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Wer lacht hier eigentlich über wen? Der legendäre „Titanic“-Titel aus dem Jahr 1989. Bild: Titanic-Magazin

Relotius und die Folgen : Fergus Falls, Sachsen

  • -Aktualisiert am

Nach den Relotius-Märchen üben Medien übergreifend Selbstkritik. Doch wie steht es mit der Berichterstattung aus dem Osten Deutschlands? Da leben Reflexe und Klischees seit dreißig Jahren fort.

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          Die nordamerikanische Kleinstadt Fergus Falls, die der einstige „Spiegel“-Reporter Claas Relotius in Grund und Boden geschrieben hatte, kommt hierzulande in diesen Tagen zu vielen publizistischen Ehren, und das zu Recht. Verwunderlich ist dabei allenfalls, wie klar auf einmal vielen zu sein scheint, dass die Leute in Fergus Falls (Minnesota, 13.000 Einwohner) gar nicht solche Provinz-Deppen sind und sich in ihrer Mehrzahl auch gar nicht so gruselig-hinterwäldlerisch benehmen, wie es sich manche Redaktionen, Preis-Jurys und Publikum lange genug ausgemalt und deshalb auch gerne geglaubt haben. Angesichts des Desasters schlägt der Tenor der Berichte nun oft sehr verständnisvoll ins Gegenteil – „In einer fantastischen Stadt“ lautete der Titel der Wiedergutmachungsreportage auf „Spiegel-Online“ – was ebenfalls übertrieben klingt.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Fergus Falls mag angesichts der Menge plumper Lügen, die Relotius in seiner Reportage („In einer kleinen Stadt“, erschienen im März 2017) auftischt, ein Einzelfall sein. Die Fülle an Voreingenommenheit und Klischees aber, die Medien über Menschen und ganze Regionen nicht nur in den Vereinigten Staaten verbreiten, sind es nicht. Ersetzt man in den heutigen Berichten über Fergus Falls den Namen der Stadt zum Beispiel durch einen beliebigen Ort im Osten Deutschlands (oder in Osteuropa), bekommt man ein Gefühl dafür, warum das Wort „Lügenpresse“ gerade dort so häufig zu hören ist.

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