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Doppelmord auf Facebook Live : Eine Plattform für Verbrecher

Facebook ist immer für Neues gut – doch zu Ende gedacht ist ihre neueste Innovation nicht. Bild: AFP

Mark Zuckerberg glaubt, mit dem Livestreaming von Videos die Probleme der Menschheit zu lösen. Ein gewaltiger Irrtum: Er hat neue Probleme geschaffen und wird der Sache nicht Herr.

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          Was für eine wunderbare Möglichkeit: Als Mark Zuckerberg am Dienstag erstmals einen seiner „Townhall“-Auftritte nicht vor einem Hunderte oder Tausende zählenden Publikum irgendwo auf der Welt hatte, sondern im Facebook-Hauptquartier in Menlo Park, stand ihm die Begeisterung ins Gesicht geschrieben: Hunderttausende könnten sich nun an seinen Fragerunden beteiligen, dank einer neuen Funktion von Facebook – der Live-Sendung von Videos.

          Siebeneinhalb Millionen Zuschauer hat der Film inzwischen gefunden. Das ist ein großes Publikum, für das Zuckerberg eine wichtige Botschaft hat: Wir alle müssten die sozialen Medien und Technologien nutzen, um die Probleme der Menschheit zu lösen und dem Frieden näherzukommen, zitiert er einen Nutzer aus Florida. Es mache ihn stolz, fährt Zuckerberg fort, dass die Community immer einen Weg finde, zusammenzukommen, wenn sich auf der Welt eine Tragödie ereignet habe. In seinen Gedanken und Gebeten sei er bei den Opfern von Orlando, und auch den Polizisten und dessen Frau, die in der Nacht auf Dienstag in einem Vorort von Paris ermordet wurden, schließt er in seine Gedanken und Gebete ein.

          Was Mark Zuckerberg nicht erwähnt, ist, dass sich auch der Doppelmörder von Magnanville der von Facebook neu geschaffenen Möglichkeit bediente, live auf Sendung zu sein, als er den Polizisten erstach, seiner Lebensgefährtin die Kehle durchschnitt und nur den drei Jahre alten Sohn am Leben ließ. Das gab es in der Nacht zu Dienstag bei Facebook zu sehen, der islamistische Attentäter übertrug es live. Am Tag darauf sagte Facebook den französischen Behörden sofort eine enge Kooperation zu. Wann immer dem Netzwerk „terroristischer Inhalt“ gemeldet werde, entferne man diesen so rasch wie möglich. Eine Sprecherin gestand aber ein, dass live gesendete Videos eine „besondere Herausforderung“ seien.

          Im vergangenen Jahr hat das Netzwerk mit mehr als anderthalb Milliarden Nutzern seine Richtlinien überarbeitet. Darin heißt es, man diene nicht als Plattform für Angriffe und Verbreitung von Gewalt. Terroristen und Terrorakte hätten „keinen Platz auf Facebook“, betonte das Unternehmen jetzt. Das Gegenteil ist der Fall: Allen Beschwörungen zum Trotz stellt der Konzern mit Facebook Live auch all jenen eine Bühne zur Verfügung, die Gewalt verbreiten und entsetzlichste Greueltaten auch noch live senden wollen – nebst Bekenntnissen und dem Aufruf zur Nachahmung, wie sie der Täter von Magnanville verbreitete, bevor die Polizei das Haus stürmten.

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          Erst wenn ein Live-Video läuft, kann es entdeckt werden. Um zu verhindern, dass Mord und Terror auf Sendung gehen, müsste Facebook schneller als die Polizei und in dem Augenblick zur Stelle sein, in dem ein Täter mit seiner Übertragung beginnt. Doch was muss bei Facebook passieren, bis eine Sendung unterbrochen, das Material gelöscht und der Urheber ausfindig gemacht wird? Das weiß allein der Konzern. Wenn Mark Zuckerberg meint, sein Konzern löse mit dem Livestreaming von Videos die Probleme der Menschheit, irrt er gewaltig. Er schafft neue, lässt Verbrecher auf Sendung und hat keine Ahnung, wie er dem Einhalt gebietet. Er hat die Büchse der Pandora geöffnet.

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