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Virtual Reality : Die Zukunft, wie Mark Zuckerberg sie sieht

Wer möchte Teil dieser Zukunft sein? Virtual-Reality-Zombies in Barcelona. Bild: Facebook

Ein Foto vom Mobile World Congress in Barcelona macht die Runde: Mark Zuckerberg ist darauf zu sehen, wie er an einem Auditorium voller VR-Brillen-Zombies entlangflaniert. Eine Bildbesprechung.

          Schön ist das nicht: Fahlblau leuchtet der Raum, fahlblau leuchtet die Haut, aber das ist allen egal, denn was sie sehen, spielt sich in einer klotzförmigen Virtual-Reality-Brille ab. Was sie sehen? Das wissen wir nicht. Womöglich etwas Schöneres als einen fahlblauen Raum voller blasser Männer, die ausdruckslos unter ihren Brillen verharren. Mimik ist, wenn keiner mehr guckt, ja auch unnötig. Nur einer ist in Bewegung: Mark Zuckerberg, Facebook-Gründer, brillenlos und lächelnd.

          Das Bild entstand auf dem Mobile World Congress in Barcelona, also dort, wo Menschen sich treffen, die sich über unsere technische Zukunft Gedanken machen. Was dort passiert, das passiert uns allen irgendwann, das sind wir – noch nicht heute, aber bald. Und man schaut sich das an und es packt einen ein mittelgroßes Grausen.

          Wie Zombies in der Matrix

          Mark Zuckerberg hingegen scheint nicht einmal ein kleines Grausen zu packen, ganz im Gegenteil. Er postet das Bild auf seiner Facebookseite und schreibt in freundlichem Plauderton dazu, er sei gerade auf diesem Samsung-Event gewesen, da sei es um die Zukunft der Virtual Reality gegangen und wie spannend alles sei.

          Interessanterweise sehen das viele seiner Kommentatoren nicht so: „Damn, it's kind of creepy“ schreibt der erste – Verdammt, das ist ziemlich unheimlich – und 8852 Menschen gefällt das. „Mark – fühlt es sich nicht seltsam an, der einzige zu sein, der geht und mit seinen echten Augen schaut, während alle anderen Zombies in der Matrix sind?“ fragt ein anderer. Anscheinend klafft, dieses Bild betreffend, auch zwischen technisch durchaus zugewandten Menschen ein Wahrnehmungscanyon.

          Zunächst einmal ruft dieses Bild so ziemlich alles an dystopischem Bildrepertoire auf, was die Popkultur in den letzten Jahrzehnten beschrieben und – meist hinreichend fahlblau – verfilmt hat. Massenhypnotisierte Menschen, denen eine echte, lebenswerte Welt abhanden kam und denen nur das virtuelle Surrogat bleibt. Eine Welt wie in „The Matrix“, eine Folge der britischen Fernsehreihe „Black Mirror“, eine Ästhetik wie in „Blade Runner“ mit der abgrundtiefen Traurigkeit des Endes von „Brazil“, an dem der verrückt gewordene Protagonist sich aus der grauenvollen Realität heraus in bessere Welten träumt. Und als einziger normaler Mensch bleibt Mark Zuckerberg übrig, ein grinsender Millionär in generischem grauen T-Shirt.

          1984 wird nicht 1984 sein

          Ein weiterer, ziemlich treffender Vergleich bietet sich an, ihn zog der Technikjournalist Drew Olanoff auf Twitter. Apple produzierte im Jahr 1984 einen inzwischen legendären Werbespot, der mit dem Titel von George Orwells dystopischem Roman spielt. „And you'll se why 1984 won't be like '1984'“, heißt es im Abspann, nachdem reihenweise graue Menschen starr vor sich hinstapfen, zu keiner Regung mehr fähig außer zu marschieren und Gehirnwäsche zu empfangen, bis eine Frau in einer knallroten Shorts mit einem Hammer die Gehirnwäschekinoleinwand zerstört. Sie ist der Macintosh, sie befreit die Arbeitssklaven aus ihrer Unterdrückung. Gut, das war wirklich sehr lange vor der Erfindung des iPhones.

          Apple setzte in Sachen Image immer auf die Vermeidung von solchen Bildern, wie Zuckerberg sie nun postet, und betonte den menschlichen, kreativen Ansatz der Technik. In der Apple-Zukunft werden Maschinen als bunte, begehrenswerte Objekte gehandelt, die ihren Besitzern bei der Umsetzung von Ideen helfen. Die Samsung-Zukunft, für die Zuckerberg wirbt, produziert Bilder, denen man beim besten Willen keine Schönheit abgewinnen kann, und deren Maschinen keine Assistenten eines Individualisierungsprozesses sind, sondern im Gegenteil zu einer Massenverblendung beitragen. Fast erschreckender als das Foto selbst ist die Unbefangenheit, mit der Zuckerberg es verbreitet – offenbar wenig sensibilisiert für die dunkle Seite, die viele einer Technik abgewinnen, die alle Lebensbereiche beeinflusst.

          So günstig sei die Brille zusammen mit einem Samsung Galaxy S7, schreibt der enthusiasmierte Facebook-Chef auf seinem Profil, dass sie noch in diesem Jahr in die Händen von Millionen Menschen gelangen werde. Nein, auch der Begleittext macht die Sache beim besten Willen nicht besser.

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