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Zukunft des Hörfunks : Das digitale Radio braucht einen fairen Wettbewerb

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Einschalten und umschalten: Dass der Systemwechsel zum digitalen Radio kommt, steht für viele außer Zweifel. Die Frage ist nur, ob dann noch alle Sender dabei sind. Bild: dpa

Öffentlich-rechtlichen Sendern fällt es leicht, von UKW zu DAB+ zu wechseln, weil es dafür Gebührengeld gibt. Für lokale Privatkanäle geht es bei den Kosten um die Existenz. Die Politik muss sie sichern. Ein Gastbeitrag.

          Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Zukunft des Radios digital sein wird. Ebenso offensichtlich ist, dass es für die digitale Verbreitung von Radioprogrammen keinen Königsweg gibt. Das zeigen nachdrücklich die Beiträge zur DAB-Debatte in dieser Zeitung.

          Mit DAB+ und dem Internet stehen zwei Verbreitungswege zur Verfügung, die beide Vor- und Nachteile für Verbraucher und Anbieter haben und sich gerade deshalb ideal ergänzen: DAB+ ist nach einer notwendigen Simulcastphase, in der beide Übertragungsstandards noch parallel genutzt werden, deutlich kostengünstiger für die Anbieter als UKW und Internetradio. Für die Hörer bietet es im Vergleich zu UKW eine größere Programmvielfalt, die allerdings nicht annähernd an die Vielfalt des Internets heranreicht. Auch die Rückkanalfähigkeit des Internets ist bei DAB+ nicht gegeben. Dafür ist DAB+ im Gegensatz zum Netzradio für die Nutzer kostenfrei sowie problemlos mobil und ohne vertragliche Bindung zu empfangen.

          Nicht das einzige System

          DAB+ ist also für Anbieter und Hörer deutlich wirtschaftlicher. Das liegt auch an der längeren Wertschöpfungskette im Internet, bei der vor allem die Serviceprovider im stationären und W-Lan-Bereich und zusätzlich Mobilfunkbetreiber im mobilen Bereich profitieren. Darüber hinaus erscheint es politisch und gesellschaftlich geboten, etwa in Krisensituationen über einen flächendeckenden terrestrischen Kommunikationsweg zu verfügen. Eine Fortführung des heutigen Geschäftsmodells für Hörfunkveranstalter wird über das Internet nur sehr schwer möglich sein, wohingegen dies mit DAB+ im digitalen Zeitalter realisiert werden kann.

          DAB+ wird also nicht das einzige System sein, über das Digitalradio verbreitet wird. Aber es gibt eine Reihe guter Gründe, warum DAB+ eine sehr wichtige Rolle bei der digitalen Verbreitung von Hörfunkprogrammen spielen kann und sollte. DAB+ wird in Deutschland aber nur dann erfolgreich sein, wenn sich sowohl öffentlich-rechtlicher wie privater Rundfunk engagieren und die Politik unterstützende Maßnahmen in die Wege leitet.

          ARD und Deutschlandradio haben das Geld

          Tatsache ist, dass es eine völlig unterschiedliche Ausgangslage für die beiden Seiten des dualen Systems gibt. Während die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (Kef) den Landesrundfunkanstalten 89,4 Millionen Euro und dem Deutschlandradio 63,6 Millionen Euro für die weitere Entwicklung von DAB+ in der Beitragsperiode zwischen 2017 und 2020 zur Verfügung stellt, müssen die privaten Anbieter die Kosten für eine unbestimmt lange Simulcastphase aus ihren Werbeeinnahmen finanzieren.

          Das ist für landesweite Anbieter eher machbar als für lokale und regionale Sender. Belegt wird das durch die Ergebnisse der Studie zur wirtschaftlichen Lage des Rundfunks in Deutschland, die für landesweite Anbieter einen deutlichen höheren Kostendeckungsgrad ausweist als für lokale und regionale Angebote. Auch wenn die Verbreitungskosten in den Hörfunkunternehmen eine eher nachrangige Größe darstellen, richten diese Zusatzkosten im lokalen/regionalen Bereich eine sehr hohe und im Grunde kaum zu nehmende Finanzierungshürde auf. Wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk bei der Markteinführung mit Gebührenmitteln entsprechend unterstützt wird, muss man in dieser Phase zumindest die lokalen Anbieter auch in einer angemessenen Weise fördern.

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