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Einer für alles : Wolfgang Büchner wird Chefredakteur beim „Spiegel“

Seit Anfang 2010 bei der dpa, demnächst beim Spiegel: Wolfgang Büchner Bild: dpa

Die Lücke, die er bei der Deutschen Presse-Agentur hinterlässt, ist groß. Die Aufgabe, die er beim „Spiegel“ übernimmt, ist es nicht minder: Wolfgang Büchner wird neuer Chefredakteur des Nachrichtenmagazins.

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          Diese Personalie war keine wirkliche Überraschung mehr: Wolfgang Büchner, der Chefredakteur der Deutschen Presse-Agentur, übernimmt die Redaktionsleitung beim „Spiegel“ und bei „Spiegel Online“. Wann genau er Chefredakteur des Magazins und des Internetangebots wird, steht noch nicht fest - die dpa muss erst noch einen Nachfolger finden.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dass Büchner den Posten bekäme, wurde als gesichertes Gerücht seit Tagen in der Branche herumgereicht. Aber es ging noch um eine zweite Besetzung, zu der sich die Mitteilung des „Spiegel“ in eigener Sache ausschweigt: Es gibt keinen neuen Herausgeber. Über die Konstellation mit Wolfgang Büchner als Chefredakteur und Herrn oder Frau X als Herausgeber war spekuliert worden und es war kein Geheimnis, dass sich Jakob Augstein, Stiefsohn des Magazingründers Rudolf Augstein, hätte vorstellen können, diese Position zu bekleiden. Doch hat eine solche Überlegung, wie aus „Spiegel“-Kreisen zu hören ist, bei der Entscheidung der Gesellschafter keine Rolle gespielt. Die Gesellschafter, das sind die Mitarbeiter KG mit 50,5 Prozent der Anteile, Gruner + Jahr mit 25,5 Prozent und die Erben Rudolf Augsteins (für die Jakob Augstein spricht) mit dem Minderheitsanteil von 24 Prozent. Kein Herausgeber also. Der frühere „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust hatte 2002 zum Tod Rudolf Augsteins geschrieben, dass man diese Stelle auch gar nicht mehr besetzen könne.

          Gemeinsames Fahrwasser

          Bis Wolfgang Büchner seinen Job beim „Spiegel“ antritt, führen die beiden stellvertretenden Chefredakteure, Klaus Brinkbäumer und Martin Doerry die Geschäfte. Rüdiger Ditz, der Chefredakteur von „Spiegel Online“, zeichnet verantwortlich für das Informationsangebot im Netz. Ob und wie es mit dieser Besetzung nach Büchners Kommen weitergeht, hänge von diesem ab, heißt es auf Nachfrage.

          Die Aufgabe, den gedruckten „Spiegel“ und „Spiegel Online“ in ein gemeinsames Fahrwasser zu bringen, war den vormaligen Chefredakteuren Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron zum Verhängnis geworden. Sie hatten sich nicht auf eine Strategie für die Kostenpflichtigkeit des Online-Angebots einigen können, woraufhin die Gesellschafter sie in einer einigermaßen chaotischen Aktion abberiefen. Die Lehre daraus lautet: ein Chefredakteur für alles. Wolfgang Büchner bringe „alle Voraussetzungen mit, die beiden Redaktionen des Nachrichten-Magazins ,Der Spiegel’ und der Nachrichten-Website ,Spiegel Online’ erstmals gemeinsam zu führen und damit die publizistische Zukunft der Medienmarke ,Spiegel’ erfolgreich zu gestalten,“ sagte der „Spiegel“-Geschäftsführer Ove Saffe.

          Große Lücke, große Aufgabe

          Mit Wolfgang Büchner bekommt der „Spiegel“ einen Journalisten zum Chef, der das Haus kennt - von 2001 bis 2008 war er bei „Spiegel Online“, zuletzt als einer von zwei Chefs -, und der sich bei der dpa einen Ruf als effizienter Redaktionsmanager erworben hat. Unbeeindruckt vom Auf und Ab des lauten und inzwischen gescheiterten Konkurrenten dapd hat er die Deutsche Presse-Agentur in sensationeller Weise modernisiert. Interne Abläufe und die Zwiesprache mit den Kunden hat Büchner optimiert und die als schwerfällig und teuer geltende dpa bestens positioniert. Die Lücke, die er dort hinterlässt, ist groß.

          Die Aufgabe, die er beim „Spiegel“ übernimmt, ist es nicht minder. Beim Magazin gilt es aus den Spitzengeschichten jene zu finden, die auf den Titel gehört und bei den Käufern am Kiosk punktet. Bei „Spiegel Online“ geht es darum, das richtige Maß an „paid content“ zu ermitteln. Dass die Burda-Tochter „Tomorrow Focus“ am selben Tag, da der „Spiegel“ seine Spitzenbesetzung verkündet, kundtut, im Herbst die deutsche „Huffington Post“ auf den Markt zu bringen, markiert einmal mehr, um welchen Grundsatzstreit es geht: Um denjenigen zwischen einem Qualitätsjournalismus, der daran festhält, dass publizistische Leistung etwas kosten muss, und einer Kostenlos-Kultur, welche die „Huffington Post“ auf die Spitze treibt. Sie beschäftigt Tausende von Bloggern, ohne sie zu honorieren und erhebt die Selbstausbeutung zum Geschäftprinzip. Schärfer könnte der Gegensatz zu den meisten anderen hiesigen Verlagen nicht sein: Burda macht Online-Publizistik für lau. Das kann sich der „Spiegel“ (und nicht nur dieser) nicht leisten.

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