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Einflussnahme im Netz : Facebook schließt russische Propagandaseiten

  • Aktualisiert am

Auf Umwegen gelangen die Nachrichten des russischen Senders RT auch in deutsche Facebook-Kanäle. Bild: AFP

Facebook hat mehrere aus Berlin gesteuerte Ableger der russischen Regierungsmedien abgeschaltet. Deren Hauptstadtbüro befindet sich an einer illustren Adresse.

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          Facebook hat mehrere Seiten abgeschaltet, die zu einer heimlichen russischen Medienzentrale in Berlin gehörten. Auf den betroffenen Profilen wurden die Verbindungen zum russischen Staat offenbar verschleiert. Die Ableger der russischen Regierungsmedien hatten es auf vier Millionen Fans und 2,5 Milliarden Videoaufrufe auf Facebook gebracht.

          Unter anderem geht es um den Kanal „In the Now“, wie eine Recherche des Nachrichtenportals t-online.de offenlegt. Das Angebot hatte zuletzt deutlich mehr Facebook-Fans als deutsche Medien. Videos wurden nur für soziale Netzwerke produziert – mit Facebook als wichtigstem Verbreitungsort. Auch der Geschichts-Kanal „Backthen“, die Umweltthemen-Seite „Waste-ED“ und „Soapbox“, ein Kanal für aktuelle politische Beiträge, wurden abgestellt.

          Gleich nebenan

          Kritik in den Beiträgen der Kanäle richtete sich nach Information von t-online vor allem gegen europäische Regierungen und die Vereinigten Staaten. Für die Zuschauer sei nicht erkennbar gewesen, nach welchen Gesichtspunkten Themen ausgewählt wurden, wie ihr Fokus zustande kam und welcher Konzern hinter ihnen steckt. Von Instagram wurde zum Youtube-Kanal verlinkt, der wiederum zu Facebook weiterleitete. Ein Impressum gab es nicht.

          Offenbar befindet sich das Berliner Büro dieser sogenannten Nachrichtenseiten ausgerechnet in dem Hochhausgebäude am Potsdamer Platz, in dem sich auch Facebook mit seinem deutschen Hauptstadtbüro eingemietet hat: Die Anteile der Maffick GmbH werden zu knapp 51 Prozent von der Ruptly TV GmbH gehalten, die wiederum zu RT (ehemals Russia Today) gehört und Teil des staatlichen russischen Medienkonzerns ist.

          Der Kanal „Redfish“, ein weiteres Angebot aus dem Umfeld der russischen Staatsmedien, darf anscheinend bleiben: Er verlinkt auf Facebook das Impressum der Firma redfish GmbH mit einer Berliner Adresse. Die wiederum ist eine hundertprozentige Ruptly-Tochter und beschreibt sich als ein „Medienunternehmen, das kritische Ermittlungs- und kollaborative Kurzdokus entwickelt, um soziale und wirtschaftliche Veränderungen anzuregen.“

          Fälle von abgeschalteten Propagandaseiten in Amerika belegen, dass Facebook bislang eher halbherzig auf gesteuerte Medienbeiträge reagiert: Bevor CNN vergangene Woche einen Bericht mit dem Titel „Russland fördert eine Firma für Viral-Videos, die sich an amerikanische Millenials richtet“ zeigte, sperrte das Netzwerk-Unternehmen die genannten Seiten und teilte dem Sender mit, die Richtlinien zur Transparenz von Seiten würden überarbeitet.

          Inzwischen seien die Seiten allerdings wieder zugänglich gewesen, berichtet t-online.de. Facebooks Richtlinien enthalten keine Angaben darüber, was ein Profilbetreiber an Informationen über seine Muttergesellschaft angeben muss. „Wir haben keinerlei Regeln von Facebook verletzt", heißt es in einer Stellungnahme der Maffick-Chefin Anissa Naouai. Bei Maffick wird beklagt, CNN habe Facebook zu einer „beispiellosen Zensur“ gedrängt“. Allein die Tatsache, dass die russische Regierung das Angebot finanziere, habe für die Sperrung gesorgt.

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