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Digitalisierung : „El País“ wächst digital

Auslaufmodell: Die spanische Zeitung „El País“ setzt nicht mehr aufs Papier, sondern auf digitale Abonnements. Bild: AFP

Die spanische Tageszeitung „El País“ baut auch digital ihre Führungsposition aus. Das verdankt sie auch ihren Lesern in Lateinamerika.

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          Kurz nach Ausbruch der Pandemie errichtete „El País“ die digitale Bezahlschranke. Doch die neue Paywall schreckte nicht ab. Jetzt meldete die größte überregionale spanische Tageszeitung 250.000 Abonnenten. Im Mai 2020, als das digitale Abo eingeführt wurde, waren es 99.000. Heute nutzen 214.000 die Inhalte nur digital, 7000 die E-Paper-Version, und 33.000 greifen auf die Printausgabe zurück. In Madrid hat man ein Ziel: 450.000 Digitalabonnenten bis 2025 hält der Vorstandsvorsitzende der Prisa-Gruppe, Carlos Núñez, zu der die Zeitung gehört, für möglich. Der Abstand zu den spanischen Konkurrenten ist groß. Die Zeitung „El Mundo“ teilte mit, sie habe die Zahl von 100.000 digitalen Abonnements überschritten. Dort war 2019 eine Bezahlschranke eingeführt worden. Die anderen spanischen Zeitungen haben alle weniger als 100.000 digitale Abonnenten.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Auch in Spanien nehmen die Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft stark ab, dazu kommen die steigenden Papierpreise. Bei „El País“ helfen die schnell wachsenden Abonnentenzahlen nach eigenen Angaben, den Trend zu kompensieren. An der gedruckten Ausgabe will „El País“ festhalten. Vor einem Jahrzehnt lag die Auflage bei mehr als 400.000. In Spanien haben die gedruckten Zeitungen zwischen Juli 2021 und Juli 2022 115.000 Leser verloren, besonders viele „El Mundo“ und „ABC“, während sich bei „El País“ die Verluste in Grenzen hielten.

          Erst 1976 gegründet, profitiert die Zeitung davon, dass sie auf beiden Seiten des Atlantiks gelesen wird. Selbstbewusst nennt man sich deshalb „periódico global“ (Weltzeitung). Während sich die einheimischen Konkurrenten auf Spanien konzentrieren, gibt es digitale Ausgaben für die USA, Mexiko, Kolumbien und Chile. In Mexiko und Kolumbien gibt es eigene Redaktionen. Vor zwei Jahren war in Lateinamerika die gedruckte Ausgabe eingestellt worden. Das Potential ist weiterhin groß. Auf der Welt leben fast 500 Millionen spanische Muttersprachler. Bei „El País“ setzt man auf anspruchsvolle Berichterstattung mit einer Redaktion mit mehr als 400 Mitgliedern und einem Korrespondentennetz, das sich im Ukrainekrieg bewährte, in dem spanische Medien von Anfang an mehr Präsenz zeigten als die deutschen. Zugleich wurde die Wissenschaftsredaktion ausgebaut, und es erscheinen mehr als 40 Newsletter. Der Podcast „Hoy en El País“ gilt als einer der erfolgreichsten in Spanien.

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