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Rassismus-Vorwürfe : Die „New York Times“ schrieb, was Donald McNeil nicht sagen durfte

Er braucht Platz, um sich auszusprechen: In einem vierteiligen Essay hat Donald McNeil geschildert, wie er bei der „New York Times“ zur Unperson wurde. Bild: TONY CENICOLA/The New York Times

Zwanzigtausend Wörter über das N-Wort im Kontext: Der von der „New York Times“ geschasste Wissenschaftsreporter Donald McNeil erzählt seine Version der Geschichte.

          3 Min.

          Donald McNeil, der langjährige Wissenschaftsreporter der „New York Times“, der die Zeitung verlassen musste, weil ihm vorgeworfen wird, sich rassistisch ausgedrückt zu haben, hat am Montag dieser Woche, dem ersten Tag nach dem Auslaufen seines Arbeitsvertrags, seine Version der Geschichte erzählt. Auf der Internetseite „Medium“ publizierte er einen vierteiligen Essay mit einer Länge von 20.000 Wörtern. Wäre er in der Zeitung gedruckt worden, hätte er mehrere Seiten gefüllt. Die „New York Times“ brachte eine Notiz über dieses jüngste Kapitel eines internen Konflikts und charakterisierte McNeils Text in der Überschrift als „länglich“ („lengthy“). Einen gewissen ironischen Unterton darf man wohl heraushören, mindestens den Hinweis darauf, dass diese Publikation McNeils, der seit 1976 für das Blatt tätig gewesen war, nicht den Prozess des Redigats im Hause der „New York Times“ durchlaufen hat.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          McNeil hatte keinen Grund, sich kurz zu fassen; niemand soll ihm vorwerfen können, dass er etwas verschweige. So geht er indirekt auch auf einige Punkte aus der Berichterstattung ein, zu denen er direkt schlecht Stellung beziehen kann, weil ein Journalist der eigenen Person nie objektiv gegenübersteht. Etwa musste er über sich lesen, dass er nicht besonders beliebt sei und als schwierig gelte. Statt diese Feststellung zu bestreiten, konkretisiert McNeil sie, um ihr eine Pointe auf Kosten der Routinen bei seinem Arbeitgeber abzugewinnen: Unbeliebt sei er vielleicht bei den Redakteuren, weil er ihnen mit Beschwerden das Leben schwergemacht habe – denn leider sei die „New York Times“ keine Reporterzeitung, sondern eine Redakteurszeitung, bei der die Redakteure das letzte Wort hätten und manchmal ein falsches Wort hineinredigierten.

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