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Amerikanische Emmy-Awards : Maria Schrader gewinnt überraschend Regie-Preis

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Auch bei virtuellen Preisverleihungen darf man sich schick machen: Die deutsche Preisträgerin Maria Schrader mit ihrem Team während der Emmy Awards Bild: AFP

Als erste deutsche Regisseurin überhaupt gewinnt Maria Schrader die wichtigste amerikanische Fernsehauszeichnung. Den Abend dominieren jedoch besonders drei Produktionen – und Donald Trump.

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          Die deutsche Regisseurin Maria Schrader ist mit einem Emmy ausgezeichnet worden. Den begehrten amerikanischen Fernsehpreis bekam sie am Sonntagabend (Ortszeit) für die beste Regie bei einer Miniserie. Geehrt wurde sie für die vierteilige Serie „Unorthodox“, die auf der Streamingplattform Netflix läuft. Darin erzählt wird die Geschichte einer jungen Jüdin, die aus ihrer ultra-orthodoxen New Yorker Gemeinde nach Berlin flüchtet. Die drei großen Abräumer des Abends waren das Drama „Succession“ um die kaputte Familie eines Medienmoguls, die freundliche Toleranz-Comedy „Schitt’s Creek“ und die auf einem realen Massaker an Schwarzen im Süden der Vereinigten Staaten beruhende Comicverfilmung „Watchmen“. Der Emmy Award ist der bedeutendste Fernsehpreis Amerikas.

          Als erste deutsche Regisseurin überhaupt war Schrader für einen Emmy nominiert, entsprechend überwältigt zeigte sie sich über die Auszeichnung. „Ich bin sprachlos“, sagte die auch als Schauspielerin bekannte 54-Jährige in der Live-Schalte, umgeben von einigen Mitgliedern des Teams.

          Aufgrund der Corona-Pandemie fand die Preisverleihung als Video-Schalte statt, lediglich Moderator Jimmy Kimmel führte aus dem ansonsten leeren Staples Center in Los Angeles durch den Abend. Der festlichen Stimmung tat die virtuelle Sonderausgabe der „Pand-Emmys“, wie Kimmel die Veranstaltung nannte, kaum Abbruch – die meisten Gäste saßen auch daheim in Abendgarderobe.

          Zahlreiche Seitenhiebe gegen Trump

          Er wolle einigen „Nichtdank“ aussprechen, sagte Produzent und Drehbuchautor Jesse Armstrong bei der Bekanntgabe des Preises für die beste Dramaserie an „Succession“. Ein „Nichtdank“ gehe an das Virus und an Donald Trump und Boris Johnson für deren „lausige und unkoordinierte Antwort“ darauf, sagte er. Ein „Nichtdank“ gehe auch an alle Nationalisten auf der Welt und „an alle Medienmogule, die sie an der Macht halten“, erklärte der Brite.

          Seine opulent ausgestattete Serie handelt vom alternden Patriarchen Logan Roy und wie dessen Kinder um die Nachfolge in seinem Medienkonzern kämpfen. Sie wurde mit sieben Preisen ausgezeichnet, darunter auch Emmys für Jeremy Strong als bester Hauptdarsteller und Andrij Parekh als bester Regisseur. Dass während der Verleihung des Hauptpreises kurz im Hintergrund das Telefon klingelte, blieb eine der wenigen Pannen – „Zimmerservice, vermutlich“, witzelte Armstrong.

          Ansonsten war deutlich häufiger der amerikanische Präsident das Thema vieler Gags und ernster Anspielungen. Zu Beginn sprach Moderator Jimmy Kimmel zunächst vor applaudierenden Stars, gab dann aber preis, dass dies Aufnahmen der Vorjahre waren und er nahezu allein auf der Bühne im Staples Center stehen werde. „Natürlich haben wir kein Publikum“, sagte der Komiker. „Das hier ist keine MAGA-Rally“, ergänzte Kimmel als Seitenhieb auf die „Make America Great Again“-Wahlkampfreden, die Präsident Donald Trump trotz Infektionsrisikos während der Corona-Pandemie vor tausenden Anhängern hält.

          „Schitt's Creek“ und „Watchmen“ räumen ab

          Danach ging Kimmel hinter die Bühne in einen Raum voller Monitore mit Schalten zu rund 100 Nominierten. Mit der Vergabe des ersten Preises begann dann der beeindruckende Siegeszug von „Schitt’s Creek“ in den Comedy-Kategorien – über 70 Minuten dauerte es, bis überhaupt irgendeine andere Sendung einen Preis erhielt. Bis dahin gewann in allen sieben wichtigen Sparten die warmherzige Serie über die extravagante Familie Rose, die nach Problemen mit den Steuerbehörden in ein kleines Dorf zieht, das der Vater einst als Spaß dem Sohn geschenkt hatte.

          Hauptdarsteller Eugene Levy und Autor Daniel Levy von „Schitt’s Creek“
          Hauptdarsteller Eugene Levy und Autor Daniel Levy von „Schitt’s Creek“ : Bild: AP

          „Im Kern handelt unsere Serie davon, welche Veränderungen Liebe und Akzeptanz auslösen“, sagte Daniel Levy, der Preise als Regisseur, Autor und Nebendarsteller erhielt. „Und das ist etwas, das wir heute mehr als je zuvor brauchen“, ergänzte er bevor er die Zuschauer engagiert aufrief, am 3. November wählen zu gehen. Außer ihm wurden auch Catherine O’Hara und Eugene Levy für ihre Hauptrollen und Annie Murphy für die beste weibliche Nebenrolle ausgezeichnet. Inklusive der Preise für die beste Comedyserie, sowie für bereits an den Vorabenden vergebenen Preisen für Casting und Kostüme kam „Schitt’s Creek“ auf neun Awards.

          Bei den Emmys für Fernsehfilme und Miniserien war „Watchmen“ mit insgesamt elf Preisen der große Abräumer. In ihren Reden am Sonntag erinnerten die Macher hier an ein dunkles Kapitel der amerikanischen Geschichte, das der Serie zugrunde liegt: Beim Massaker von Tulsa waren laut mancher Schätzungen im Jahr 1921 bis zu 300 Schwarze umgebracht worden. „Dieses Land vernachlässigt seine eigene Geschichte oft zum eigenen Nachteil“, sagten die Drehbuchautoren Damon Lindelof und Cord Jefferson.

          Die Preisträger wurden ins Studio zu Moderator Jimmy Kimmel geschaltet.
          Die Preisträger wurden ins Studio zu Moderator Jimmy Kimmel geschaltet. : Bild: dpa

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