ich bin nicht Anke, ich bin der Dani“, sagt Levy. Ob er denn in Beckmanns ARD-Show kommen wolle, wird er gefragt. Nein, er sei doch gerade auf Sendung bei Raab. Und außerdem sei das gar nicht sein Handy. Raab greift sich das Telefon und gibt kund: „Ich glaube, die beiden möchten nicht kommen.“

          Unglaublich, diese „Wegelagerer von Beckmann“, meint er später, riefen doch einfach in seiner Show an. „Ich habe schon zehnmal abgesagt“, sagt Schneider.

          Am Freitag nachmittag gab die Redaktion von Beckmann die Themen für seine Sendung vom Montag bekannt. Auf der Gästeliste: Helge Schneider und Dani Levy.

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