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Europa im Fernsehen : Brigitte Bardot ins Dschungelcamp!

  • -Aktualisiert am

Carla Bruni, Karl Lagerfeld und Thomas Gottschalk im deutsch-französischen Dialog bei „Wetten dass...?” Bild: picture-alliance/ dpa

Europa wächst zusammen, doch das Fernsehen wird immer provinzieller. In den Unterhaltungsshows trifft man nur noch auf nationale Größen, Europa wird ins Spartenprogramm verbannt. Warum eigentlich treten im deutschen Fernsehen kaum noch internationale Gäste auf?

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          Wer mit dem Fernsehen groß geworden ist, kennt Europa: Prag durch „Pan Tau“, Yorkshire durch den „Doktor und das liebe Vieh“ und die kurzen, heißen Sommer auf Småland durch die Filme mit Pippi Langstrumpf. Später bekam man mit, dass der Wilde Westen auf dem Balkan, in Andalusien oder bei Rom inszeniert werden kann, was der Freude am Cowboyfilm keinen Abbruch tat und den europäischen Horizont eben um den „Silbersee“ erweiterte. Und all diese Produktionen waren mit Autoren und Schauspielern verbunden, die - von Astrid Lindgren bis Terence Hill - ab und zu nach Deutschland kamen und im Fernsehen auftraten.

          Shows, Talk- und Spielsendungen waren eigentümlich stolz, Gäste „aus dem Ausland“ dazuhaben, die überschwenglich zu „Weltstars“ befördert wurden, wenn sie einmal in Montreux gesungen hatten. „Gastgeber“, die beim Herabsteigen der Showtreppe ihr Publikum in mehreren Sprachen begrüßen konnten, galten als schick. Heute scheint bisweilen schon die Beherrschung des Hochdeutschen ein Karrierehemmnis darzustellen.

          Im Regionalbereich

          Auch Schlagersendungen hatten es sich über Jahrzehnte zu ihrer vornehmsten Pflicht gemacht, Weltläufigkeit zu demonstrieren und eine Eleganz zu pflegen, die, so wusste man es bis in die siebziger Jahre, erst hinter den Landesgrenzen begann. Heute mögen wir über Wencke Myhre, Gitte Hænning und Mireille Mathieu mit ihrer atombombensicheren Frisur lachen, aber jahrzehntelang erinnerten sie das Publikum daran, dass es so etwas wie Europa gibt und dass es weiter zusammenwächst. Doch welcher Radiosender spielt heute überhaupt noch Chansons, vom Fernsehen ganz zu schweigen? Wo könnten, von Carla Bruni abgesehen, frankophone Stars mal live und in Farbe zu bewundern sein? Auf welchem Sender wäre das Festival von San Remo zu verfolgen? Und wer ist gerade hip in Schweden?

          In der Jubiläumssendung zum fünfzigsten Geburtstag von „Stars in der Manege“ am vergangenen Montag war diese Tendenz klar zu erkennen: In den ersten fünf Jahrzehnten jener Sendung kam ein großer Teil der auch dem deutschen Publikum bekannten Stars aus dem europäischen Ausland: Gilbert Bécaud, Caterina Valente, Claudia Cardinale, Oleg Popow und viele andere sind dort für den guten Zweck aufgetreten. Das galt aber leider nur für die Ausschnitte von anno dazumal. Die aktuelle Sendung schien sich, was die Gäste betraf, auf den Einzugsbereich des Münchener Verkehrsverbundes zu beschränken. Nichts gegen Nina Ruge, die Wepper-Brüder, Uschi Glas und Christian Ude, aber in ihnen bildete sich in jener Gala der tragische und anachronistische Rückzug des Fernsehens auf berechenbares Terrain ab.

          Verschleierte Realitäten

          Nun haben wir in Europa zwar ein politisches und juristisches Gebilde von einst unvorstellbarer Ausdehnung und besonderer Tiefe, aber im Fernsehen - Nachrichten ausgenommen - ist davon nichts zu spüren. Da ist Unterhaltung Ländersache, wenn nicht gar, wie im raabschen Ländervisionswettbewerb, Regionalsache.

          Obwohl also Kinder und Jugendliche in eine Welt hineinwachsen, in der Nationalstaaten bloß die Bedeutung beanspruchen dürfen, die früher mal mittlere Bundesländer innehatten, bereitet sie das Fernsehen immer schlechter auf diese Realität vor. Vielleicht war Sarkozys Idee, einen französischen Minister ins Bundeskabinett zu entsenden, verfrüht - in eine deutsche Gesprächssendung könnte sich aber schon mal einer verirren.

          Berechenbare Sätze

          Es mag mit der Quote zusammenhängen: In den Jahren, als Ausländer zu einer gelungenen Show dazugehörten, wurde Quote für die Öffentlich-Rechtlichen zwar gemessen, war aber noch nicht das Maß aller Dinge. Es gab keine private Konkurrenz. Also durfte Bio die Monty Python oder Milva in seinen „Bahnhof“ einladen, niemand bekam es mit, wenn bei den übersetzten Gesprächen einige Zuschauer umschalteten. Heute traut sich bloß noch „Wetten, dass . . .?“ ausländische Berühmtheiten aufs Sofa zu setzen - für wenige, berechenbare Sätze und nur bei garantiertem Quotenerfolg. Aber immerhin und wer weiß, wie lange noch?

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