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Europas Fußball-Kommentatoren : Das Reden der anderen

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Wenn das Stadion tobt, sollen die Zuschauer zu Hause nicht in die Röhre gucken: Die Fernsehmoderatoren und -kommentatoren sorgen für Kontakt. Bild: Picture-Alliance

Können die Fußball-Kommentatoren der europäischen Nachbarn es besser? Wer kommentiert in welchem Land und vor allem wie bei der Fußballeuropameisterschaft? Ein Leistungstest.

          9 Min.

          Grégoire Margotton, Frankreich

          Bei seiner Premiere trug er eine Krawatte, das hatten wohl die Sponsoren so gewollt. Sie war ein bisschen strenger geknüpft als jene von Bixente Lizarazu, dem Weltmeister von 1998 aus dem Baskenland, an dessen Seite Grégoire Margotton sein erstes Länderspiel kommentierte. Es war am vergangenen Montag, Frankreich gegen Kamerun, drei zu zwei für die Franzosen, die gute Spielzüge zeigten, defensiv aber nicht überzeugten. Ohne jeglichen Bartansatz wirkte Margotton etwas milchbübisch, unmodern, der großen Mehrheit der Zuschauer war sein Gesicht nicht vertraut. Nur wirkliche Fans kannten ihn, Männer, die bereit sind, für Fußball im Fernsehen zu bezahlen. Margotton kommt vom Pay-TV-Sender „Canal+“, bei dem er 1992 als Volontär begonnen hatte.

          Grégoire Margotton

          Jetzt kommentiert er auf „TF1“. Mit Fußball hat Europas größter Privatsender, der einem Bauunternehmer gehört, nicht allzu viel am Hut. Nur die Spiele der Nationalmannschaft lässt man sich nicht entgehen, schon gar nicht bei einer Europameisterschaft im eigenen Land. Meist macht die Werbung eine seriöse Vor- und Nachbereitung unmöglich. Bei der Landesmeisterschaft begnügt sich „TF1“ mit einer Zusammenfassung am Sonntagmorgen, für die man auch schon eine Miss France einsetzte. Als noch die verstorbene Reporterlegende Thierry Roland bei „TF1“ die Auftritte der „Bleus“ begleitete, gehörten Macho-Sprüche, Chauvinismus, Schiedsrichter-Beschimpfungen und rassistische Beleidigungen schwarzer - gegnerischer - Fußballer zum beschränkten Repertoire.

          Grégoire Margotton lobte die Eleganz der Kameruner und ließ sich auch bei ihren Gegentoren nicht aus der Fassung bringen. Sein Fachwissen ist groß, seine Sprache nüchtern. Bevor er zu „Canal+“ kam, verbrachte er ein Jahr in Liverpool. Seither ist er Fan der „Reds“. Dass ihn der Privatsender, bei dem man um einen Paradigmenwechsel bemüht ist, teuer eingekauft habe, hat Margotton selber dementiert. Er verdient so viel wie zuvor, 14.000 Euro pro Monat. Noch wird er deshalb bei seinem neuen Arbeitgeber nicht wirklich ernst genommen. Doch Margotton erklärt seinen Transfer mit einem ganz anderen Motiv: Der Fußballreporter will am Wochenende nicht mehr arbeiten, sondern Zeit für seine Familie haben.

          Jürg Altwegg

          Gary Lineker

          Gary Lineker, England

          Als der ehemalige englische Nationalstürmer Gary Lineker 1999 die Moderation von „Match of the Day“ übernahm, der traditionsreichen Sportsendung der BBC, konnte man das Schlimmste befürchten. Schließlich war Lineker nicht nur für seine Tore, sondern auch für seine Fairness berühmt. Während seiner aktiven Profikarriere hatte er keine einzige gelbe oder rote Karte bekommen. Mittlerweile ist er der unumstrittene Teamchef der Fußballberichterstattung der BBC, vielleicht genau deshalb, weil er in seinen Sendungen höchstens durch seine Höflichkeit und sein gutes Aussehen auffällt.

          Auch auf Twitter ist Lineker längst weltberühmt, aber es ist eher die Angriffslust aktiver Zeiten, die dort zum Ausdruck kommt. Würde sich Lineker nicht selbst manchmal öffentlich über seine Tweets wundern, könnte man meinen, dass dort ein Troll unter seinem Namen herumpöbelt. Lineker teilt gerne aus: gegen die Fifa, gegen den englischen Trainer Roy Hodgson, gegen schlechten Fußball. Und natürlich gegen unfaire Spieler: „Pepe is such a dick“, kommentierte er die schauspielerischen Einlagen des Real-Madrid-Verteidigers im Champions-League-Finale.

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