https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/elon-musks-starlink-und-der-nutzen-fuer-die-ukraine-im-krieg-17840714.html

Elon Musks Internet-Dienst : Kann Starlink von Nutzen für die Ukraine sein?

Nutzte eine Gelegenheit: Elon Musk Bild: dpa

Er will liefern. Aber was, wie, an wen und zu welchem Preis? Elon Musks Ankündigung, sein satellitengestütztes Internet-Empfangsprogramm auf das Land im Krieg auszuweiten, wirft Fragen auf.

          3 Min.

          Der Appell war eindringlich, und die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Am Samstag hatte sich Mykhailo Fedorov an Elon Musk gewandt. „Während Sie versuchen, den Mars zu kolonisieren, versucht Russland, die Ukraine zu besetzen“, schrieb der stellvertretende Premierminister und Minister für die digitale Transformation in der Ukraine, „während Ihre Raketen nach der Rückkehr aus dem All erfolgreich landen, greifen russische Raketen die ukrainische Zivilbevölkerung an.“ Seine dringende Bitte: Musk, der im Weltall andere Planeten in den Blick nimmt, während er im erdnahen Weltraum mit Tausenden Satelliten kabellosen Internetempfang anbietet, möge die dafür benötigten Starlink-Empfangsantennen auch in die Ukraine schicken. „Das Starlink-System ist jetzt auch in der Ukraine aktiv“, war keine elf Stunden später die Antwort, Empfangsanlagen seien auf dem Weg.

          Fridtjof Küchemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Entwickelt, um in Gegenden mit schwach entwickelter Internet-Infrastruktur eine Alternative zu Verbindungen über Kabel anzubieten, wirkt Starlink wie die ideale Unterstützung für ein Land im Krieg, dessen irdische Internet-Infrastruktur vom Feind angegriffen wird. Doch auch wenn Starlink seine Nutzer vom Kabelnetz unabhängig sein lässt: Voraussetzungslos ist der Betrieb keineswegs.

          Während der Fernsehempfang mit geostationären Satelliten arbeitet, deren Position im Verhältnis zur Erde gleich bleibt, sucht sich jede Starlink-Anlage selbständig einen Satelliten zur Übertragung und wechselt ihn, wenn sich ein anderer in günstigerer Position befindet. Die Schüssel dafür muss unter freiem Himmel montiert werden und braucht Strom – das Zehnfache eines üblichen Routers. In Deutschland kostet die Version für den privaten Gebrauch 500 Euro, hundert Euro der Service im monatlichen Betrieb. Seit knapp einem Jahr ist das Angebot bei uns erhältlich, im vergangenen Herbst verkündete Spacelink flächendeckende Verfügbarkeit.

          Einiges ist ungeklärt

          Seit Anfang Februar bewirbt Elon Musks Raumfahrtunternehmen Space X zudem ein Premium-Angebot von Starlink für „Nutzer mit höchsten Ansprüchen“. Bei hoher Auslastung sollen Premium-Kunden, die sich das Unternehmen als „kleine Büros, Ladengeschäfte und Super-User rund um den Globus“ vorstellt, bei hoher Auslastung bevorzugt Bandbreite bereitgestellt bekommen. Die Ausrüstung verspricht verbesserten Empfang, eine größere Unabhängigkeit von den Wetterbedingungen und doppelte Übertragungsraten – zum fünffachen Preis.

          Der Hilferuf aus der Ukraine und seine prompte Antwort werfen organisatorische Fragen auf: An wen sollen die Kits zur Starlink-Installation geliefert werden? Wie sollen sie ihr Ziel erreichen? Wie viele sollen es sein? Wie viele können es überhaupt sein, und in welchem Zeitraum kann Musk liefern? Was sollen sie kosten, und auf welchem Weg sollen sie bezahlt werden? Wer soll die zuerst eintreffenden Geräte bekommen, wie wird die Verteilung organisiert und priorisiert? Wie lassen sich die Schüsseln, leichte Ziele unter freiem Himmel, vor gezielten Schüssen schützen? Ist ein Wechsel ihres Standorts unkompliziert möglich? In Deutschland beispielsweise muss ein Antrag gestellt werden, wenn ein Besitzer seine Schüssel verlegen will. Für Menschen, die womöglich flüchten müssen, wäre eine solche Einschränkung der Mobilität eine empfindliche Behinderung.

          Elon Musks Reaktion ist so kraftvoll wie naheliegend: Unter seinen vielen Projekten kann Starlink positive Schlagzeilen gerade besonders gut gebrauchen. Negative gab es in letzter Zeit reichlich: Die Satelliten sind in ihrer riesigen Zahl wiederholt anderen Flugkörpern in erdnahen Umlaufbahnen – bemannte Raumstationen inbegriffen – gefährlich geworden. Einer Studie der Universität von British Columbia in Vancouver zufolge sollen jeden einzelnen Tag 2,2 Tonnen Material aus schrottreifen Starlink-Satelliten anfallen. Bei Raketenstarts und beim Verglühen der Satelliten entsteht Aluminiumoxid, das temporäre Löcher in der Ozonschicht verursachen und das Rückstrahlvermögen der Erde erhöhen könnte.

          Die amerikanische Bundeskommunikationskommission FCC hat den Betrieb von zwölftausend Starlink-Satelliten lizenziert. Das Unternehmen will den Bestand auf mehr als vierzigtausend Flugobjekte ausbauen. Zurzeit wird vor Gericht verhandelt, ob sich die FCC bei der Bewilligung einer niedrigeren Umlaufbahn für dreitausend Satelliten an ein Umweltschutzgesetz, den National Environmental Policy Act, halten müsste. Die Anerkennung der Gültigkeit des Gesetzes für die Lizenzierung von Satelliten könnte weitreichende Folgen für die Starlink-Pläne haben. Zudem ist das über Starlink empfangene Internet in den Vereinigten Staaten im dritten Quartal des vergangenen Jahres im Vergleich zum vorigen Quartal etwas langsamer geworden. Grund dafür könnten die steigenden Nutzerzahlen sein.

          Elon Musk präsentiert sich gern als Macher. Er lässt sich kaum eine Gelegenheit entgehen zu zeigen, was seine Unternehmen zu leisten bereit sind. Dass Starlink für die Internetversorgung in der Ukraine leisten kann, was es verspricht, ist für die Menschen dort angesichts der Invasion der russischen Armee eine existenzielle Frage.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gaslager auf dem Gelände des Chemiekonzerns BASF in Ludwigshafen

          Energieknappheit : Industrie könnte drei Prozent Gas einsparen

          Industrieunternehmen sind bereit, gegen finanziellen Ausgleich Gas einzusparen, ergab eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, die der F.A.Z. vorliegt. Damit könnten die Gasspeicher um zusätzlich vier Prozentpunkte gefüllt werden.
          Einsatzkräfte am Fields-Einkaufszentrum in Kopenhagen nachdem dort Schüsse gefallen sind

          Eine Festnahme : Schüsse in Einkaufszentrum in Kopenhagen

          Laut der dänischen Polizei sind in einem Einkaufszentrum in der dänischen Hauptstadt Schüsse gefallen. Dabei sollen mehrere Menschen getroffen worden sein. Wenig später nimmt die Polizei einen Verdächtigen fest.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.