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Kommentar zu Enthüllungen : Facebooks schwarze PR

Facebook-Chef Mark Zuckerberg im Mai 2018 auf einen Technik-Kongress in Paris Bild: Reuters

Facebook hat mit einer Firma namens „Definers“ zusammengearbeitet, die Übles über Kritiker des Konzerns in Umlauf brachte. Die Firmenchefs wollen davon nichts gewusst haben. Sollen wir ihnen das abnehmen?

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          Die Firma heißt „Definers“. Definers Public Affairs, mit Sitz in Washington. Und mit definieren, erklären, bestimmen hat die Tätigkeit der Agentur auch zu tun. Sie hat, wie die „New York Times“ in einer großangelegten Analyse des Innenlebens von Facebook darlegt, für den Netzwerkkonzern so einiges definiert.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Sie hat den Recherchen zufolge Facebook-Kritiker in Misskredit gebracht und diese, wie Verschwörungstheoretiker es lieben, mit dem Investor George Soros in Verbindung gesetzt und Journalisten angehalten, Facebooks Rivalen, wie etwa Google, unter die Lupe zu nehmen. Was die „Definers“ machen, nennt sich offiziell Öffentlichkeitsarbeit oder PR, dem Wesen nach, das die „Times“ beschreibt, ist es jedoch Propaganda.

          Man könnte auch von „Fake News“ sprechen, also dem Phänomen, dem sich Facebook nach den Worten des Gründers Mark Zuckerberg und der Geschäftsführerin Sheryl Sandberg mit aller Macht entgegenstemmen will. Die Wahrheit scheint aber zu sein, das Facebook Fake News nicht nur nicht ausfindig macht und unterbindet, sondern selbst sogar produziert.

          Dessen sollen sich Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg im Fall der „Definers“ nicht bewusst gewesen sein, heißt es. Kurz nach der Veröffentlichung hat Facebook die Zusammenarbeit mit den „Definers“ beendet. Man habe aus der Verbindung nie ein Geheimnis gemacht, aber „Definers“ nie dazu angehalten, Unwahrheiten zu verbreiten, teilte Facebook mit.

          Doch wer weiß schon, ob nicht längst andere Definierer für Facebook am Werk sind, da die Chefs von den bisherigen Aktionen doch angeblich gar nichts wussten. Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen, nichts wissen – so nahmen sich die leutseligen Auftritte von Mark Zuckerberg vor dem amerikanischen Kongress und dem EU-Parlament aus. Der Beteuerungen, sich der Wahrheit zu widmen, „Fake News“ und „Hate Speech“ zu bekämpfen, waren reichlich, doch in medias res ging Zuckerberg nie. Weder was den Zugriff auf die Daten der Nutzer noch was die Löschpraxis seines Konzerns angeht, die vor Gericht ein um das andere Mal nicht standhält. Facebook und die „Definers“ – das passt.

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