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„Falkenberg“ bei RTL2 : Eine ganz schön geheimnisvolle Leere

  • -Aktualisiert am

Verstehen sich offenbar gut: Anne-Marie Waldeck als Jessica und Jonathan Elias Weiske als Ben in der neuen Serie von RTL2. Bild: RTL II

Alles so schön entsetzlich hier: In der Jugendserie „Falkenberg. Mord im Internat?“ stürzt ein Junge vom Dach, doch sein Freund glaubt nicht an Suizid.

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          So geht es in Privatschulen zu? Die Klassen sind derart klein, dass der Lehrer die Anwesenden an zehn Fingern abzählen kann. Als Schulgebäude dient ein Schlösschen in Prinzessinnen-Rosa, vor dem die Karre von Papa noch besser aussieht. Und natürlich hebt der Direktor (Miguel Abrantes Ostrowski), über den schmalen Oberlippenbart als Autoritätsperson zu erkennen, zu Schuljahresbeginn ein Gläschen Schampus auf seine Schüler als „zukünftige Elite Deutschlands, ja sogar der Welt“.

          Diese stehen im Sommerlicht auf der Terrasse und prosten zurück – nur Jessica muckt, eine schmale Blonde aus der Stahldynastie derer von Thiessen (Anne-Marie Waldeck). „Seid ihr eigentlich total abgestumpft?“, schreit sie in die selbstzufriedene Runde. „Und kein Wort über Jonas!“

          Peinlich berührte Blicke. Jeder weiß, was und wen sie meint: Jonas ist der Oberstufenschüler, der vor einigen Monaten nackt aus einem Dachfenster von Schloss Falkenberg kletterte, in die Tiefe stürzte und starb. Sogar der Neue im Internat, Ben mit den voluminösen Augenbrauen (Jonathan Elias Weiske), kann die Szene einordnen: Jonas war in der Heimat sein bester Freund. Er kommt nur in die Schule, weil er an einen Selbstmord von Jonas nicht glaubt.

          Schmuck sieht es aus, von Anfang bis Ende wie ein Videoclip

          Die RTL-2-Eigenproduktion „Falkenberg. Mord im Internat?“, eine sechsteilige Jugendserie, die es mit Netflix-Krachern wie „Tote Mädchen lügen nicht“ (Suizid an einer Highschool), „Elite“ (Mord an einer Privatschule in Madrid) oder „Quicksand“ (Amoklauf an einer Privatschule in Stockholm) aufzunehmen versucht, erzählt die Geschichte dieser Recherche.

          Schmuck sieht die Serie aus, von Anfang bis Ende wie ein Videoclip. Die Farben sind weich und die Menschen auf Hochglanz gestylt, die Bildregie spielt viel mit Zeitraffer, Zeitlupe und Sprüngen im Schnitt, Kameramann Rick Schepker jagt seine Drohne bei den Dreharbeiten im niederschlesischen Liegnitz immer wieder auf Schloss Eichholz (so dessen echter Name) zu, vom Schloss weg und ums Schloss herum. Dazu läuft ein ausgezeichneter Soundtrack, zu dem Indie-Pop-Nummern gehören wie „Keep Me High“ von Adaline, „The Riots Gone“ von Santigold oder „Angels“ von Thexx. Als Titelsong dient das Tears-for-Fears-Cover „Everybody Wants to Rule the World“ von Lorde.

          Und trotzdem: Die modernste Schminke kann nicht verbergen, dass „Falkenberg. Mord im Internat?“ zwei schwerwiegende Probleme nicht vom Tisch bekommt. Das eine besteht darin, dass bei dieser Schulserie, vielleicht aus finanziellen Gründen, kaum je viele Schüler oder Lehrer im Hintergrund zu sehen sind. „Schloss Falkenberg“ scheint ein Internat für acht Schüler, eine Lehrerin, einen Bibliothekar und einen Direktor zu sein. Diesen Laden nimmt man als Schule nicht ernst. Das andere Problem ist die künstlich aufgeblasene Handlung. „Falkenberg“ kreist nämlich nicht nur um die üblichen Coming-of-Age-Themen wie Freundschaft, Sex oder (noch der gelungenste Moment der Geschichte) die Frage, ob man bei einer Schwangerschaft mitten im Abitur-Stress abtreibt oder nicht. Die Story läuft stattdessen auf eine Verschwörungsgeschichte um einen Geheimbund hinaus, der mit Jonas’ Tod in Verbindung gebracht wird: „Die haben ihre Finger überall drin: Gesellschaft, Politik!“ In jeder Serienfolge wird eine Hochglanzbotschaft des Bundes gefunden, eine Postkarte, auf der Sprüche wie „Verliere nie ein Wort“ oder „Der Club sieht alles“ geschrieben stehen.

          Das Drehbuch, das Christina Stiehler nach einer Idee von Florian Reinhardt schrieb, glaubt das nur stemmen zu können, indem es auf Tiefe verzichtet. Es taucht weder ausgiebig in das Leben der Schüler ein, zwischen denen es schon durch ihr reges Sexleben Konfliktstoff genug gibt, noch gelangt der ominöse Geheimbund über den Status einer Behauptung hinaus. Für jene Zuschauer, die sich bei „Falkenberg“ im Zweifel an den oft und gerne präsentierten Waschbrettbäuchen der Kerle oder den Beinen der Damen erfreuen wollen, mag das ausreichen. Wer aber eingeschaltet hat, weil er nach der ambitionierten RTL-2-Teenie-Serie „Wir sind jetzt“ im Mai – einem Echo auf die Funk-Serie „Druck“, die ihrerseits ein Echo auf den norwegischen Serienhit „Skam“ war – einen weiteren Treffer im Bereich „Young Fiction“ erwartetete, sucht enttäuscht das Weite, noch bevor Ben zu einer ersten Mutprobe im Auto sitzt – fast wie weiland James Dean.

          Falkenberg läuft von heute an montags um 20.15 Uhr in Doppelfolgen auf RTL 2.

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