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Entführte syrische Journalistin : Ein Hashtag für die Freiheit

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Syrische Oppositionelle verbreiten ihr Bild auf Hauswänden und Informationen im Internet: Razan Zeitouneh Bild: Syriauntold

Die syrische Journalistin Razan Zeitouneh wurde von Islamisten entführt. Jetzt haben ihre Unterstützer eine Facebook-Kampagne gestartet, um sie zu befreien. Dem Westen machen sie schwere Vorwürfe.

          Rami Nakhla kann es nicht fassen. „Fünfundvierzig Menschenrechtsorganisationen haben den Aufruf zur Freilassung Razan Zeitounehs unterzeichnet, doch im Westen hat kein einziges Medium darüber berichtet“, sagt der syrische Koordinator der Kampagne #Douma4. Ein halbes Jahr nach der Entführung der prominenten syrischen Demokratieaktivistin aus dem Damaszener Vorort Duma waren die Angehörigen Razan Zeitounehs vergangene Woche an die Öffentlichkeit gegangen, um den Druck auf die Kidnapper zu erhöhen.

          Amnesty International, Human Rights Watch und Reporter ohne Grenzen schlossen sich der Aufforderung an, die 37 Jahre alte Syrerin, ihren Mann und zwei weitere Mitarbeiter des syrischen Violations and Documentations Center (VDL), die im Dezember verschleppt worden waren, bedingungslos freizulassen.

          Gezögert, die Namen der mutmaßlichen Täter zu nennen

          Die Twitter-Kampagne unter dem Hashtag #Douma4 sei nur der Anfang, sagt Rami Nakhla, der in der Hochburg der syrischen Exilopposition im türkischen Gaziantep die Bemühungen zur Freilassung Zeitounehs, Wael Hamadehs von den Lokalen Koordinierungskomitees, der Oppositionellen Samira al Khalil und des Rechtsanwalts Nazem Hamadi koordiniert. Lange habe man überlegt, die Namen der mutmaßlichen Täter überhaupt öffentlich zu machen, um eine Verhandlungslösung nicht zu gefährden. Doch nach zähen Wochen erfolgloser direkter und indirekter Gespräche mit der Islamischen Armee Zahran Alloushs, der mächtigsten Miliz im von der Opposition gehaltenen Duma, habe man sich zu diesem Schritt entschlossen. „Wir werden den Druck so lange erhöhen, bis der politische Preis, sie gefangen zu halten höher wird als der für ihre Freilassung.“

          Anders als die Terrororganisation Islamischer Staat im Irak und (Groß-)Syrien (Isis) setzt Alloushs Islamische Armee auf ein „nationales Projekt“ zum Sturz der Diktatur Baschar al Assads. Entführungen zählen eigentlich nicht zu ihrem Repertoire, weshalb die Demokratieaktivisten bis zuletzt hofften, dass die als moderat auftretende Islamistenmiliz einlenken – und die Entführung Zeitounehs, die 2011 vom Europaparlament mit dem Sakharov-Preis für Gedankenfreiheit ausgezeichnet wurde, als Fehler betrachten würde. Vergeblich: Das mangelnde Interesse westlicher Medien für den prominenten Fall zeige, dass „die Sorge um die Einhaltung von Menschenrechten in Syrien nach drei Jahren Krieg irrelevant“ geworden seien, beklagt Nakhla. Auf allen Seiten.

          Eine missliebige Kritikerin mundtot machen

          Aus diesem Desinteresse speist sich die Rückkehr von Kidnappen als Kriegstaktik. Allen voran ausländische Berichterstatter sind zum Ziel bewaffneter islamistischer Gruppen geworden, die seit vergangenem Jahr vermehrt dazu aufrufen, „vom Westen besoldeten Spione“ gefangenen zu nehmen. Reporter ohne Grenzen stuft Syrien inzwischen als gefährlichstes Land der Welt für Journalisten ein. Erst im Mai nahmen Freischärler den erfahrenen britischen Kriegsreporter Anthony Loyd gefangen. Sein syrischer Mitarbeiter, dem er zweieinhalb Jahre lang vertraute, hatte ihn verraten. Nur der Aufmerksamkeit seines Übersetzers war es zu verdanken, dass der „Times“-Journalist und sein Fotograf sich in einem unbeobachteten Moment befreien und fliehen konnten.

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