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Entwicklung des Pay-TV : Da flimmert Fernsehgold

Wenn das Fernsehen dann läuft, wenn Zuschauer es wollen: Die Medienmachenden der deutschen Privatsender stellen sich mehr und mehr auf On-Demand-Angebote ein. Bild: dpa

Deloitte sagt, der Markt für Video-on-Demand sei bald gesättigt, deutsche Produzenten freuen sich indessen auf das wachsende Geschäft: Das Jahrespressegespräch der Privatsender zu Pay-TV.

          Wenn Medienschaffende sich an einem Sommertag im Café des Münchner Schickeria-Lokals Reitschule am Englischen Garten treffen, um über das Fernsehen auf Abruf zu reden, dann scheint die Sonne. Nichts konnte die gute Stimmung beim sogenannten Pay-TV-Jahrespressegespräch des Privatsenderverbands Vaunet (vormals VPRT) trüben, weder die hereindringende Hitze von der Terrasse noch der Geruch der Pferde. Zu rosig scheinen die Aussichten für die Branche, die sich irgendwie im Sog des Erfolgs kostenpflichtiger Streamingdienste wie Amazon und Netflix befindet.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          „Wir sind fest davon überzeugt, dass der Markt für Video-on-Demand in der Mitte der Gesellschaft ankommt“, sagte Jan Wachtel, Geschäftsführer der Mediengruppe RTL Deutschland. „Der Markt ist in Aufbruchstimmung“, stellte Nicole Agudo Berbel von Pro Sieben Sat. 1 fest – jener Sendergruppe, die vor gerade einmal vier Wochen mit dem amerikanischen Discovery-Konzern die Plattform Joyn aus der Taufe gehoben hat, auf der sogar die Mediatheken von ARD und ZDF zu finden sind. „Die Programmvielfalt ist so groß wie nie, und auch die Zahl der Pay-TV-Sender ist so groß wie nie“, behauptete Katharina Behrends, Geschäftsführerin von NBC Universal Global Networks. Jeder Haushalt in Deutschland besitzt nach ihren Angaben schon drei Fernsehabos.

          Noch gibt es keine Zahlen für den deutschsprachigen Raum

          Und da alle Fernsehsender sich den größten Erfolg von exklusiven – und immer kostspieligeren – Eigenproduktionen versprechen, brechen auch bei den Produzenten goldene Zeiten an. Alle zusammen feiern sie obendrein immer neue Zuschauerrekorde: Nach Angaben von Vaunet stiegen die Umsätze aus dem Bezahlfernsehen und den sogenannten Paid-Video-on-Demand-Angeboten in Deutschland, Österreich und der Schweiz um 14 Prozent auf vier Milliarden Euro. Für das laufende Jahr erwartet der Verband einen weiteren Anstieg um 13 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro.

          „Die Menschen nutzen immer mehr Bewegtbildangebote, und sie sind in immer größerer Zahl bereit, für hochwertige Programme zu bezahlen“, erklärte Vaunet-Geschäftsführer Frank Giersberg. Die von ihm vorgelegten Zahlen haben jedoch einen Haken: Sie beruhen auf Schätzungen des Verbands, da die beiden großen Anbieter aus den Vereinigten Staaten, Amazon und Netflix, keine Zahlen für den deutschsprachigen Raum vorlegen.

          Und noch eine Merkwürdigkeit: Wenn der Verband die Zahl der Pay-TV-Abonnenten mit 8,8 Millionen angibt, sind die Abos von Amazon und Netflix nicht enthalten; eine Umsatzschätzung trauen sich die Fachleute von Vaunet zu, eine dem zugrundeliegende Abonnenten-Schätzung aber nicht. Ungeachtet dessen geht Vaunet-Geschäftsführer Giersberg davon aus, im laufenden Jahr die Neun-Millionen-Marke zu durchbrechen.

          „TV-Häuser erobern den Streaming-Markt“, lautete eine Überschrift in der Presseerklärung. Wo es so viel zu erobern gibt, kann eine andere Sorge anscheinend getrost ignoriert werden; dass nämlich dem klassischen, linearen Fernsehen immer mehr Zuschauer und Werbekunden weglaufen.

          Nicht alle wollen in das Loblied auf Video-on-Demand einstimmen. Ebenfalls am Donnerstag legten die Unternehmensberater von Deloitte eine Studie vor: Danach nähert sich der Video-on-Demand-Markt bereits seiner Sättigungsgrenze. Während die Wachstumsrate zwischen 2015 und 2017 noch bei 21 Prozentpunkten lag, wuchsen die Nutzerzahlen zuletzt nur noch um fünf Prozent. „Nach ein paar turbulenten Jahren deuten unsere Daten auf eine gewisse Beruhigung im Bewegtbildmarkt hin“, erklärten die Experten von Deloitte.

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