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Ausstellung „Fake for Real“ : Wie wird man der Infodemie Herr?

Die Ausstellung „Fake for Real“ gibt historische Einblicke in den Umgang mit Fehlinformationen. Bild: Ausstellung/Haus der europäischen Geschichte

Von der Antike bis zur Gegenwart: Das Haus der Europäischen Geschichte blickt auf Falschnachrichten und das postfaktische Zeitalter. Es wird deutlich: „Fake News“ sind keineswegs ein neues Phänomen.

          3 Min.

          Seit der Amtsübernahme von Präsident Joe Biden in den Vereinigten Staaten ist die Debatte über die Gefahr von Falschnachrichten (Fake News) etwas abgeschwollen. Zu groß ist die Erleichterung bei vielen darüber, nicht mehr täglich von Donald Trump mit Tweets konfrontiert zu werden, über deren Wahrheitsgehalt sich eben nicht streiten lässt, die aber Resonanz fanden.

          Hendrik Kafsack
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Dabei haben nicht nur der „Sturm auf das Kapitol“ in Washington im Januar und das Festhalten von Trump an der falschen Nachricht, ihm sei die Wahl gestohlen worden, gezeigt, dass die Gefahr nicht gebannt ist. Die Corona-Krise zeigt auch, dass Fake News auf fruchtbaren Boden fallen. Verstärkt durch die Algorithmen von Plattformen wie Facebook oder Youtube erreichen Videos, die gezielt falsch oder desinformieren, in kürzester Zeit mehr Zuschauer als die Fachinformationen der Weltgesundheitsorganisation und anderer vergleichbarer Institutionen zusammen – wie im vergangenen Juli das Video „America’s Frontline Doctors“, das binnen zwölf Stunden allein auf Facebook zwanzig Millionen Mal angeschaut wurde, bevor das Unternehmen das Video offline nahm.

          Die EU-Institutionen diskutieren deshalb momentan darüber, wie die EU dem mit neuen Regeln wie dem „Gesetz über digitale Dienste“ (DSA) Herr werden kann. Zugleich richtet das Haus der Europäischen Geschichte in Brüssel den Blick in die andere Richtung und versucht die Frage zu klären, inwieweit nicht nur die Verbreitung von Falschnachrichten und Desinformation eine lange Geschichte hat, sondern auch das postfaktische Zeitalter vielleicht nicht ganz so einmalig ist, wie wir vielleicht glauben. Anders formuliert: Ist es wirklich ein Phänomen der heutigen Zeit, dass es letztlich irrelevant ist, zumal für den politischen Erfolg von Trump oder des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, ob etwas wahr oder unwahr ist?

          Beim Rundgang durch die Ausstellung der Fälschungen.
          Beim Rundgang durch die Ausstellung der Fälschungen. : Bild: Ausstellung/Haus der europäischen Geschichte

          Mit mehr als 200 Ausstellungsstücken aus ganz Europa erzählt die Ausstellung „Fake for Real. Eine Geschichte der Fälschungen“ noch bis Oktober, wie die Menschen vom alten Rom bis zur Gegenwart mit Fälschungen und Fehlinformationen umgegangen sind. In sechs Kapiteln geht es unter der Überschrift „Im Krieg“ um Fälschungen, die wie Pässe Leben retten oder wie Panzerattrappen den Feind in die Irre führen könnten, oder unter „Fälschung und Reichtum“ um Kunst-, Produkt- oder Banknotenfälschungen. Das ist der Vollständigkeit halber wichtig. Interessant ist, wie sehr der Blick auf die Fälschungen des niederländischen Malers Johannes Vermeer durch Han van Meegeren in den dreißiger und vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts vom Zeitgeist geprägt war. Während van Meegeren damals selbst Kunstexperten täuschen konnte, kann mit dem heutigen Blick jeder Laie erkennen, dass es sich um Fälschungen handelt.

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