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Facebook-Zensur : Scham vor nackter Haut

  • -Aktualisiert am

Pornographischer Inhalt oder medizinisches Objekt: ein Brustimplantat in chirurgischer Hand Bild: REUTERS

Das ZDF zeigte auf seiner Facebook-Seite ein Brustimplantat - zu viel nackte Haut für den puritanischen Sittenkodex des Netzwerks, das das Bild von der Seite löschte. In anderen Fällen ist man weniger zimperlich.

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          Laut Eigendarstellung fühlt sich Facebook ganz der Freiheit verpflichtet. Die Grundsätze des Unternehmens nennen sie gar an erster Stelle: „Nutzer sollten die Freiheit besitzen, alle Informationen, die sie teilen möchten, in jedem Medium oder Format mit anderen teilen zu können.“ Allerdings heißt es auch: „Du wirst keine Inhalte posten, die: Hassreden enthalten, bedrohlich oder pornografisch sind, zu Gewalt auffordern oder Nacktheit sowie Gewalt enthalten.“ Der Freiheit sind also klare Grenzen gesetzt und Nutzer haben die Möglichkeit, Bilder oder Beiträge, die gegen diese Richtlinien verstoßen, zu melden. Facebook kann seinerseits unerwünschte Inhalte nach Belieben sperren, wenn es auf sie aufmerksam wird.

          So jedenfalls die Theorie. Dass vieles, was nach Facebooks Maßstäben der Zensur zum Opfer fallen müsste, auf dem Netzwerk dennoch frei und offen zugänglich ist, kann jeder mit wenigen Klicks nachprüfen. Wem danach ist, der kann unter rassistische Statements der NPD ein „Gefällt mir“ setzen oder zum heiligen Krieg gegen Israel aufrufen. Mit Konsequenzen ist kaum zu rechnen. Andererseits fällt die Auslegung der Richtlinien in manchen Fällen sehr streng aus, wovon nun auch das ZDF betroffen war.

          Zu viel nackte Haut

          Die ZDF-Nachrichtensendung „heute“ ist weder dafür bekannt, zu Hass und Gewalt aufzurufen, noch pornographisches Material zu verbreiten. Dennoch konnte die Seite „ZDF heute“ bei Facebook vorübergehend nicht aufgerufen werden. Der Grund: Ein Bericht über medizinische Brustimplantate zeigte das Bild einer weiblichen Brust. Facebook löschte daraufhin das Bild und empfahl dem ZDF, die Seite vorübergehend zu sperren, um weiteren Verstößen vorzubeugen. Das ZDF kam dem nach, aber offenbar ohne Absicht.

          Denn nachdem die Facebook-Seite wieder online ist, verweist dort ein knapper Beitrag die Nutzer auf die Website der Sendung. Dort ließen sich alle Beiträge „ungefiltert und unzensiert durch US-amerikanische Medienkonzerne“ sehen. Erst in einem zweiten Beitrag räumt man eine „Panne“ ein und spricht von einem „Missverständnis in der Redaktion“, das zur Sperrung führten. Anders als frühe Medienberichte annahmen, hat sich das ZDF im zweiten Fall also selbst gesperrt.

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