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Éric Zemmour und die Medien : Ist sie von ihm schwanger?

Im Gewimmel: Sarah Knafo, hinter ihr Éric Zemmour Bild: AFP

Der Journalist Éric Zemmour will Frankreichs Präsident werden. Nun sagt eine Illustrierte, seine Wahlkampfberaterin Sarah Knafo erwarte ein Kind von ihm. Und der Kandidat von ganz rechts zeigt Nerven.

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          Éric Zemmour will im kommenden Jahr französischer Staatspräsident werden. „Er wird 2022 Papa“, schreibt hingegen das Klatschmagazin Closer: Seine mehr als dreißig Jahre jüngere Wahlkampfleiterin Sarah Knafo sei schwanger. Die Fotos scheinen es zu belegen. Der Bauch von Knafo, die seit Monaten von den Paparazzi verfolgt wird und nie von seiner Seite weicht, wächst. Zemmour kündigt eine Klage an. Eine einstweilige Verfügung, mit der er das Erscheinen der Illus­trierten zu verhindern versuchte, lehnte das Gericht ab.

          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

          Dass Sarah Knafo auch die Lebenspartnerin des rechtsradikalen Journalisten ist, hatte Paris Match schon im Nachsommer suggeriert: mit Fotos, die das Paar umschlungen beim Baden im Meer zeigen. Auch damals drohte Zemmour mit einer Klage – die er nicht einreichte. Die Aufnahmen erinnerten an die Inszenierung, mit der Emmanuel Macron vor fünf Jahren seine Frau Brigitte im Badeanzug der Öffentlichkeit vorführte. Es war die Idee seiner Kommunikationsberaterin Mimi Marchand – Macron sollte deutlich machen, dass er nicht homosexuell sei. Nach den Fotos von Zemmour und Knafo musste der Chefredakteur von Paris Match den Hut nehmen – vermutlich aus anderen Gründen.

          Die Kandidaten und ihre Affären sind in jedem Wahlkampf ein Dauerbrenner. Sarkozy hatte Eheprobleme. Sein Nachfolger François Hollande auch. Aber Ségolène Royal, Mutter seiner vier Kinder, und Hollande führten die Öffentlichkeit mit Bikini-Bildern und Paddelboot-Plausch hinters Licht. Stets wussten es die Klatschillustrierten besser. Bis vor wenigen Jahren waren die Franzosen stolz auf den Ruf ihrer Politiker als gallische Gockel. Sie interessierten sich sehr für den Klatsch aus deren Privatleben, empörten sich aber weder über ihre Mätressen noch über ihre Scheinheiligkeit. Seit MeToo hat sich das radikal geändert.

          Zemmour beklagt das „Ende des Patriarchats“

          Kein Kandidat kritisiert diese Entwicklung so heftig wie Éric Zemmour. In seinem Buch zur Kandidatur bezeichnet er die Verhaftung von Dominique Strauß-Kahn in New York – wegen der mutmaßlichen Vergewaltigung einer schwarzen Hotelangestellten – als „Kastration aller Franzosen“. An der Stelle von Strauß-Kahn wurde Hollande zum Präsidenten gewählt – den das Magazin Closer auf der Fahrt mit dem Motorroller zum Seitensprung fotografierte. Den Paparazzo hatte Mimi Marchand geschickt, die später Macron zum Shooting mit Brigitte raten wird.

          Zemmour beklagt das „Ende des Patriarchats“ nach tausend Jahren und die „Dekonstruktion“ der Männer. Gleichwohl handelt es sich bei den Fotos mit Sarah Knafo kaum um eine inszenierte Demonstration seiner Virilität. Er buhlt um die Stimmen der wertkonservativen Wähler, die vor fünf Jahren dem biederen Ehemann François Fillon die Treue hielten. Aus Opposition gegen die „Ehe für alle“ hatten sich diese katholischen Kreise zu einer effizienten Organisation zusammengeschlossen, die für Fillon Massendemonstrationen veranstaltete und die Wähler zu mobilisieren versteht. Doch jetzt gehen sie zu Zemmour, dem verheirateten Vater dreier Kinder, auf Distanz. In Marseille hat am Wochenende die Diözese dem Kandidaten einen Auftritt vor der Kathedrale Notre-Dame-de-la-Garde untersagt.

          Einer Passantin, die ihn anpöbelte, zeigte er den Stinkefinger – zum Entsetzen seiner Berater und Wahlkampfhelfer. Zemmour verliert zusehends die Nerven. Seinen Besuch in Marseille beschreiben die Medien als Fiasko. Erst haben sie ihn großgemacht, jetzt verkünden sie das Platzen der Blase – mehr als eine Momentaufnahme ist diese Einschätzung allerdings nicht.

          Auf die Journalisten hatte Zemmour beim Besuch einer Sicherheitsmesse mit einem Maschinengewehr gezielt: „Zurücktreten.“ Dazu höhnte er: „Jetzt ist ihnen das Lachen vergangen.“ Es war seine Antwort an die beliebteste Komikerin des ­staatlichen Rundfunks, Charline Vanhoenacker. Diese hatte ihm auf einem Wahlplakat einen Hitler-Schnauz verpasst – und ihren Streich über Twitter verbreitet.

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