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Kann das gesund sein? Die Rentner-Bravo wird 66. Bild: Apotheken Umschau

66 Jahre „Rentner Bravo“ : Und es war Sommer

Die Apotheken-Umschau feiert in einer Sonder-Beilage 66 Jahre „Rentner-Bravo“. Darin erfährt der Leser von den „New Profs on the block“, wie man sich im Gleitgel-Dschungel zurechtfindet und wann Marianne Koch die Weltherrschaft an sich reißt.

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          Wenn ein Tier sehr krank oder schwer verwundet ist und bald sterben wird, dann bemerken das Aasfresser wie zum Beispiel Geier bereits früh. Glücklicherweise gibt es an ihrer statt in Deutschland die „Apotheken Umschau“ (AU). Nichts begleitet den Verfall schöner. Ihr entnehmen chronisch gesunde, kranke oder besorgte Menschen – neben allerhand Nütz­lichem zu Corona – wie giftig Tattoofarbe ist, warum es den Schauspieler Hannes Jaenicke glücklich macht, sich für die Umwelt einzusetzen, dass Latschenkiefer beim Katarrh der Atemwege hilft und dass Partner, die sich mit 60 Jahren kennenlernen, deutlich mehr Sex als Dreißigjährige haben, die seit zehn Jahren zusammen sind.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Was uns zum neusten Coup von Deutschlands erfolgreichstem Printprodukt bringt: Die AU wird mitunter liebevoll als „Rentner-Bravo“ bezeichnet und weil beide Magazine – die „Apotheken Umschau“ und die „Bravo“ – in diesem Jahr ihren 66. Geburtstag feiern, findet sich in der neuesten Ausgabe eine richtige „Rentner-Bravo“, „mit freundlicher Genehmigung von Bravo.“ Und weil – so war es schon früher, als man sich die „Bravo“ der gu­ten Artikel wegen aus dem Zimmer der großen Brüder des Freundes stehlen musste – man auf dem bunten Cover mit dem schmeichelhaften Bild der „Schauspielerin und Ärztin“ (mehr Achtung vereint in Deutschland keine Berufskombination auf sich) Marianne Koch kaum weiß, wo man zuerst hinsehen soll, meldet man sich vor lauter juveniler Aufregung auf Facebook an. Denn: „Wir Feiern! Auch auf Insta und Facebook“. Doch weil die Partygäste auf Letzterem nicht so recht in Stimmung scheinen – „Seit 2 Jahren gehe ich nicht mehr raus“, „Hab mal gelesen, die Biontech-Impfung soll ve­gan sein. Stimmt das?“ – schlägt man doch beherzt das Jubelheft auf.

          Besser wasserbasierte Produkte verwenden

          Rührend, die Comic-Lovestory „Lie­be auf den ersten Biss“, in der die unterzuckerte Ingrid sich zwischen dem unsympathischen Globetrotter Dieter („Ah, Sigrid! Oder darf ich dich einfach Püppi nennen?“) und dem Apotheker Peter entscheiden soll; und am Ende – so viel sei verraten – die Nummer des Münchner (!) Apothekers auf einer AU-Ausgabe findet. Ge­gen Apotheker aus München hat nicht mal George Clooney eine Chance. Fehlen darf auch nicht der Star-Report „zu den Virus-Vips“, also nicht etwa Viren aus den Familien Coronaviridae, Herpesviridae oder Orthomyxoviridae sondern das „Who’s Who im Kampf gegen Corona“, das mit seiner „Super Science“ die „Wissenschaft zum Star“ macht: Addo, Cichutek, Drosten, Ciesek, Wieler, Lauterbach, Brinkmann, Streek – das ist die Antiviren-Supergroup, die „New Profs on the block“; Wissenschaft ist jetzt Pop.

          Nach soviel Feigenblättern sind wir endlich beim Kernthema: (hoffentlich Dr.) Frank Sommer (Urologe und Sportmediziner) und Sandra Sommer (Apothekerin aus Bad Oldesloe) be­raten bei Problemen wie „Impo­tent durch Radfahren?“ (vier Stunden pro Woche schaden nicht, der Sattel muss breit genug und gut eingestellt sein), „Wirkt Viagra auch bei Frauen?“ (Nein, fragen Sie Ihren Arzt nach Traubensilberkerzenpräparaten) oder „Hilfe, es gibt so viele Gleitgele!“ (besser wasserbasierte Produkte verwenden). An diesem Punkt ist der Rentner-Bravo-Leser bestens präpariert für das Interview mit der jüngst 90 gewordenen „Ärztin und Gesundheitsjournalistin“ Marianne Koch, die mit „Anfang vierzig“ ihre „internationale Schauspielkarriere“ beendete, um ihr Medizinstudium wieder aufzunehmen und heute Bücher über ihr Lieblingsthema schreibt: Gesundheit. Offenbart wird das dunkle Geheimnis ihrer Fitness jedoch erst am Schluss des Gesprächs: Sie hat nie aufgehört zu arbeiten. Und weil das nun wirklich nicht gesund sein kann: Liebe Apotheker und Apothekerinnen aus München, sie wissen, wie sie uns erreichen?

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