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Eurovision Song Contest : Zwei zu null für die Musik

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Die Show lässt ihn nicht los: Stefan Raab mit Lena Meyer-Landrut am Tag nach ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest Ende Mai 2010 zurück in Hannover. Bild: ddp

Erst hatte der Eurovision Song Contest wegen der Corona-Pandemie ersatzlos ausfallen sollen, jetzt machen sich gleich zwei Fernsehshows am selben Abend Konkurrenz – streng nach Vorgaben der Gesundheitsämter, wie die Sender beteuern.

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          Erst schien es, als werde es in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie gar keinen Eurovision Song Contest geben, jetzt werden es sogar zwei, sogar am selben Tag, dem 16. Mai. Dann stellt Pro Sieben den „Free European Song Contest“ vor, der auf Anregung des Entertainers Stefan Raab zustande kommt. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) indes bläst den Wettbewerb auch nicht einfach ab. Für sie produziert das niederländische Fernsehen unter dem Titel „Europe Shine a Light“ eine Show ohne Publikum, die in ganz Europa ausgestrahlt werden soll. Sie wird vom niederländischen Fernsehen produziert. In Deutschland überträgt die ARD. Die Show bei Pro Sieben beginnt am 16. Mai um 20.15 Uhr, die EBU-Sendung im Ersten um 21 Uhr, mit einem Vorlauf, der ebenfalls um Viertel nach Acht einsetzt.

          „Es wird eine Show im Geist von Einheit und Zusammengehörigkeit“, sagte Jon Ola Sand, Leiter des Eurovision Song Contests. Er rief alle an dem Wettbewerb beteiligten Länder dazu auf, die Show auszustrahlen. Die Organisatoren betonen, dass die Sendung auch ausführlich auf die Corona-Krise eingehen solle. Die 41 Sänger – vierzig aus Europa und einer aus Australien –, die eigentlich in Rotterdam auftreten sollten, sollen gemeinsam einen früheren Songfestival-Hit singen – allerdings jeder in seinem eigenen Land. Außerdem werde ein Fragment ihres ursprünglichen Beitrags für den Wettbewerb gezeigt.

          Der neue, freie europäische Songwettbewerb von Pro Sieben soll in Köln unter allen „aktuellen gesetzlichen Auflagen und (...) Vorgaben der Gesundheitsbehörden“ stattfinden. Stefan Raab will die Show produzieren. Pro Sieben stellte auf Nachfrage klar, dass diese Aktion kein Aprilscherz sei. Der Sender zitierte Raab mit den Worten: „Musik verbindet besonders in schwierigen Zeiten viele Menschen miteinander. Dies ist die Geburtsstunde eines neuen, freien europäischen Songwettbewerbs.“ Seit den neunziger Jahren hat der heute 53 Jahre alte Raab, der sich eigentlich im selbstgewählten TV-Ruhestand befindet, den ESC immer wieder aufgerollt und Schützlinge an den Start gebracht, die sich deutlich besser plazierten als sonst. Mit Lena Meyer-Landrut gelang Raab 2010 sogar der große Wurf: Der Hit „Satellite“ holte den Sieg nach Deutschland. Pro-Sieben-Chef Daniel Rosemann sprach nun von einer „großartigen Möglichkeit, Europa in diesen Zeiten mit einem neuen Musikwettbewerb zu leben und zu feiern“. Details wollen die Organisatoren in Kürze präsentieren. Der Hashtag zur Show lautet #FreeESC.

          Am 18. März hatte die Europäische Rundfunkunion EBU bekanntgegeben, dass der ESC wegen des Coronavirus erstmals seit 1956 ausfällt. Der Wettbewerb war in Rotterdam geplant, weil 2019 die Niederlande gewonnen hatten.

          Der ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber sagte dem Fachdienst DWDL, er habe der EBU und den niederländischen Kollegen am Tag nach der Absage ein Konzept für eine Show geschickt – auch im Namen von Stefan Raab –, nach dem 41 Länder am Wettbewerb teilgenommen hätten, mit Live-Gesang und einer verbindenden Moderation, den Vorgaben der Gesundheitsbehörden gehorchend. Dafür habe es in der EBU aber leider keine Mehrheit gegeben. Nun setze das holländische Fernsehen mit „Europe Shine a Light“ ein eigenes Konzept um.

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