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Fake News über Straftat : Den Mord an einem Russen in Euskirchen gab es nicht

Im Netz kursiert ein Video, in dem eine Frau unter Tränen berichtet, in Euskirchen sei ein Russe von Ukrainern ermordet worden (Symbolbild). Bild: dpa

Propaganda im Sinne Putins: Im Netz kursiert ein Video, in dem eine Frau unter Tränen berichtet, in Euskirchen sei ein Russe von Ukrainern ermordet worden. Die Geschichte ist komplett erfunden.

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          Seit vielen Jahren schon arbeiten Putins Propagandisten ausdauernd daran, westliche Demokratien mit gezielten Falschmeldungen zu destabilisieren, Ressentiments und Verunsicherung zu schüren. Ein besonders krasser Fall in Deutschland war die Causa „Lisa“, die russische Medien 2016 nutzten, um im Rahmen der Flüchtlingskrise mit Fake News in deutsch-russischen Kreisen Stimmung zu machen. Das dreizehn Jahre alte Mädchen Lisa mit deutsch-russischen Eltern war wegen Schulproblemen von zu Hause ausgerissen, hatte zur Vertuschung aber behauptet, von „Südländern“ festgehalten und vergewaltigt worden zu sein. Auch als längst klar war, dass Lisa sich in der fraglichen Zeit bei ihrem Freund aufgehalten und Wochen vor ihrer angeblichen Entführung einvernehmlichen Sex mit zwei Männern gehabt hatte, verbreiteten russische Medien die Geschichte von ihrer Entführung und Vergewaltigung unverdrossen weiter.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Der „Fall“, über den am Sonntag in diversen sozialen Medien berichtet wurde, passt schon auf den ersten Blick in das Muster russischer Desinformation. In einem gut eineinhalbminütigen Video-Post berichtet eine untersetzte Frau auf Russisch, dass ein 16 Jahre alter russischer Helfer namens Daniel in einem Asylbewerberheim in Euskirchen von ukrainischen Flüchtlingen zu Tode geprügelt worden sei, nur weil er Russisch gesprochen habe. Eine Freundin habe ihr am Bahnhof davon erzählt. Am Ende scheint die etwa 30 Jahre alte Frau in Tränen auszubrechen, sie schluchzt und hält sich das Herz.

          „Besonders sorgsam auf Echtheit prüfen“

          Rasend schnell verbreitete sich das Video. Am Abend reagierte die zuständige Bonner Polizei auf Twitter: Über einen solchen gewaltsamen Übergriff oder gar einen Todesfall lägen keinerlei Informationen vor. Man gehe davon aus, dass es sich um ein „absichtliches Fake-Video handelt, das Hass schüren soll. Wir bitten dieses Video nicht weiter zu verbreiten und sämtliche Informationen, vor allem aus den sozialen Medien, besonders sorgsam auf Echtheit der gemeldeten Fakten zu prüfen.“

          Noch am Sonntagabend meldete sich die Frau mit einer weiteren Botschaft. „Ich möchte mich bei allen, die mein Video gesehen haben, dafür entschuldigen, es hat sich alles als unwahr herausgestellt“, teilte sie nun wiederum auf Russisch mit. „Ich habe es einfach geglaubt, ich habe es so sehr geglaubt, dass ich nicht einmal irgendwelche Fakten gebraucht habe, keine Bilder, keine Beweise. Ich möchte nicht, dass ihr denselben Fehler macht wie ich, ohne Bestätigung sollt ihr niemandem glauben.“

          Wer der eigentliche Urheber der Falschnachricht ist, bleibt zunächst unklar. Nach einem Bericht von „t-online“ gab es zu dem „Fall“ bereits am Sonntagnachmittag um 14 Uhr deutscher Zeit auf einer „Nachrichtenseite“ des russischen Propagandamediums „Federal News Agency“ einen Text ohne Quellenangabe. Enorme Verbreitung fand die fabrizierte Erzählung aber erst, als Alina Lipp das Video der untersetzten Frau auf dem Messengerdienst Telegram teilte. Die 1993 in Hamburg als Tochter einer Deutschen und eines Russen geborene Lipp ist eine eingefleischte Putin-Propagandistin, verherrlicht den Angriff auf die Ukraine und berichtet mit entsprechenden Methoden aus der selbst ernannten „Volksrepublik Donezk“.

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