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„Fake News“ und „Focus Online“ : Ein Bock wird Gärtner

Wer holt für Facebook die Kohlen aus dem Feuer? Eine Kooperation wäre so naheliegend wie zweifelhaft. Bild: dpa

„Focus Online“ als Facebooks Wahrheitsinstanz? Die Frage ist, ob sich das unter inhaltlichen Gesichtspunkten empfiehlt. Oder besser gesagt: Das ist keine Frage.

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          Die Suche nach Partnern zur Bewältigung von „Fake News“ gestaltet sich für Facebook schwierig. Außer der Redakteursgruppe „Correctiv“ hat der Netzwerkkonzern bislang noch niemanden gefunden, der sich hierzulande der Aufgabe unterziehen will, den Stempel „Fake News“ zu verteilen. Glaubt man „Spiegel Online“, steht Facebook allerdings kurz davor, mit „Focus Online“ handelseinig zu werden. Bei Facebook heißt es dazu auf Anfrage, man wolle zu möglichen Partnern in Sachen „Fake News“ zurzeit nichts sagen, sei aber guten Mutes, dieselben zu finden. Bei „Focus Online“ heißt es, man stehe in Verhandlungen, seitens Facebook bestehe Interesse an der Zusammenarbeit und man sei selbst dazu auch bereit, doch sei die Sache noch nicht zu Ende verhandelt, eine Entscheidung nicht getroffen.

          Absagen hat sich der Netzwerkkonzern schon eine ganze Reihe abgeholt, unter anderem bei der ARD und beim Springer-Verlag. Das hängt zum einen damit zusammen, dass schon die Definition von „Fake News“ so einfach nicht ist und der Terminus längst zum Kampfbegriff verkommen ist, mit dem jemand wie Donald Trump ununterbrochen operiert. Zum anderen will Facebook die Faktenprüfung nicht eigens entlohnen. Bezahlt würde nur mit Reichweite: Wer „Fake News“ bearbeitet, zieht das Publikum, das sich auf der jeweiligen Seite versammelt, schon allein dadurch zu sich herüber, dass die Korrekturen mit den „Fakes“ verlinkt werden.

          Das würde dem Geschäftsmodell von „Focus Online“, das alleine auf Reichweite setzt, in die Karten spielen. Die Frage ist allerdings, ob „Focus Online“ sich unter inhaltlichen Gesichtspunkten als „Wahrheitschecker“ empfiehlt. Oder besser gesagt: Das ist keine Frage. „Focus Online“ jagt eine Boulevardgeschichte nach der anderen durchs Netz und steht nicht von ungefähr in dem Ruf, bei anderen abzuschreiben. Springer hat deswegen Klage beim Landgericht Köln eingereicht.

          Der Vorwurf lautet: „Focus Online“ greift sich massenhaft Geschichten, die zuvor das Bezahlangebot „Bild Plus“ recherchiert und exklusiv publiziert hat. Das geschehe nicht in Einzelfällen, sondern systematisch und bedrohe das Geschäftsmodell einer ganzen Branche. Durch ein „Fake-News“-Bündnis mit Facebook bekäme „Focus Online“ dabei noch mächtig Auftrieb. Die Idee einer Instanz, die Propaganda von Journalismus trennt, wäre mit dieser Besetzung tot. Mit „Focus Online“ würde Facebook den Bock zum Gärtner machen. Auf die Auslese dürfen wir gespannt sein.

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          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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