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Facebook : Gefällt mir nicht!

„People first“? An dem Grundsatz darf man bei Mark Zuckerberg zweifeln. Bild: AP

Bislang heißt es bei Facebook immer: „Gefällt mir“. Künftig soll man Inhalte auch nicht mögen können. Doch reicht das, um die Welt zu verstehen? Der Konzernchef Mark Zuckerberg bezeugt einmal mehr, wie beschränkt sein Denken ist.

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          Facebook hat bekanntlich ein Problem. Und inzwischen hat der Konzernchef Mark Zuckerberg immerhin erkannt, dass er ein Problem hat. Die Nutzer dürfen Inhalte nur mögen. Dafür steht ihnen der „Like“-Button zur Verfügung. Doch was ist, wenn man etwas nicht goutiert – Hass-Äußerungen etwa - und auch das ausdrücken will? Dann ist Facebook sprachlos. Das will Mark Zuckerberg nun ändern und kommt auf eine Idee, die seinem Denken und dem Handeln von Facebook entspricht: Künstliche Intelligenz soll es richten und ein „Dislike“-Button soll her.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          „Heute ist ein besonderer Tag“, sagte Zuckerberg jetzt bei der jüngsten „Q & A“-Fragerunde, zu der er sich von Zeit zu Zeit herablässt, man stehe kurz davor, etwas zu testen: „Wir werden etwas einführen, was den Bedürfnissen der größeren Gemeinschaft entspricht.“ Schließlich sei es unpassend, bei einem traurigen Ereignis den „Like“-Button zu drücken, wenn man etwa Mitgefühl ausdrücken will.

          Neuerung im Sozialen Netzwerk : Facebook arbeitet an „Gefällt mir nicht“-Button

          Entweder „like“ oder „dislike“?

          Doch drückt man das etwa durch einen „Dislike“-Knopf aus? Was soll das signalisieren? Dass man das Gesehene nicht mag oder dass man es nicht sehen und nicht angezeigt bekommen will? Die Unterscheidungsmöglichkeit ist genauso dürftig wie bislang. Das Weltgeschehen spielt sich nicht zwischen „Like“ und „Dislike“ ab.

          Und vom eigentlichen Thema, mit dem sich Facebook beschäftigen sollte, lenkt die Knopf-Debatte ab. Von der Frage nämlich, wie der Konzern mit hetzerischen, diskriminierenden, rassistischen Äußerungen umgeht. Diese zu erkennen, sie zu bewerten, wenn sie von Nutzern angezeigt werden, ist keine Frage der künstlichen, sondern der menschlichen Intelligenz, auf die Facebook bekanntlich nicht vertraut. „Überraschenderweise“ sei die Sache „ziemlich kompliziert“, sagte Zuckerberg bei seiner Fragestunde. Dabei ist etwas ganz anderes überraschend: dass Mark Zuckerberg von einer Welt träumt, in der sich die Dinge per Knopfdruck regeln lassen. Einmal getippt und schon ist die Flüchtlingskrise weg und der Kosmos voller Katzenbilder? Dislike!

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