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FAZ.NET-Fernsehkritik: „Beckmann“ : „Ich wär' beinahe nicht gekommen“

Auch Raab konnte sie nicht aufhalten: Helge Schneider und Dani Levy kamen doch zu „Beckmann” Bild: REUTERS

Jetzt saßen sie doch bei „Beckmann“, Helge Schneider und Dani Levy, um auch hier über ihren Führer-Film zu plaudern. Zum Glück waren sie dabei mit dem Moderator nicht allein. Und zum Glück war das nicht das einzige Thema des Abends. Die FAZ.NET-Fernsehkritik von Michael Hanfeld.

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          Es gibt Oliver Gebhard wirklich. Wir wollen uns an dieser Stelle nicht für die Schreibweise seines Namens verbürgen. Aber, es gibt den Mann. Wir haben ihn am Montagabend bei „Beckmann“ in der ARD gesehen. Da stand er neben der Kamera und hielt irgendwelche Papiere in der Hand. Das ist insofern wichtig, als man bis vergangene Woche Donnerstag annehmen konnte, es gebe Oliver Gebhard nicht wirklich. Das war, als er die Managerin des Regisseurs Dani Levy anrief und stattdessen Levy selbst am Apparat hatte, der gerade in der Talkshow von Stefan Raab bei Pro Sieben saß.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das Handy seiner Managerin hatte Levy versehentlich eingesteckt, doch dass es in Raabs Sendung genau zum richtigen Zeitpunkt klingelte, als Levy und Helge Schneider, der in Levys Film „Mein Führer“ spielt, nämlich gerade wieder gehen wollten, was Stefan Raab die Gelegenheit gab, für die beiden einen Auftritt bei Beckmann kurzerhand abzusagen - er hatte sich das Handy gegriffen und sich origineller Weise mit „Jauch“ gemeldet - dass erschien irgendwie unglaublich, fiktiv, doch immerhin als beste Pointe des Abends.

          Zum Glück war auch Rolf Schimpf dabei

          Am Montag nun wurde die Sache bei Beckmann im Ersten aufgeklärt. Der Anruf war echt. Wobei man sich natürlich nicht ganz sicher sein kann. Denn vielleicht hat man uns ja nur einen Darsteller vorgeführt, der sich als Oliver Gebhard ausgibt. Oder Stefan Raab und Reinhold Beckmann haben sich abgesprochen, dass einer von Beckmanns Truppe während Raabs Show anruft, damit der dann darüber ein paar Witze reißen kann. Oder war das eine Idee des Managements von Dani Levy, um Werbung für den Film zu machen, nach dem Motto: zu Raab gehen, Beckmann scheinbar absagen und dann doch kommen? Man weiß es nicht. Und es ist natürlich auch nicht wichtig, zum Thema Selbstreferentialität der Medien einer der leichteren Beiträge, von Helge Schneider mit dem Satz eingeleitet: „Ich wär' beinah' nicht gekommen. Ich hab' so wenig Zeit.“

          Beckmanns Sendung von Montag erschöpfte sich glücklicherweise nicht im Sender übergreifenden Moderatorenpingpong, zu dem er den fraglichen Ausschnitt mit Levy und Schneider aus Raabs Show zeigte (sonst geht es ja immer in die umgekehrte Richtung). Über das Für und Wider von „Mein Führer“ gab es eine leidlich leidenschaftliche Diskussion, bei der Beckmann davon profitierte, dass er den Schauspieler Rolf Schimpf zu Gast hatte. Der nämlich hat den Film schon gesehen und kann mit ihm ganz und gar nichts anfangen. Hitler in einer Komödie derart zu vermenschlichen, das gehe nicht, meinte Schimpf und erzählte, wie sein Vater in der Nazizeit, 1935, verschwand: „Er wurde gestorben“, sagte Schimpf. Sein Vater sei verschwunden und seiner Mutter sei bedeutet worden, dass sie erst gar nicht nach dem Verbleib ihres Mannes forschen solle.

          Ein „Elton“ für Beckmann?

          Da diskutiert es sich gleich nicht mehr so leicht über die Leichtigkeit der Komödie, mit der man die Bösartigkeit des Diktators hervorkehren will. Und Levy und Schneider wirken ohnehin ziemlich matt, bei Beckmann wie bei Raab, angeödet von den dauernden Fragen. Doch machen sie es sich zu leicht, wenn sie Platitüden absondern, sich über die Debatte echauffieren, die ihr Film ausgelöst hat oder, wie Schneider, halbironisch erklären, dass die Gesellschaft oder jene, welche die Gesellschaft erziehen wollten, noch nicht reif genug seien, einer Komödie wie „Mein Führer“ standzuhalten.

          Das war und ist alles ziemlich unergiebig. Viel interessanter in dieser Sendung war Beckmanns Gespräch mit Margarete von der Borch, die in Russland obdachlose und schwer behinderte Kinder betreut, sie aus dem Elend holt, eine eigene Organisation ins Leben gerufen hat (www.perspektiven-verein.de) und als „Engel von St. Petersburg“ bekannt geworden ist. In solchen Momenten, da es wirklich um etwas geht, hat Beckmanns Show ihre Stärken. Ob Oliver Gebhard - falls es ihn wirklich gibt - nun sein „Elton“ wird?

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