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Facebook-Löschteam : Jeden Tag Gewaltexzesse

  • Aktualisiert am

Läuft bei ihm: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in Berlin. Hier befinden sich auch seine Löschtruppen. Bild: dpa

Kaum etwas ist so geheimnisumwittert wie Facebooks Löschregeln. Nun liegen dem SZ-Magazin interne Dokumente vor, die die erschreckenden Arbeitsmethoden des Berliner Löschteams dokumentieren.

          Seit Herbst 2015 lässt Facebook von der Berliner Bertelsmann-Tochter Arvato Postings und Kommentare überprüfen. Sechshundert Mitarbeiter arbeiten dort, sie dürfen weder mit Journalisten noch mit Behördenvertretern über ihre Tätigkeit reden – auch Freunden und Familien gegenüber sollen sie nicht erwähnen, was sie genau tun und für wen. Reporter der Süddeutschen Zeitung haben nun derzeitige und ehemalige Mitarbeiter ausfindig gemacht. Was sie über diese „digitale Müllabfuhr“ erzählen, ist einigermaßen erschreckend.

          Vor allem die tägliche Sichtung von gewalttätigen und pornografischen Inhalten sei psychisch belastend, psychologische Unterstützung gebe es so gut wie keine. Mitarbeiter müssten pro Tag zweitausend Lösch-Tickets bearbeiten, Pausen sind nicht vorgesehen. Im arabischen Team arbeiteten auch Kriegsflüchtlinge, die nun im Schichtdienst blutige Propagandavideos sichten müssen. Die Mitarbeiter berichten von Grausamkeiten, die sie kaum noch bewältigen könnten und mit denen sie alleine gelassen werden. Bezahlt würden sie knapp über Mindestlohn.

          Dazu kommt, dass die Regeln undurchsichtig und schwammig seien und sich oft änderten. Gewalt oder Tierquälerei alleine seien noch kein Löschgrund, sondern erst dann, wenn sie in einem bestimmten Kontext stehen, etwa der sexuellen Erregung dienen. Dieser „Gemeinschaftsstandards“ genannte Regelkatalog funktioniert wie ein alternatives Gesetzbuch, das mit möglichst allen Staaten der Welt kompatibel sein muss und sich an keinen Pressekodex hält, obwohl Facebook für viele längst zur wichtigsten Informationsquelle geworden ist.

          Arvato selbst nimmt zu Anfragen der Süddeutschen Zeitung nicht Stellung. Unter dem Hashtag #insidefacebook sammeln die Redakteure nun weitere Entwicklungen zu der Geschichte.

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