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Telenovela über Hugo Chávez : Er konnte Menschen verführen

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Original und Darstellung: In der Serie „El Comandante“ spielt Andrés Parra (links) den früheren venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez. Bild: Sony/Archiv

In ganz Südamerika startet eine Serie über das Leben von Hugo Chávez: „El Comandante“. In ganz Südamerika? Nicht ganz: Venezuelas Regierung fürchtet, die Telenovela könnte ihr den Todesstoß versetzen.

          Hugo Chávez ist wieder da: als Star und Titelgeber der sechzigteiligen Fernsehserie „El Comandante“, die an diesem Dienstag in zahlreichen Ländern Lateinamerikas anläuft. Nicht dass Hugo Chávez wirklich weg gewesen wäre seit seinem Tod am 5. März 2013. Venezuelas Langzeit-Präsident sei nur „physisch abwesend“, heißt es in der Propagandapoesie des Regimes in Caracas. Denn im Geiste der von ihm angeführten Revolution lebe der Comandante fort, für immer und ewig. Amtsnachfolger Nicolás Maduro sieht sich als Sohn von Chávez und reklamiert eine Art mystischer Verbindung mit seiner spirituellen Vaterfigur. Eines Tages habe ihn ein kleiner Vogel dreimal umflogen und dabei so freudig gezwitschert, dass „Chávez’ Geist“ über ihn gekommen sei, berichtete Maduro einst ohne einen Anflug von Ironie.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Ob Chávez als gütiger Vater über seine Revolutionskinder wacht oder als Orwellscher Big Brother, der sein Volk aushorcht und knechtet, ist Ansichtssache. Jedenfalls sind die stilisierten Augenpaare von Hugo Chávez in Venezuela vielerorts zu sehen: auf den roten Flaggen der Sozialistischen Einheitspartei, auf T-Shirts und Baseball-Kappen, vor allem aber in überdimensionierter Form auf den Fassaden von Hochhäusern und Wohnsilos.

          Schlechte Rede fehl am Platz

          Ihre Diskurshoheit über das Chávez-Image sieht die Regierung in Caracas jetzt offenbar durch das Fernsehepos „El Comandante“ akut bedroht. Anders lassen sich die heftigen Reaktionen nicht erklären. Präsident Maduro erwähnte die Telenovela sogar in seiner Rede zur Lage der Nation Anfang Januar. Er bezeichnete die Serie als „veritablen Müll“, deren Ziel es sei, mit „kriminellen Lügen“ das Andenken eines „gigantischen Mannes wie Hugo Chávez“ zu beschmutzen. Dagegen gelte es die „profunde Wahrheit“ über Leben und Wirken von Hugo Chávez zu setzen. Deshalb werde das venezolanische Staatsfernsehen bald mit der Produktion einer eigenen Serie über das Leben und Wirken des Comandante beginnen, versprach Maduro.

          Diosdado Cabello, einer von Chávez’ Weggefährten der ersten Stunde, früherer Parlamentspräsident und heute oberster ideologischer Einpeitscher des Regimes, startete unter dem Twitter-Hashtag #AquíNoSeHablaMalDeChávez (Hier spricht man nicht schlecht über Chávez) eine nationale Kampagne zur Verteidigung des Bildes vom heiligen Hugo. Er forderte Beamte und Behördenangestellte, Ladenbesitzer und Markthändler, Bus- und Taxifahrer, überhaupt alle Venezolaner auf, mittels Aushang eines Schilds mit der Aufschrift „Aquí no se habla mal de Chávez“ ihrer revolutionären Gesinnung Ausdruck zu verleihen.

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