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Familienkomödie auf Arte : Mit der Harmonie hat Papa es nicht so

  • -Aktualisiert am

Hier wird nicht nur in die Tasten gehauen: Alle haben sich zusammengefunden, um den siebzigsten Geburtstag des Piano-Patriachen zu feiern. Bild: © ZDF

Ein Vater kann nicht aus seiner Haut: Er stößt seine Kinder ständig vor den Kopf und zahlt einen hohen Preis dafür. Man kennt das und will es trotzdem sehen.

          Es steht zu vermuten, dass Hannes Westhoff die Villa an der Terrassenstraße verdient hat. Eine alte Frau strickt lange, bevor sie ein Häuschen bekommt, Westhoff spielte lange Klavier. Jetzt genießt der Star-Pianist, was früher Altersruhe genannt wurde, und wie gut das am Schlachtensee vor den Toren der Hauptstadt funktioniert, ist aus dem sogenannten echten Leben bekannt: Unweit des Protzbaus, in dem die Tragikomödie „Das Familienfest“ gedreht wurde, zog sich schon Götz George aus dem Trubel zurück. Nobler wohnen ist denkbar, aber wenig wahrscheinlich.

          Westhoffs Villa öffnet sich gen Seeufer. Die drei Buchsbäume, die seine Söhne pflanzten, ein Bäumchen für jeden Sohn, wuchsen über die Jahrzehnte – nun vorbildlich geschnitten zu Pyramiden. Am Vorabend des siebzigsten Geburtstags, dem Westhoff mit einer Mischung aus inniger Abneigung und heimlicher Erwartung entgegenblickt, ist der Salon gewienert. Ehefrau Anne (Michaela May), ein Sonnenschein, mit dem sich Westhoff besser arrangieren kann als mit seiner intellektuellen Ex-Frau Renate (Hannelore Elsner), die im Alltag mit Westhoff und den Kindern ihre Berufung davonziehen sah, orchestriert die Feierlichkeiten.

          Ein Fest zum Händereiben

          Ein Sisyphus-Job. Schon bei der Ankunft von Söhnen und Ex-Frau beginnt das unvorsichtigerweise auf zwei Tage angelegte Geburtstagsevent auf die familienfeiertypische Kastastrophe zuzuschliddern. Westhoff ist ein Stoffel, und mit Ausnahme von Anne ist niemand mehr bereit, seine Gemeinheiten und Ausfälle zu tolerieren. Es wird zu Szenen kommen, die heftig, aber nicht ganz so drastisch ausfallen wie 1998 in Thomas Vinterbergs Dogma-Spielfilm „Das Fest“.

          Wenn Lars Kraumes Film ein Problem hat, dann ist es diese Vorhersehbarkeit. Sie ist anfangs nötig, damit wir uns händereibend auf die Entgleisungen freuen; wo ein „Familienfest“ bitterböse geschildert wird, ist das ja der Witz.

          Trümmerhaufen und Wortgefechte

          Noch zum Ende hin aber, an dem das Traurige und das Tragische dominieren, rauscht der Film wie ein Zug von einem gebuchten Bahnhof zum nächsten. Der Jubilar, ein unausstehlicher Despot in der Pose des Unantastbaren (Günther Maria Halmer als Westhoff kann umwerfend grollen), trägt selbstverständlich einen Funken Liebe in sich. Die Söhne – Westhoff sagt: „ein Windei, ein Schwuler und ein Schlaumeier“ – wagen den Bruch nicht. Der Tränenkanal juckt.

          Andererseits haben die Drehbuch-Autoren Andrea Stoll und Martin Rauhaus Wortgefechte geschrieben, die kaum weniger Klasse haben als Yasmina Rezas Dialoge im „Gott des Gemetzels“. Das will man auch deshalb unbedingt sehen, weil im Kinofilm „Familienfest“ ein Ensemble-Mitglied das andere an die Wand spielt.

          Besonders gelungen: ein Abendessen am langen Tisch. Westhoff, vor Kopf sitzend wie ein alternder König, macht sich über den schwulen Freund seines Sohnes Frederik lustig (Daniel Krauss, Barnaby Metschurat), und schon liegt der Abend in Trümmern. Wobei der schlagfertige Westhoff die Empörung zunächst noch genießt. Man wird im eigenen Haus doch noch wohl einen Scherz machen dürfen! Wer aufmuckt, wird mit Enterbung oder Hotel bedroht.

          Gefühle mit Sprachbarrieren

          Aus Hochmut wird Wut. Die von Sohn Max (Lars Eidinger) zum Essen mitgebrachte Krankenschwester (Jördis Triebel), die das zusehends aggressive Treiben bei der Ankunft in der Villa noch mit dem Humor des Außenseiters zu nehmen versuchte, erinnert den Jubilar an die Schwulenverfolgung der Nazis. Westhoff schleppt seinen Teller darauf ins Nebenzimmer. Anne will schlichten: „Vater steckt niemand in eine Gaskammer.“ Und Max: „Es reicht ja auch, dass Opa das getan hat.“ Willkommen in Deutschland. Womöglich ein Hinweis, der Westhoffs brutalen Charakter erklärt.

          Dass Max sterbenskrank ist, ahnen weder sein Vater noch der Rest der Familie. Der Journalist verlor sein Bewusstsein bereits bei der Anfahrt. Aber sprechen kann und will er darüber nicht, und zwischen den Brüdern herrscht ebenso Sprachlosigkeit wie zwischen den Kindern und Eltern. Ob echte Liebe für einige Stunden möglich ist, und sei es durch ein reinigendes Gewitter, wird so zur eigentlichen Frage des Films. Die prominenten Gäste aus dem internationalen Klassikbetrieb werden jedenfalls „Trulalala“ singen, während es knallt.

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