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Facebook-Chef Mark Zuckerberg : „Er will Kaiser werden“

  • -Aktualisiert am

Nur scheinbar unscheinbar: Mark Zuckerberg, skizziert auf eine Wand im neuen Hauptquartier von Facebook in Kalifornien. Bild: Reuters

Amerikanische Medien kriegen vor Spekulationen über politische Ambitionen des Facebook-Chefs Schnappatmung. Dabei ist er mit seinem alles durchdringenden Kontrollmedium längst mächtiger als der Präsident.

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          Der amerikanische Präsident Donald Trump ist kaum im Amt, da regiert er per Dekret durch und zieht weltweit Kritik auf sich. Ganz vorneweg bei seinen Kritikern, die etwa gegen sein Einreiseverbot für Muslime protestieren, sind die Tech-Konzerne, ist das Silicon Valley und ist der Facebook-Chef Mark Zuckerberg. In einem Post zeigte er sich „besorgt“: Amerika sei eine Nation der Einwanderer, schrieb Zuckerberg, „und darauf sollten wir stolz sein“. Das Land solle offen sein für Flüchtlinge, die Hilfe brauchen, und es profitiere davon, „wenn die Besten und Klügsten aus der ganzen Welt hier leben und arbeiten“.

          Damit setzte sich Zuckerberg an die Spitze der Silicon-Valley-Kritiker, die sich in ihrem Widerstand gegen Trump mit einer immer größeren Bewegung aus Kunst und Unterhaltung einig sind. Mark Zuckerberg ist aber nicht nur ein Präsidentenkritiker. Er zählte, wie Michelle Obama, zum illustren Kreis von Kandidaten, die zwischenzeitlich als potentielle Nachfolger Trumps gehandelt wurden, in der vielleicht etwas wolkigen Hoffnung, der amtierende Präsident werde schon bald aus dem Amt katapultiert. Der Facebook-Gründer hege politische Ambitionen, hieß es, bis er dem OnlineDienst „Buzzfeed“ gegenüber sagte, dass dem nicht so sei.

          Problemlöser, Vernetzer, Philantrop

          Doch so leicht wollten die amerikanischen Medien von ihren wochenlangen Spekulationen nicht lassen. Auch „Buzzfeed“ fielen eine Menge Gründe ein, wieso Zuckerberg der bessere Präsident als Trump wäre. In „Vanity Fair“ hatte der Autor Nick Bilton geschrieben, er habe von Freunden und Mitarbeitern erfahren, dass Zuckerberg mit dem Gedanken spiele, 2020, spätestens 2024 für das Präsidentenamt zu kandidieren. Dann hätte er das von der Verfassung vorgeschriebene Wählbarkeitsmindestalter von 35 Jahren erreicht. Zuckerberg, wurde ein Vertrauter zitiert, habe große Pläne: „Er will Kaiser werden.“

          Zuckerbergs Selbstverständnis passt zum Bild, das die Medien von ihm zeichnen. Der „Economist“ setzte ihn im Stile eines römischen Imperators in Szene: der Facebook-Gründer auf einem Thron, den rechten Daumen nach oben gereckt, die linke Hand ein Facebook-Symbol über dem Globus haltend. Das Magazin „Forbes“ hält Zuckerberg zugute, dass er sein Leben darauf verwende, die Menschheit zu vernetzen, er habe eine riesige Gefolgschaft, habe den Nachrichten-Algorithmus geändert, um Freunde und Familie in den Vordergrund zu rücken, und suche stets Wege, Probleme zu lösen. Außerdem habe er sich als Philanthrop verdient gemacht. Der „Vanity Fair“-Autor Bilton meinte, im Gegensatz zu Trump, dem „Twitter-Troll“, sei Zuckerberg ein Staatsmann, der sicher auf diplomatischem Parkett agieren könne. Er sei der qualifizierteste Kandidat, wenn es darum gehe, die Vereinigten Staaten sicher durch die Ära der Digitalisierung zu steuern. Nach dem Motto: lieber ein Nerd als ein Hitzkopf im Weißen Haus.

          Er hat die Macht

          Und hatte Zuckerberg nicht längst eine Bewerbungsrede gehalten? Anlässlich der Geburt seines ersten Kindes und der damit verknüpften Ankündigung, dass er und seine Frau Priscilla Chan 99 Prozent ihrer Anteile an dem Internetkonzern auf lange Sicht spenden wollten, schrieb er einen offenen Brief an seine Tochter Max. In dem entwarf er die Vorstellung einer Zukunft, in der Krankheiten geheilt und Chancen gerecht verteilt sind. Zuckerberg formuliert zwei Ziele: das „menschliche Potential“ voranzutreiben und Gleichheit zu fördern. Ob er sich da schon zu Höherem berufen fühlte?

          Ehrgeiziges Vorhaben : Mark Zuckerberg will alle Krankheiten besiegen

          Sollte Zuckerberg als Präsident kandidieren, träte da nicht irgendein Zeitungsverleger oder Industrieller an, sondern jemand, der eine ganze Informationsstruktur kontrolliert. Facebook ist zum wichtigsten Vertriebskanal für Medien und zu einer Art Fernsehmedium geworden. Facebook ist das neue CNN. Ob Kampfhandlungen in Syrien oder ein Sportereignis in der Provinz - Facebook ist live vor Ort, bevor die ersten Ü-Wagen eintreffen. Kandidierte Zuckerberg, wäre die Gefahr groß, dass Facebook als Organ für seine Kampagne instrumentalisiert wird. Würde der Nutzer kritische Berichte über Zuckerbergs Stiftung zu lesen bekommen? Wohl eher nicht. Die politische Willensbildung im Netz, die in den Echokammern von Facebook abläuft, wäre dann nur noch ein Intranet. Zuckerberg wäre auf mediale Berichterstattung gar nicht mehr angewiesen, er wäre sein eigener Sender.

          Die vielbeschworene „Disruption“ würde die Presse, die mit dem amtierenden Präsidenten alle Hände voll zu tun hat, endgültig erwischen. Dabei sind für den Facebook-Gründer Zuckerberg das Gemeinwohl und der Profit seines Unternehmens eins. Aber Zuckerberg muss ja auch gar nicht in Weiße Haus. Seine Ambition ist größer. Er will Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt in sein Netz holen, wie seine Expansionsbestrebungen in Indien, wo er seine Free-Basics-Dienste als Verwirklichung digitaler Grundrechte ausgibt, zeigen. In Facebook-Land ist Zuckerberg längst Präsident. Dort hat er mehr Einfluss als das Weiße Haus.

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