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FAZ.NET-Fernsehkritik : „Das Großkapital sehen wir mit Abscheu“

Vor 25 Jahren: Schmidt und Weizsäcker mit Ronald Reagan Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Einst waren sie harte, aber nicht unerbittliche politische Gegner, heute sind sie längst Freunde, auch wenn sie sich nicht so nennen: Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker sorgten bei „Kanzlerin Maischberger“ für ein kleines Wunder: Ein klug-anregend-spannendes Gespräch ohne rhetorische Blasen über die Fragen der Gegenwart. Von Michael Hanfeld.

          Es ist schon erstaunlich, was für ein „Kessel Buntes“ die Talkshow von Sandra Maischberger im Ersten doch ist. Da gibt es Runden, wie die prominenter Frauen in der vergangenen Woche, die ziemlich angestrengt und am Ende fruchtlos sind. Da gibt es das Chaos reinster Güte, wie vor zwei Wochen bei der illustren Schar Sachkundiger zum Thema Prostitution.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Und dann gibt es ein kleines Wunder wie an diesem Dienstagabend: ein klug-anregend-spannendes Gespräch mit zwei Politikern und Publizisten, die ihre aktive Zeit der Grabenkämpfe hinter sich haben; die als Individuen aus ihren jeweiligen politischen Lagern herausragten; die als Meister der Distanziertheit und der Arroganz nie ganz Unverdächtige sich stets fern schienen, aber dann immer näher kamen; die den Zweiten Weltkrieg erlebt haben und die ganze Geschichte Nachkriegsdeutschlands; die als Personen dieser Zeitgeschichte eine besondere Rolle spielten und sich darauf etwas einbilden könnten; die nicht von gestern, sondern von morgen und von den Fragen der Gegenwart sprechen und dabei keine rhetorischen Blasen aufsteigen lassen: So war das an diesem Abend mit 'Altkanzler' Helmut Schmidt und dem früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker bei Sandra Maischberger.

          Nicht „Klops“, sondern Boulette

          Helmut Schmidt nimmt einen heute ja allein deshalb für sich ein, weil er raucht und raucht und raucht, so auch bei Maischberger im Studio. Wobei er die Zigaretten bestimmt nicht einmal zu den „zahlreichen Schwächen“ zählen würde, die ihn in seinen Augen, wie er zwischendurch ganz alterskokett sagte, auszeichnen.

          Die Gastgeberin: Sandra Maischberger

          Und dann hat er Richard von Weizsäcker sogar mal einen „Klops“ genannt, einen „politischen Klops“, was wohl so etwas heißen sollte wie: nicht Fisch, nicht Fleisch. Worauf von Weizsäcker als Berliner seinerzeit entgegnete: Wenn schon, dann schon nicht „Klops“, sondern Bulette - und das sei besser als „Hamburger“. Was wiederum Schmidt nicht hinnehmen wollte - schließlich hätten „Hamburger“ ja auch nichts mit Hamburg zu tun.

          Ohne Larmoyanz, aber mit Respekt

          Soviel zu den poltischen Frotzeleien aus den siebziger und frühen achtziger Jahren, die Maischberger mit Redeausschnitten der beiden aus dem Bundestag von damals nett befeuerte: Der Oppositionspolitiker der CDU von Weizsäcker extemporiert im Bundestag am Mikrophon, während sich der Bundeskanzler Schmidt in die ersten Reihe der Abgeordnetenbänke gesetzt hat und Zwischenfragen einwirft, die ein bissiges Koreferat sind, bei dem sogar Herbert Wehner schweigt.

          Und wie sind die Debatten heute? „Ach ja“, stöhnt von Weizsäcker nur. Die Qualität habe nachgelassen, sagt Schmidt. Das reicht als Kommentar, denn es geht den beiden nicht um Larmoyanz oder darum, die Weisheit der elder statesmen hervorzukehren. Sie schildern vielmehr, von Sandra Maischberger sachte-sorgsam angestachelt, wie ihr Respekt füreinander wuchs - vor der Position und der Argumentation des jeweils anderen, woran sich wiederum die politischen Konflikte und parteilichen Frontstellungen der letzten dreißig Jahre ablesen lassen, in die Schmidt und von Weizsäcker sich nie ganz einordnen ließen.

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