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„Märkische Oderzeitung“ : Europa lässt sich auch im Osten entdecken

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Den Blick auf die Region geheftet: Im Newsroom der „Märkischen Oderzeitung“ laufen die Fäden zusammen. Bild: MOZ/Gerrit Freitag

Die „Märkische Oderzeitung“ will Journalismus für Alteingesessene und junge Zugezogene machen – während sie mit den Angeboten der Öffentlich-Rechtlichen konkurriert und den Austausch in der Grenzregion zu Polen fördert.

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          AfD-Spitzenkandidat Kalbitz maßregelt Schüler und bekommt Gegenwind; Brandenburg hat die niedrigste Grundsteuer; In Finowfurt entsteht ein neuer Aldi-Markt. „Radikal regional“ sind die Themen, die an diesem Dienstagmorgen, Ende August, im Konferenzraum der „Märkischen Oderzeitung“ diskutiert werden. Rein flächenmäßig decken Chefredakteur Claus Liesegang und sein Team von der „Märkischen Oderzeitung“ (MOZ) eines der größten Verbreitungsgebiete Deutschlands ab. Von den aufstrebenden Städten und Dörfern des Berliner Speckgürtels über die weiten Ebenen der Uckermark bis zur Odergrenze zwischen Polen und Deutschland. Die MOZ ist mit ihrem Sitz in Frankfurt (Oder) die östlichste Tageszeitungsredaktion der Bundesrepublik. Man sieht sich als das Sprachrohr von Ostbrandenburg. Die täglich verkaufte Auflage liegt bei knapp 64 000 Exemplaren (IVW 2/2019), 92,3 Prozent davon sind Abonnements. Konkurrenz gibt es kaum. Die Region außerhalb des Hauptstadtumlands ist dünnbesiedelt. Wettbewerber gab es seit der Wende kaum, und auch die Anzeigenblätter der Region sind aus demselben Verlag, dem Märkischen Medienhaus. Gesellschafter des Märkischen Verlags- und Druckhauses ist die Neue Pressegesellschaft (Verlag der „Südwest-Presse“). Trotz der Stellung als führendes Regionalmedium kämpft auch die MOZ mit Auflagenschwund und abnehmenden Leserzahlen.

          Claus Liesegang ist seit Anfang 2017 bei der MOZ. Er wechselte vom Ingolstädter „Donaukurier“ nach Frankfurt. Sein Einstieg verlief aus seiner Sicht gut, allerdings fand Liesegang eine Zeitung vor, die außer einer nicht App-kompatiblen Website online nur wenig präsent war: „Es war klar, dass wir mit hoher Geschwindigkeit handeln und digitalisieren mussten. Sonst hätten wir den Anschluss verpasst.“ Also baute er die Redaktion um. Er installierte ein fünfköpfiges Team von Online-Redakteuren, die sich um den Website-Auftritt, die neugeschaffene MOZ-App, Social-Media-Kanäle und Video-Journalismus kümmern. Dieses Online-Desk-Team betreut zudem die im Internet publizierten Inhalte, produziert selbst und bereitet die Zusendungen der Lokalreporter auf. Eine Struktur mit klaren Zuständigkeiten zwischen Redakteuren, die sich im Innendienst um die redaktionelle Qualität des Blattes kümmern, und Reportern, die im Land unterwegs sind und der Redaktion zuliefern, soll zusätzlich mehr Effizienz herstellen.

          Die „Märkische Oderzeitung“ erscheint in sechzehn verschiedenen Lokalausgaben die von lokalen Redaktionsbüros bestückt werden. Ob Eberswalde, Strausberg oder Erkner, die MOZ hat Leute in allen Winkeln Brandenburgs. „Regionalität ist das Pfund, mit dem wir wuchern“, sagt Liesegang. Er betont auch, dass im Netz jene Beiträge am stärksten gelesen würden, die sich mit den Ereignissen beschäftigen, die vor der Haustür der Leser passieren. Das seien Entscheidungen des Gemeinderates, Stadtfeste, aktuelle Polizeiberichte aus den Städten der Region und eben Verkehrsunfälle.

          Jeden Morgen findet eine große Videokonferenz statt, bei der die Redakteure aus den Lokalredaktionen ihre Themen vorstellen. Was hier verhandelt wird, beschäftigt die Region. Dabei sei Vielfalt oberstes Gebot, sagt Liesegang. Die Chefredaktion und die Redakteure zwingt das jedoch oft in einen anspruchsvollen Spagat. Der Rentner in der brandenburgischen Provinz will ebenso unterhalten und informiert werden wie junge Mittelschichtsfamilien, die aus Berlin in die Vororte ziehen. Auf diese Zielgruppe will sich die MOZ in den nächsten Jahren noch intensiver einstellen: „Hier gilt online first“. Die Online-Redaktion soll das MOZ-Portal zu einem größeren Nachrichtenportal ausbauen, das die Informationsbedürfnisse der jüngeren Zielgruppen stärker in den Blick nimmt; auch durch verstärkte Videoberichterstattung, Servicejournalismus und die Nutzung verschiedenster Social-Media-Kanäle.

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