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Emmy-Verleihung 2015 : Danke für diesen Fehlgriff!

  • -Aktualisiert am

Nicht ohne ihren Emmy: Julia Louis-Dreyfus mit Gastgeber Andy Samberg beim Emmy Awards Governors Ball. Ausgezeichnet wurde die Schauspielerin für ihre Rolle als Selina Meyer in der Washington-Satire „Veep“. Bild: Reuters

„Mad Men“ ist zu Ende, zum Abschied gibt es doch noch einen Emmy für den Hauptdarsteller. Und seinen speziellen Dank. Viola Davis findet bewegende Worte. Und Julia Louis-Dreyfus leiht sich welche – von Donald Trump.

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          Bahnbrechende Ehren für bahnbrechendes Fernsehen gab es bei der 67. Emmy-Verleihung in Los Angeles: Viola Davis gewann als erste Schwarze den prestigereichen Fernsehpreis als beste Dramaserien-Hauptdarstellerin in „How to Get Away With Murder“, Jeffrey Tambor gewann als bester Hauptdarsteller für eine Comedy-Serie („Transparent“) den ersten Emmy für eine transsexuelle Figur  - und Jon Hamm bekam endlich seinen Hauptdarsteller-Emmy für die kürzlich ausgelaufenen „Mad Men“, wofür er bereits vielfach nominiert war. „Dies ist ganz offensichtlich ein krasser Fehler - vielen Dank dafür“, sagt Hamm.

          Ein Emmy für seine Hauptrolle in „Mad Men“: Jon Hamm Bilderstrecke

          Als beste Dramaserie wurde „Game of Thrones“ ausgezeichnet, als beste Comedy-Serie „Veep“, für die Julia Louis-Dreyfus außerdem den Preis als beste Comedy-Hauptdarstellerin erhielt. Amy Schumers „Inside Amy Schumer“ holte einen Emmy für die beste Sketch-Show – eine neue Kategorie –, und als beste Variety-Talkshow ehrte die Television  Academy die soeben zu Ende gegangene „Daily Show“ von Jon Stewart.

          Die Spätsommerhitze von 37 Grad auf dem roten Teppich vor dem Microsoft Theatre in Los Angeles dürfte vor allem den auffallend vielen Bartträgern unter den Honoratioren zu schaffen gemacht haben, darunter der Late-Night-Talker Jimmy Kimmel, der als bester Nebendarsteller in einer Dramaserie ausgezeichnete Peter Dinklage („Game of Thrones“), der als bester Nebendarsteller in einer Comedy-Serie geehrte Tony Hale („Veep“), sowie Jon Stewart, der sich nach der Entgegennahme seines Emmys mit den Worten verabschiedete: „Jetzt brauchen Sie mich nie wieder zu sehen.“

          Für die Diversifizierung von Fernsehprotagonisten

          Dass auch mit „Veep“ eine poltische Satire Comedy-Ehren holte, mag eine Reflektion des amerikanischen Vorwahlkampfes sein. „Welch große Ehre muss es für Sie sein, mich heute zu ehren“, sagte Louis-Dreyfus bei der Entgegennahme ihres Emmys, um dann anzufügen, dass diese Worte eigentlich von Donald Trump stammten. „Es wird immer schwieriger, diesen Kram satirisch zu brechen!“, so Louis-Dreyfus.

          Die bewegendsten Worte des Abends sprach Viola Davis. „Vor meinem inneren Auge sehe ich eine Linie, darüber grüne Wiesen und liebliche Blumen und wunderschöne weiße Frauen, die ihre Arme nach mir ausstrecken – aber ich scheine diese Linie nicht überqueren zu können“, zitierte sie die Aktivistin Harriet Tubman aus dem neunzehnten Jahrhundert und sagte dann: „Das einzige, was farbige Frauen von allen anderen trennt, sind Chancen – man kann keinen Emmy für Rollen gewinnen, die es nicht gibt.“ Davis widmete ihren Emmy all denen, „die neu definiert haben was es bedeutet, schön, sexy, eine Hauptdarstellerin zu sein – schwarz zu sein“, und sie dankte ihren schwarzen Kolleginnen, „dass ihr uns über diese Linie  führt.“

          Zuvor waren mit Uzo Aduba als beste Nebendarstellerin in einer Dramaserie („Orange is the New Black“) und Regina King als beste Nebendarstellerin in einer limitierten Serie („American Crime“) schon zwei weitere schwarze Frauen mit einem Emmy ausgezeichnet worden. Insgesamt drei Preise für Amazons „Transparent“ setzten außerdem ein Zeichen für die Diversifizierung von Fernsehprotagonisten. Hauptdarsteller Tambor widmete seinen Emmy der transsexuellen Gemeinde mit den Worten: „Danke für eure Geduld, euren Mut, eure Inspiration. God bless you.“

          Digitale Sichtung für alle 17.000 Stimmberechtigten

          „Orange is the New Black“, eigentlich ein Favorit, musste dank der veränderten Konkurrenzregeln diesmal als einstündige Serie in der Drama-Kategorie anstatt wie zuvor bei den Comedies antreten und konnte in einem Feld, das mit „Game of Thrones“ und Mad Men“ hochkarätig besetzt war, nicht viel reißen. Die neuen Emmy-Regeln, mit der die Academy der sich verändernden Fernsehlandschaft Tribut zu zollen hofft, wurden diesem Anspruch indes nur bedingt gerecht. Mit der Trennung von Talk- und Sketch-Shows schaffte man mehr Klarheit in einem bislang allzu umfassenden Feld. Dass allerdings elf- und dreizehnteilige „abgeschlossene“ Serien aus dem Network- und Kabelfernsehen wie ABCs „American Crime“ und FXs „American Horror Story“ jetzt mit HBOs vierteiliger Hochglanz-Minserie „Olive Kitteridge“ in der Kategorie „Limitierte Serie“ konkurrieren müssen, ist absurd. Zwar hatten im vergangenen Jahr viele die unfaire Konkurrenz des von zwei Oscarpreisträgern geschmückten Achtteilers „True Detective“ in der Dramaserien-Kategorie moniert, aber nun scheint das Problem lediglich verlagert statt gelöst – offenbar ist auch hier eine neue Kategorie nötig, so dass klar zwischen Minserien, abgeschlossenen Acht- bis Dreizehnteilern und langlaufenden Serien unterschieden wird. So aber räumte HBO wie immer fast alle Preise in der umbenannten Miniserien-Kategorie ab: Beste Serie, beste Hauptdarsteller (Frances McDormand und Richard Jenkins), bester Nebendarsteller (Bill Murray), bestes Drehbuch und beste Regie. Dass allein der Emmy für die beste Nebendarstellerin hier an Regina King und „American Crime“ ging, mag den bemerkenswerten Mut von ABC dämpfen, eine so komplexe und anspruchsvolle Serie ins Programm zu nehmen.

          Aber die hohen Ehren für den bisher übergangenen Publikumsfavoriten „Game of Thrones“, der neben den Preisen für die beste Dramaserie und den besten Nebendarsteller auch die für das beste Drehbuch und die beste Regie bekam, sind womöglich auch dem neuen Wahlsystem zu verdanken, der allen 17.000 Wahlberechtigten eine digitale Sichtung der Kandidaten ermöglicht und ihren eine umfangreichere Abstimmung erlaubt. Die Hoffnung, dass dies den Zuschauerfavoriten eine bessere Chance einräumt, die bisher oft hinter Edelprogrammen ohne breite Publikumsreichweite zurückstehen mussten, ist offenbar aufgegangen.

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