https://www.faz.net/-gqz-8b0ze

„Die Tote aus der Schlucht“ : Jedem Schädel wohnt ein Geheimnis inne

  • -Aktualisiert am

Bild: ZDF und Arvid Uhlig

Im ZDF ist heute zu besichtigen, wie ein Film jeden Halt verliert und abstürzt: Einen Reinfall wie den Film „Die Tote aus der Schlucht“ sieht man im Fernsehen nicht alle Tage.

          2 Min.

          Da ist sie nun extra aus München in die herbstlich freundliche bayerische Berglandschaft gereist, und dann so etwas: Die Tote, welche die Spezialistin für Vermisstenfälle, Kommissarin Susanne Landauer (Rosalie Thomass), in der Schlucht findet, ist ihre eigene Mutter. Ja ist es denn die Möglichkeit? Die Mutter soll seit fünfundzwanzig Jahren auf dem beschaulichen Dorffriedhof liegen. Der Vater Josef (August Schmölzer) schmort grantelnd und vereinsamt auf seinem Hof vor sich hin und trägt wenig zur Aufklärung, eine Menge aber zur Verunklarung des Falles bei. Anfangs scheint er ein brutaler Depp, dann ein immer erbarmungswürdigeres Würstchen zu sein.

          Im unterirdischen Beinhaus bei der Krypta liegen traditionell bemalte Schädel herum: Alpenrosen für die Damen, Enzian für die Herren, mitten auf der Stirn. Totenmaler Korbinian (Fred Stillkrauth) verziert nicht nur die Relikte aus den aufgelassenen Gräbern, sondern scheint über allerhand Weisheiten und Kenntnisse der Geheimnisse der Dörfler zu verfügen. Seine Antagonistin aus der Wissenschaft ist die Pathologin Isa (Lavinia Wilson), die beim standardisierten DNA-Vergleich gleich herausbekommen hat, dass die mysteriöse Tote die biologische Mutter der Kommissarin ist: „Die DNA lügt nicht.“ Das wissen wir Zuschauer allerdings längst. Umgehend werden wir mit leidenschaftlichen Küssen noch darüber informiert, dass Susanne und Isa in einer lesbischen Beziehung leben und gerade zusammengezogen sind.

          Jedes Klischee ist drin

          An Klischees spart das Drehbuch nicht. Schon bald recherchiert die Kommissarin in der ominösen Privatklinik für zahlungskräftige Burnout-Patienten, in welcher der undurchsichtig-väterliche Dr. Mangold (Friedrich von Thun) seit Jahrzehnten die anonyme Tote mit Hilfe von Bettfixierungen beherbergt hatte und von merkwürdigen Pflegern betreuen ließ.

          Tochter-Vater-Gespräch: Rosalie Thomass und August Schmölzer spielen gegen ein dürftiges Drehbuch an.

          Im Wirtshaus hocken die ortsüblichen, gelegentlich grenzdebilen Schufte: der Vater des Bürgermeisters, der just zum Zeitpunkt des Todes von Landauers vermeintlicher Mutter vor fünfundzwanzig Jahren ihrem Vater eine wertvolle Alm abgekauft hatte, einen Lift baute und so eine Goldgrube fand, der Bürgermeister selbst, ein alpenbekannter „Windhund“, und daneben die sonstige Staffage bayerischer Gemütlichkeit. Von Anfang an interessiert die Aufklärung dieses an den Haaren herbeigezogenen, mit beliebigen Handlungswendungen und schablonenhaften Dialogsätzen versehenen Drehbuchrätsels (Andreas Dirr und Christoph Busche) nicht im Geringsten. Wären da nicht Rosalie Thomass, Lavinia Wilson und August Schmölzer, die ihr Bestes tun, dieses holzschnittartig inszenierte Stück mit so etwas wie Leben zu erfüllen, könnte man den Film „Die Tote aus der Schlucht“ überhaupt nicht aushalten (Regie Christian Theede, Kamera Philipp Timme). So aber kann man sich immerhin fragen, während man neunzig Minuten lang der Handlung nicht folgen muss, warum hier dauernd von Schlucht die Rede ist, wo der einzige wirklich beeindruckende Darsteller doch einwandfrei eine Klamm ist. Wenn nicht alles täuscht, handelt es sich um die Breitachklamm. Rätsel gelöst. Die Frage aber bleibt: Warum treiben dermaßen gefledderte Drehbuchleichen beim ZDF ihr Unwesen?

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ist das Homeoffice Teil der „neuen Normalität“?

          Arbeiten nach der Pandemie : Präsenzkultur, ade!

          Die Corona-Krise hat in der Arbeitswelt einen Schub für die Digitalisierung ausgelöst. Viele Deutsche werden wohl auch danach im Homeoffice sitzen. Aber nicht alle finden das gut.
          Das Sicherheitsgesetz diene dazu, das Prinzip ‚ein Land, zwei Systeme‘ aufrechtzuerhalten, sagte Chinas Ministerpräsident Li Keqiang am Donnerstag.

          Volkskongress in Peking : China lässt alle Fragen offen

          Der Volkskongress bringt ein Sicherheitsgesetz für Hongkong auf den Weg. Doch was darin stehen soll, ist weiter unklar. Die Aktivisten in Hongkong sehnen eine Wirtschaftskrise als Druckmittel gegenüber Peking herbei.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.