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Erfolgs-Serie „24“ : Der göttliche Computer

  • -Aktualisiert am

Die amerikanische Serie „24“ über eine Anti-Terror-Einheit hat ein neues Genre begründet. Neben der Echtzeit-Idee halten ein halbes Dutzend filmischer Kniffe den Zuschauer in Spannung. Der Computer spielt dabei eine geradezu göttliche Rolle. Heute läuft bei RTL II die fünfte Staffel an.

          Die Serie „24“ - „24 hours“ im amerikanischen Original -, die in ihrer heute beginnenden fünften Staffel mittlerweile am fünften Tag angelangt ist, ist aus mehreren Gründen ziemlich bemerkenswert. Natürlich fällt die Echtzeit-Idee, die reale Abbildung von Zeit in der Fiktion (in diesem Fall die Begrenzung auf nahezu 24 Stunden, die nur dadurch etwas verkürzt werden, weil es ohne Werbung nicht geht), ins Auge. Sie ist weit mehr als eine formale Spielerei. Damit ist nicht weniger als ein neues Genre erfunden worden. „24 „ sieht zwar immer noch aus wie eine Serie. Die Autoren spielen mit deren eingeführten Elementen, etwa mit dem cliff hanger. Doch dass es sich um etwas wirklich Neues handelt, bestätigt ein empfehlenswerter Selbstversuch, in dem der Zuschauer sein Sehverhalten ebenfalls dem Vierundzwanzig-Stunden-Prinzip annähert. „24“ ist eigentlich geschaffen für das Schauen am Stück. Erst dann entfaltet diese Idee von Realzeit in der Fiktion ihre volle Wirkung.

          Die Figuren der Geschichte bleiben zwar im Erwartungshorizont des erfahrenen Serienkonsumenten. Doch sie gehen, um die Spannung in jedem Augenblick hoch zu halten, mindestens in drei Momenten an die Grenze des Gewohnten und darüber hinaus.

          Auch Sympathieträger müssen sterben

          Bei Figuren, deren Kommunikation zwar nicht die Handlung treibt, die beim Publikum aber mit hoher Sympathie besetzt sind, die er also nicht verlieren möchte, riskiert es „24“, dass sie, gegen jede Erwartung, von Fall zu Fall sterben müssen. Jack Bauers Frau machte hier in der ersten Staffel den traurigen Anfang. Seine Tochter folgte. Und zuletzt war es sowohl die epileptische Tochter der Anti-Terrorismus-Chefin als auch der lebensrettende Schwiegersohn des amerikanischen Außenministers, deren Tod zu beklagen war. Kiefer Sutherland, der Jack Bauer von „24“, hat in einem Interview gesagt: „Ich würde auch nicht ausschließen, dass Jack Bauer stirbt. Wenn alle sicher wären, dass Bauer überlebt, würde das der Serie die Spannung nehmen.“

          Ein zweites spannungssteigerndes Moment ist das Spiel mit dem Verdacht. In allen Folgen gibt es die Verräter, von den Terroristen in die CTU, die Anti-Terror-Einheit, eingeschleust. Dies fordert vom Zuschauer, fortwährend wachsam zu sein, niemanden für den zu nehmen, der zu sein er vorgibt. Dabei greifen die Autoren auf den schon im Kindertheater immer wieder funktionierenden Trick zurück, dass der Zuschauer den Verräter vor den handelnden Personen identifiziert hat, die Betroffenen aber nicht warnen kann. Zugleich zitiert „24“ auch aus der Verdachtshysterie nach dem 11. September 2001: Trau keinem - jeder könnte es sein.

          Respektlosigkeit gegenüber Politik

          Nicht neu, aber neu doch in der Zuspitzung und sehr gewöhnungsbedürftig für deutsche Augen ist, mit welcher respektlosen Unbekümmertheit Regierungshandeln und politisches Spitzenpersonal vorgeführt werden: als Effekt eines von Intrigen geschüttelten Familienlebens wie bei Präsident Parker oder auch als Groteske, die von einem Vizepräsidenten aufgeführt wird, der agiert, als würde Dick Cheney von Bob Hope gespielt. Man kann sich unschwer vorstellen, was geschähe, handelte es sich bei solchen politischen Knatterchargen um deutsche Politiker. Unverzüglich käme der Vorwurf, man missachte die Würde des Parlaments und erzeuge Politikverdrossenheit. Glückliches Amerika.

          Auffällig ist, mit welcher Selbstverständlichkeit der Geschichte in Fällen, in denen die Handlung unrettbar gegen die Wand laufen würde, jede Art von Logik vorenthalten wird. Wenn es nur dem Gang der Handlung dient, macht die Natur der Geschichte jede Menge Sprünge.

          Der Computer ist dreifaltig

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