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„Eine unbeliebte Frau“ im ZDF : Selbst das Damwild schaut erschrocken

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Im Gestüt Waldhof geht es nicht mit rechten Dingen zu. Also nimmt die Kriminalistin Pia Kirchhoff (Felicitas Woll, rechts) die Reiterin Sylvia (Anne Diemer) ins Gebet Bild: ZDF / Johannes Krieg

Wieder sind im Taunus die oberen Zehntausend schrecklich zueinander: In „Eine unbeliebte Frau“ nach Nele Neuhaus trifft eine starre Handlung auf hilflose Schauspielkunst.

          Unrecht Gut gedeihet nicht, auch im Taunus nicht, wo die Hofheimer Kripo mit Baron Oliver von Bodenstein (Tim Bergmann) und Kollegin Pia Kirchhoff (Felicitas Woll) der verrotteten Moral der Millionärsbagage zwischen Edelgütern und Nobelvillen, Champagnersausen und dubiosen Geschäften auf der Spur ist. „Eine unbeliebte Frau“ ist der zweite Fernsehfilm, den das ZDF nach Motiven der Bestsellerkrimis von Nele Neuhaus hat drehen lassen, und wenn möglich, ist das Drehbuch im Bemühen, tausendundeine Wendung und Figuren der Vorlage durch Streichen und Straffen irgendwie in den dramaturgischen Griff zu bekommen, in seiner Und-dann-und-dann-Struktur noch schlichter geraten als sein Vorgänger (Buch: Anna Tebbe).

          Auch diesmal sind, wie in „Schneewittchen muss sterben“, lediglich parataktisch gereihte Krimiversatzstücke übriggeblieben. Szene folgt auf Szene, Schauplatz auf Schauplatz, Ereignis auf Ereignis. Immerzu müssen die Polizisten daher herumstehen und erklären, deuten und irgendein Detail herausfinden, das dann wieder Anlass zum Erklären, Deuten und Herausfinden liefert. So weit, so schlecht. Wenn denn nicht zu allem Überfluss auch die Dialoge von gesuchter Plattheit wären. Da scheint Ursula Karven als frischgebackene Witwe des Oberstaatsanwalts Hardenbach (Horst Günter Marx) sich das Lachen zu verbeißen, als sie die Lebenshaltung der oberen Zehntausend zwischen Königstein und Bad Homburg charakterisiert: „Diese Welt hier lebt von Verletzungen. Und davon, andere zu überflügeln. Mehr zu haben und besser dazustehen. Da sind viele unglücklich.“ Immerhin ist das Ambiente gediegen. Und die Buchrücken im Regal sind nach Farben geordnet. Das ist doch auch schon was. Da kippt sie gleich mal was Hochprozentiges.

          Wie ein Pflegeheimplatz

          Der größte Schuft unter der Sonne ist dieses Mal ein Großhändler namens Döring (Jürgen Maurer), der in einem erstaunlich schäbigen Lagerschuppen residiert und sich daneben das Gestüt Waldhof unter den Nagel gerissen hat, wo er Frauen mit Reitpeitschen züchtigt, Schindmähren zu Wahnsinnspreisen verkauft und die fesche Reiterin Isabel Kerstner gleich mit dazu. Während bei einem Kita-Ausflug Isabels Tochter verschwindet, bläst sich der Oberstaatsanwalt auf einer Lichtung mit dem Jagdgewehr das Lebenslicht aus. Selbst das Damwild schaut erschrocken.

          Wer einmal ein Beispiel ungelenk geschriebener und hilflos gespielter Drehbuchszenen braucht, schaue sich an, wie die Erzieherin im Beisein von Bodenstein und Kirchhoff dem Vater (Arnd Klawitter) Maries Verbleib zu erklären sucht. Doch Letzterer hat plötzlich Besseres zu tun, also verschwindet er. Dann verschwindet Isabel. Und taucht tot wieder auf. Auch alle möglichen anderen tauchen auf, verschwinden und tauchen auf (nicht unbedingt tot). Zu allem Überfluss ist von Bodensteins Frau, die gerade beruflich wieder voll durchstarten wollte (ausgerechnet mit Ekel Döring als Investor), aufs Neue schwanger. Noch mehr Komplikationen! Jetzt schaut auch von Bodenstein erschrocken. Dafür hat Frau Kirchhoff diesmal gar kein Privatleben.

          Ferner erfährt man, was ein Porsche Cayenne kostet („so viel wie ein Pflegeheimplatz für meine Mutter“). Tja, im Taunus sind die Leute halt reich und korrupt oder bescheiden und sorgend, außerdem zeichnet sich die Gegend ja durch viel Wald aus, und wie schon im ersten Fall spielen Märchenmotive eine gewisse Rolle. Liebhaber von Nele-Neuhaus-Krimis kann man vor diesem dreisten Fall von Etikettenschwindel nur warnen.

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