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„Wir Monster“ auf Arte : Liebende Eltern sind zu allem bereit

  • -Aktualisiert am

Immerhin kam diesmal niemand ums Leben: Nach einem Alkoholabsturz bringen Christine und Paul ihre Tochter Sarah nach Hause. Bild: © ester.reglin.film/M. V. Menke

Zwei Freundinnen streiten um einen Jungen, eine verschwindet – und zwei Familien verzweifeln darüber. „Wir Monster“ wird vom Pubertätsdrama zum Thriller, mitreißend bis zum Schluss.

          Was ihm bei der Elterntaxi-Fahrt ins Ferienlager widerfährt, kann der Musiker Paul (Mehdi Nebbou) niemandem erzählen. Seine Tochter Sarah (Janina Fautz) ist schon mies gelaunt, bevor ihre Freundin Charlie (Marie Bendig) einsteigt. Als die beiden im Auto sitzen, bekommen sie sich wegen eines Jungen in die Haare, was einen Zwischenstopp auf einem Waldparkplatz erforderlich macht. Die Mädchen verschwinden zeternd zwischen den Bäumen. Paul denkt, sie kehrten gleich Arm in Arm zurück.

          Doch es kommt anders. Sarah ruft ihren Vater zu einer Staumauer hinter die Tannen. Unten, im Wasser, schwimmt der Rucksack der Freundin, von der ist nichts zu sehen. Ein Unfall? „Ich hab sie geschubst“, sagt Sarah. In den Tagen beobachtet Paul seine Tochter voller Sorge und fragt sich, was Sarah mehr bekümmert: dass sie ihre beste Freundin getötet hat oder dass ihr Handy nass ist. Er und Sarahs, von ihm getrennte lebende, Mutter Christine (Ulrike C. Tscharre) sind ratlos. Panisch versuchen sie, die Geschichte unter der Decke zu halten.

          „Wir Monster“ legt alles darauf an, Elternherzen aufzuwühlen. Der Film gewinnt seine Wucht aus der Ruhe, die der Regisseur Sebastian Ko über alles legt; eine Stille, die im Kontrast zum übersteuerten Innenleben der Eltern steht. Der Kameramann Andreas Köhler fotografiert mehr, als dass er filmt - Garagentore, die sich ganz langsam schließen; Schaukeln, die außerhalb der Brennweite schwingen; Hinterköpfe in Nahaufnahme, dann ein Schmetterling, der aus dem Kokon schlüpft.

          Das von Ko mit Marcus Seibert geschriebene Drehbuch hält früh eine Wendung parat, die eine schwarze Komödie andeutet. Doch damit haben wir es nicht zu tun, es geht um ein Familiendrama schweren Kalibers. Ist Charlie gar nicht tot? Treibt Sarah mit ihren Eltern ein Spiel, um sie zusammenzubringen? Sie genießt jedenfalls deren Aufmerksamkeit. Aber dann ist da noch die verzweifelte Familie von Charlie, nach dem Mädchen wird fieberhaft gesucht. So gerät „Wir Monster“ vom Pubertätsdrama zum Thriller, mitreißend bis zum Schluss.

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