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Die Serie „Seal Team“ bei Sat.1 : Er befolgt nicht jeden Befehl

Selbstlos: Als sich syrische Soldaten nähern, bleibt Jason (David Boreanaz) zurück, um das Leben der Geiseln zu retten. Bild: CBS

Der Ausnahmezustand ist für diese Truppe Routine: Bei Sat.1 startet mit „Seal Team“ eine Serie, die mit einer legendären Spezialeinheit auf knallharte Tuchfühlung geht.

          Wenn Jason Hayes die Nachricht bekommt, dass er sich zum Dienst melden soll, weiß er nie, was auf ihn wartet. Vielleicht muss er in den arabischen Golf, in den Jemen, den Irak, nach Afghanistan oder Südamerika. Mal gilt es, eine Geisel zu befreien, dann einen IS-Kommandeur dingfest zu machen oder eine Waffenlieferung zu unterbinden. Das sind nur ein paar Beispiele der Aufgaben, die das Navy Seal Team Bravo übernimmt. „Der einzige leichte Tag war gestern“, lautet das Motto der Spezialeinheit, deren Missionen legendär sind. Leichte Tage gibt es für die Männer der Einheit selbstverständlich nicht, nur solche, die sie überlebt haben.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          So wie andere morgens ins Büro gehen, rücken die Navy Seals auf ihrem Stützpunkt an. Der Ausnahmezustand ist für sie Routine. Sie erhalten einen Auftrag, besprechen ihn mit dem Lieutenant Commander. Senior Chief Petty Officer Hayes zieht die übrigen fünf Männer seiner Truppe zu Rate, besonders seinen langgedienten Freund Ray, und schon sitzen sie im Flugzeug, im Schnellboot, springen ab, tauchen auf, schlagen zu und sind wieder weg. „Gehen wir ein paar Türen eintreten“, sagt Hayes. Mit eingetretenen Türen ist es selbstverständlich nicht getan.

          Der Dienst ist alles, Schnaps gibt es hinterher

          Eine solche Aufstellung fordert ihren Preis, und von dem ist in der Serie „Seal Team“, die beim Abo-Sender TNT lief und nun bei Sat.1 startet, von Beginn an die Rede. Ein geregeltes Privatleben ist eher nicht drin. Jason Hayes hat sich gerade von seiner Frau getrennt beziehungsweise sie sich von ihm. Er habe zwei Familien, sagt sie ihm, für die eine sei er immer da, für die andere nur ausnahmsweise. Dem Ruf, welcher Familie der Berufssoldat folgt, ist klar. Bei den Navy Seals geht es immer um Leben und Tod, da gibt es keine Kompromisse. Dienst ist Dienst, und der Dienst ist alles, Schnaps gibt es hinterher, wenn die Mission erfüllt, die Geisel befreit oder der Terroristenchef ausgeschaltet worden ist.

          Die Selbstverständlichkeit, mit der die Navy Seals ihrem Job nachgehen, setzt die Serie des Autors Benjamin Cavell („Homeland“, „Justified“) ohne besondere Überhöhung mit höchstem Professionalitätsgrad realistisch, spannend und erzählerisch gekonnt in Szene. Die Kamera rückt mit dem Sechser-Team aus, begleitet die Männer beim Häuserkampf, ist ganz nah dran und stets mittendrin, in jeder Folge färbt sich der Bildschirm grün und sehen die Zuschauer die Szenerie wie die Protagonisten durch ihre Nachtsichtbrillen. Näher bekannt gemacht werden wir mit dem Team Bravo von Folge zu Folge. David Boreanaz spielt Jason Hayes als einen Mann, der 24/7 im Einsatz ist und nicht eine Minute lang abschalten kann. Will er es doch und denkt darüber nach, alles auf null zu stellen, sorgt das Drehbuch für eine Wendung, die ihm keine Wahl lässt. Sein bester Freund Ray Perry (Neil Brown jr.) steckt nicht ganz so tief drin, aber auch er verschweigt seiner Frau und seinen Vorgesetzten eine Verletzung, die seinen Einsatz in Afghanistan verhindert hätte. Sonny Quinn (A.J. Buckley) ist der Prototyp des Kämpfers, der weiß, dass er nichts anders kann, sich aber keine Illusionen darüber macht, dass hinter den vermeintlich besten Absichten, aus denen heraus die Seals in den Einsatz geschickt werden, in mindestens jedem zweiten Fall etwas ganz anders steckt. Er riskiert gerne zu viel.

          Clay Spenser (Max Thieriot) hat gerade erst die anforderungsreiche Spezialausbildung durchlaufen, stellt sich – was bei der Quälerei kein Wunder ist – gleich die Sinnfrage, vor allem, weil er gerade die Liebe seines Lebens getroffen zu haben glaubt. Auf die scheint Lisa Davis (Toni Trucks), die Logistikerin der Truppe, nicht gerade zu warten. Sie richtet ihr Augenmerk darauf, dass Ausrüstung, Kommunikation und Einsatzführung ihrer Jungs stimmen. Die CIA-Agentin Mandy Ellis (Jessica Pare) schließlich ist diejenige, die jedes Mal den Umschlag mit dem geheimen Auftrag öffnet. Je länger sie mit dem Team Bravo arbeitet, desto größer wird die Distanz zu ihrem Arbeitgeber. Für dessen Volten, Ränke und politische Spielchen setzen die Soldaten schließlich ihr Leben ein. Sie befolgen nicht jeden Befehl, und das mit gutem Grund.

          Die Geschichte von „Seal Team“ beginnt mit einem Fiasko, sie hat mittendrin ein noch größeres parat, als die Navy Seals für ein halbes Jahr nach Afghanistan müssen, und gegen Ende der ersten Staffel von zweiundzwanzig Folgen stellt man sich die Frage, ob der produzierende Sender CBS vorhatte, die Sache nach einer Staffel, die zunächst sogar nur auf neun Episoden angelegt war, zu beenden. Die zweite Runde ist aber schon in der Mache. Und das hat das „Seal Team“ auch unbedingt verdient.

          Seal Team läuft montags um 22.10 Uhr bei Sat.1.

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