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Elke Sommer ist siebzig : Sechssprachiges Gift mit Diplom

  • -Aktualisiert am

„Was macht eigentlich Elke Sommer?“ fragen sich viele ihrer Fans. Warum fragen sie das? Weil die Schauspielerin im Jahr 1959 als „blonde Sexsirene“ begann und solche Filmsterne nach zehn Jahren ausbrennen? Daran allein kann es nicht liegen.

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          Warum zählt Elke Sommer heute vielen zur Kategorie „Was macht eigentlich“? Weil sie 1959 als „blonde Sexsirene“ begann und solche Filmsterne nach zehn Jahren ausbrennen? Daran allein kann es nicht liegen. Denn andere, die damals im selben Fach glänzten, wechselten erfolgreich das Genre. Diana Dors zum Beispiel, Englands „Antwort auf Marilyn Monroe“, stand in reiferen Jahren als gefeierte Lady Macbeth und Medea auf der Bühne; Shelley Winters, anfangs Nebenbuhlerin der Monroe, wuchs zur respektierten Charakterdarstellerin. Das gilt auch für Senta Berger, eine der wenigen hiesigen Schauspielerinnen mit Hollywood-Erfolg, die nach der Rückkehr eine Zentralfigur des deutschen Films wurde.

          Mit ihr stand Elke Sommer 1963 in Carl Foremans Kriegsepos „Die Sieger“ vor der Kamera, wo beide sich in einer Schar internationaler Stars (Romy Schneider, Melina Mercouri, Jeanne Moreau, George Peppard, Peter Fonda, Eli Wallach) behaupteten. Für Elke Sommer folgte im selben Jahr eine Hauptrolle neben Paul Newman im Thriller „Der Preis“, die ihr einen Golden Globe als beste Nachwuchsdarstellerin einbrachte. Das Attribut Nachwuchs war leicht irreführend. Denn vor ihrem furiosen Hollywood-Start hatte Elke Sommer bereits 26 Filme gedreht. Die ersten, absolut belanglosen, nicht in Deutschland, sondern in Italien, wo die Achtzehnjährige während eines Urlaubs „Miss Viareggio“ und damit sofort Magnet der Blonden-Hysterie italienischer Männer geworden war.

          Eine ebenbürtige Komödiantin zu Otto Sander

          Schon ihr zweiter deutscher Film wurde der wichtigste: „Das Totenschiff“, 1959 sehr frei nach B. Travens Roman gedreht, zeigt Elke Sommer als gleichrangige Partnerin der magischen Leinwandfüller Horst Buchholz und Mario Adorf. Jürgen Goslars „Das Mädchen und der Staatsanwalt“ - Partner waren Götz George, Gottfried John, Berta Drews - hätte 1961 ein weiterer Höhepunkt werden können, setzte aber zu sehr auf das Verruchtheits-Klischee. Es dauerte zwölf Jahre, Dutzende unsäglich banaler Filme und mehrere respektable Theaterrollen in Los Angeles, bis Elke Sommer 1973 die hiesige Kritik in Edgar Reitz' „Die Reise nach Wien“ gemeinsam mit Hannelore Elsner (die davor gleichfalls in die Erotikschablone gepresst worden war) als Schauspielerin von Format überraschte.

          Ihre Ehe mit dem amerikanischen Journalisten Joe Hyams, der eigenwillige Vorstellungen von ihrer Karriere hatte, energische Versuche, als Malerin Fuß zu fassen, Hollywoods neuer Kurs in den Siebzigern und das Schubladendenken hiesiger Regisseure wirkten zusammen, dass es weitere acht Jahre brauchte, ehe Elke Sommer 1981 in „Der Mann im Pyjama“, einer Situationskomödie mit improvisierten Dialogen, sich als Otto Sanders umwerfend komischer Titelfigur ebenbürtige Komödiantin erwies.

          Einige Fernsehrollen, viele Theatertourneen, fortgesetzte Malerei - unterbeschäftigt ist Elke Sommer nicht, unterbewertet schon. Als Tochter eines Pastors in Franken und diplomierte Dolmetscherin mit Abitur hat sie gute Chancen, das nicht zu schwer zu nehmen. Auch nicht, dass sie, das ehemalige „blonde Gift“, am kommenden Freitag siebzig Jahre wird.

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