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Europas Fußball-Kommentatoren : Das Reden der anderen

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Beenkens, ein wandelndes Lexikon, fand die Zeit, dem Fernsehzuschauer mitzuteilen, dass Finnland die geringste Kindersterblichkeitsrate aufweise. Auch ansonsten war der fließend sieben Sprachen beherrschende Sohn eines Belgiers und einer Portugiesin, zumindest zu Anfang der Partie, wieder in seinem Element. Er sah das „Publikum in Flammen“, bejubelte den Star Kevin De Bruyne - „der erste Schuss unseres Kevin National“ - und bescheinigte einem Kicker, so spielhungrig zu sein, dass er sogar Teppichboden verschlingen würde. Auf die für Beenkens typischen Jubelstürme mussten die Zuschauer jetzt verzichten. Bei der Europameisterschaft wird er allerdings auch unter französischsprachigen Zuschauern nicht nur Freunde finden. Unter Hinweis auf mehrere im Aufgebot der „Bleus“ fehlende Stürmerstars witzelte Beenkens dieser Tage schon per Twitter: „Frankreich wird die beste Offensivabteilung bei der #EURO2016 haben ... vor dem Fernseher.“

Michael Stabenow

Oliver Polzer, Österreich

Ein führender Wiener Theaterkritiker hat Oliver Polzer einmal wegen des Begriffs „Spielgerät“ gescholten. Das Spielgerät beim Fußball ist der Ball. Aber wenn man immer nur Ball sagt, dann verübt man das aus dem Deutschunterricht geläufige Delikt der Wortwiederholung. Wenn man aber „Spielgerät“ sagt, gerät man auf das Feld der Umschreibung, und da wird es schnell uferlos. Oliver Polzer, der eigentlich vom Tennis kommt und auch Wintersport moderiert, wird gemocht und ist umstritten, weil er bei einem Teil des Publikums als witzig gilt. Witzigkeit ist aber in Wien und Umgebung (Polzer wohnt ganz hinten in Vorarlberg) ein weites Land zwischen Kabarett (Kabaräh!) und Schmäh.

Immerhin ist mit der Schmähdebatte schon Neuland gewonnen für ein Land, das beim Kommentieren von Fußballspielen den einen ekstatischen Moment (das ewig nachhallende „I wer narrisch“ von Edi Finger aus Córdoba) mit jahrelangen Bußübungen der Spielverfehlung durch Hans Huber abgegolten hat. Oliver Polzer, seit Mitte der neunziger Jahre im Geschäft, übertreibt es nicht mit der Spiellektüre, aber er versteht doch genug vom Fußball, um sich emotional darauf einzulassen. Halbe Ewigkeiten reichen in Österreich oft nur für ein, zwei Endrundenteilnahmen. Dieses Mal könnte es aber etwas Besonderes werden, und wenn Marko Arnautović, den Polzer zu Recht für einen Weltfußballer (im österreichischen Sinn des Wortes) hält, das Spielgerät einmal über die richtige Linie bringen sollte, wird die Wiener Theaterkritik endgültig schweigen müssen. Schmäh ohne.

Bert Rebhandl

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