https://www.faz.net/-gqz-8upss

Moskau und Emmanuel Macron : Russische Medien befeuern die Pariser Gerüchteküche

Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte Trogneux beim Betreten des Elysee-Palasts im März 2016. Bild: dpa

Fama für alle: Über verschiedene Kanäle wird die Behauptung verbreitet, der Präsidentschaftsanwärter Emmanuel Macron sei homosexuell. Der reagiert gelassen.

          Fake News hatten im französischen Wahlkampf bislang keine große Rolle gespielt. Doch seit François Fillon in Bedrängnis geraten ist, eilt ihm sein Freund Putin zu Hilfe. „Russische Medien kolportieren im französischen Wahlkampf Gerüchte“, notiert die „Washington Post“. Diese Gerüchte betreffen Emmanuel Macron, der in den Meinungsumfragen Fillon überholt hat: Macron sei homosexuell und führe neben seiner Ehe eine feste Beziehung mit dem Intendanten von Radio France.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

          Am vergangenen Samstag veröffentlichte das russische Portal „Sputnik“ ein Interview mit dem Republikaner-Abgeordneten Nicolas Dhuicq. „Langsam sickert die Wahrheit über sein Privatleben durch“, sagte Dhuicq. Eine „reiche Gay-Lobby“ wolle Macron an die Macht bringen. Er sei „der Liebling und Favorit der französischen Medien, die, wie man weiß, von einer kleinen Zahl von Personen beherrscht werden“. Namentlich erwähnte der Abgeordnete den „berühmten Geschäftsmann und langjährigen Geliebten von Yves Saint-Laurent, Pierre Bergé“. Bergé ist einer von drei Eigentümern von „Le Monde“ und „L’Obs“. Er ist ein Befürworter der „Ehe für alle“, deren Gegner Fillon zum Sieg in der Vorwahl verholfen haben.

          Macron kommentiert mit witzigen Seitenhieben

          Nicolas Dhuicq kündigte an, die „Details aus Macrons umstrittenem Privatleben“ würden bald in der Öffentlichkeit ausgebreitet. Auch diese Drohungen wurden von „Sputnik“ und „Russia Today“ thematisiert. In der Zeitung „Iswestija“ habe Julian Assange angekündigt, dass „Wikileaks“ über interessantes Material zu Macron verfüge.

          „Sputnik News“ befasst sich auch auf seiner deutschen Website mit der „wundersamen Karriere des Polit-Jungstars Emmanuel Macron“. Es geht um „reichlich geheimnisvolle bzw. fragwürdige Stellen in seinem Lebenslauf“. Für Hollande sei Macron „ein Verräter“, für Alain Juppé ein „politischer Titelbetrüger“: „Über Macron wird in Paris generell viel geredet. Eines der Themen ist seine Ehe mit seiner ehemaligen Schullehrerin, die 24 Jahre älter ist als er. Zudem wird behauptet, Macron würde Geld nicht nur von den USA, sondern auch von Katar und Saudi-Arabien bekommen.“ Titel am Tag danach: „Macron wehrt sich gegen die Schwulen-Gerüchte.“ Diese Gerüchte sind in Paris allerdings kein Tabu und kamen in verschiedenen Porträts über das Paar zur Sprache. Auf Google sind die Gerüchte das meistgesuchte Thema. Macron kommentiert sie mit witzigen Seitenhieben: „Für Brigitte ist das nicht sehr angenehm, sie fragt sich schon, wie ich das physisch schaffe. Sie ist den ganzen Tag an meiner Seite, und ich habe sie dafür nie bezahlt.“

          Weitere Themen

          Der Manfred von nebenan

          Europawahlkampf : Der Manfred von nebenan

          EVP-Spitzenkandidat Weber gibt sich im Wahlkampf bodenständig und bürgernah. Aber auch bei einem guten Wahlergebnis kann er sich nicht sicher sein, der nächste Kommissionspräsident zu werden.

          „The Wild Boys“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „The Wild Boys“

          „The Wild Boys“, 2017. Regie: Bertrand Mandico. Mit: Pauline Lorillard, Vimala Pons, Diane Rouxel. Start: 23.05.2019.

          Die Highlights vom roten Teppich Video-Seite öffnen

          Filmfestival in Cannes : Die Highlights vom roten Teppich

          Glamouröse Kleider, schicke Anzüge, Schuhprobleme, strömender Regen und ein Heiratsantrag... Auf dem roten Teppich des Filmfestivals in Cannes war in diesem Jahr einiges los. Hier sind die schönsten Momente an der Croisette.

          Teherans Dilemma

          FAZ Plus Artikel: Irans gespaltene Gesellschaft : Teherans Dilemma

          Krieg oder Frieden? Um die Krise in Iran zu überwinden, müssten Regierung und Volk zusammenstehen. Doch sie leben in unterschiedlichen Epochen. Das wird nirgendwo deutlicher als in der Hauptstadt. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Müssen die Grünen bald einen Kanzlerkandidaten aufstellen? Jubel am Sonntag auf der Wahlparty in Berlin

          Nach dem Wahlwochenende : Altes Schema, neue Akteure

          Es scheint in Deutschland ein altes Rechts-Links-Muster zu geben. Doch wofür einst CDU und SPD ausreichten, werden jetzt Grüne und AfD gebraucht. Bleibt da dauerhaft Platz für die CDU? Eine Analyse.
          Innenminister und Lega-Chef Salvini bei einer Pressekonferenz nach der Europawahl

          Lega siegt in Italien : Und wieder küsst er das Kruzifix

          Matteo Salvinis Lega erzielt bei der Europawahl das beste Ergebnis ihrer Geschichte – und kann damit wohl auch ihren Koalitionspartner Fünf Sterne unter Druck setzen. Der Parteichef zelebriert den Erfolg am Montag mit einer umstrittenen Geste.
          EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber am späten Sonntagabend in Brüssel.

          Weber zu Europawahl-Ergebnis : „Ein großer Sieg für Europas Demokratie“

          Die EVP wird wieder stärkste Kraft im Europaparlament – trotz deutlicher Verluste. Als Gewinnerin sieht Spitzenkandidat Weber seine Fraktion nicht. Im Rennen um den Posten des Kommissionspräsidenten stellt er trotzdem klare Bedingungen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.