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Prozessauftakt für Udo Foht : Prozess gegen einstigen MDR-Manager gestartet

Der frühere MDR-Unterhaltungschef Udo Foht verlässt nach dem ersten Prozesstag das Landgericht Leipzig. Bild: dpa

Er war einer der mächtigsten Männer der deutschen Fernsehbranche. Jetzt muss sich der frühere MDR-Mann Udo Foht wegen Betrugs vor Gericht verantworten.

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          Der kleine, untersetzte Mann ist zunächst kaum zu erkennen, als er zwischen seinen Anwälten den Saal 115 des Landgerichts Leipzig betritt. Er hat ein weißes Hemd und einen hellblauen Anzug an und seine hellgrauen, langen Haare zum Zopf gebunden. Fast wirkt er wie ein Künstler, doch er war mal einer der mächtigsten Männer des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR): Udo Foht, ab 1992 fast zwanzig Jahre lang Unterhaltungschef des Senders. Er brachte vor allem quotenträchtige Volksmusik-, Weihnachts- und Schlager-Shows ins Fernsehen und gilt als Entdecker und Förderer der Schlagerstars Helene Fischer und Florian Silbereisen.

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          2011 kam der abrupte Absturz: Foht wurde fristlos entlassen und seitdem nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Am Donnerstag war es damit vorbei: Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts eröffnete ein lange geplantes Verfahren gegen ihn.

          Die Staatsanwaltschaft wirft dem inzwischen 71 Jahre alten Foht Betrug, Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung in insgesamt 22 Fällen vor. So soll sich Foht zwischen 2006 und 2011 in 13 Fällen Geld – meist zwischen 10.000 und 45.000 Euro - von Bekannten, Stars und Produktionsfirmen geliehen haben. Das Geld sollte vor allem der Produktion verschiedener MDR-Sendungen dienen und nach Ausstrahlung mittels höherer Rechnungen der Firmen an den Sender an sie zurückgezahlt werden. Das aber sei der Staatsanwaltschaft zufolge häufig nicht oder nur unzureichend der Fall gewesen. Dem Angeklagten sei bewusst gewesen, „dass eine Rückzahlung nicht erfolgen würde oder er nicht zu einer Rückzahlung in der Lage war“, lautet der häufigste Satz im Anschluss an die Auflistung eines jeden Falls.

          Prinzip linke Tasche, rechte Tasche

          Bekannt ist bisher, dass Foht kreativ mit seinen Produktionsbudgets jonglierte. Die MDR-Führung habe seine Arbeit nie geschätzt, sagte er 2016 dem „Spiegel“. Trotz aller Erfolge sei nie genug Geld für seine Ideen dagewesen, im Gegenteil, die Budgets schrumpften. Und er gab Einblicke in den Irrsinn einer öffentlich-rechtlichen Anstalt. So hätten Firmen auch dann für MDR-Archivmaterial bezahlen müssen, wenn sie Sendungen für den MDR produzierten. Das Geld ging also von Fohts Budget ab und kam an anderer Stelle beim MDR wieder herein – Prinzip linke Tasche, rechte Tasche. Ob Foht mit seinen kreativen Geldschiebereien irgendwann den Überblick verlor oder einer seiner Finanziers ihn womöglich auffliegen ließ, ist bis heute unklar.

          Eine halbe Stunde braucht der Staatsanwalt, bis er alle Details der Anklage vorgetragen hat. Foht sitzt zusammengesunken zwischen seinen Verteidigern. Der einzige Satz, den er außer der Angabe seiner Personalien am Donnerstag sagt, ist eine Bitte nach Kopfhörern. Die Akustik im Saal lässt zu Wünschen übrig. Der Prozess wiederum hätte schon vor Jahren beginnen sollen, die Anklage selbst war 2013 fertig. Warum sich der Auftakt so lange verzögerte, ist ein Rätsel. Zuletzt war er wegen einer Erkrankung Fohts verschoben worden. Die lange Dauer sowie die Krankheit sind es dann auch, mit der das Gericht seinen Vorschlag auf eine Verständigung begründet. Sollte Foht „ein glaubhaftes, qualifiziertes Geständnis“ ablegen, könnte eine Freiheitsstrafe zwischen einem Jahr und einem Jahr und neun Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt würde, folgen.

          Die Vorwürfe der Untreue sowie die fünf Fälle von Steuerhinterziehung, bei denen es um geringe Honorare für eigene Moderationen ging, sollen dann als erledigt gelten. Die Staatsanwaltschaft stimmte dem am Donnerstag zu, Fohts Verteidiger wollen sich dazu an diesem Freitag äußern, signalisierten aber bereits, dass ihr Mandant an einer Verständigung interessiert sei. Sollte es zu einer Einigung kommen, könnte das zunächst bis in den Februar kommenden Jahres geplante Verfahren deutlich abgekürzt werden und zahlreichen Größen der Show- und Schlagerbranche, die bisher auf der Zeugenliste stehen, wohl eine Aussage erspart bleiben.

          Nach der Affäre um Ex-Intendantin Schlesinger beim RBB hatte die Anklageerhebung im Fall Foht erhebliche Wellen im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk geschlagen. So war die Direktorin des Landesfunkhauses Sachsen-Anhalt, Ines Hoge-Lorenz, Ende vergangener Woche zurückgetreten. Sie begründete den Schritt damit, bei ihrem Amtsantritt 2021 nicht offengelegt zu haben, dass ihr Ehemann vor zehn Jahren ebenfalls in die Causa Foht verwickelt gewesen sei. MDR-Intendantin Karola Wille sagte, sie nehme die Entscheidung „mit großem Respekt und Bedauern“ zur Kenntnis.

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