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Polens Experiment : Ein Videospiel wird Schullektüre

Krieg ist düster: Szene aus dem Spiel „This War of Mine“ Bild: 11 bit Studios

Ein neuer Schritt für Videospiele? „This War of Mine“, vom polnischen Studio „11 bit Studios“, wird von Polens konservativer Regierung offiziell als Lektüre für Schüler ab 18 Jahren empfohlen.

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          In Polen ist man zurzeit sehr stolz auf einen ganz bestimmten Exportschlager: Videospiele. So kommen nicht nur die beliebte „Witcher“-Reihe und der in diesem Jahr wohl heißersehnteste Top-Titel „Cyberpunk 2077“ aus einem polnischen Studio (CD Projekt Red), sondern auch das Spiel „This War of Mine“ aus dem Jahr 2014. Dieses ausgewiesene Antikriegsspiel, das sich mit dem Schicksal von Zivilisten in Kriegs- und Krisensituationen auseinandersetzt, soll nun in den Kanon jener Werke aufgenommen werden, die im polnischen Bildungssystem zur empfohlenen Lektüre für Schüler gehören. Das teilte Grzegorz Miechowski, Chef der Entwickler von 11 Bit Studios, mit.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Demnach soll das für seinen Beitrag zum „nationalen, kulturellen Erbe“ Polens ausgezeichnete Spiel auf Initiative des Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki vom Schuljahr 2020/2021 an in die Liste der Leseempfehlungen für polnische Schüler ab achtzehn Jahren aufgenommen werden. „This War of Mine“ sei das erste Videospiel, dem dies widerfahre. Das polnische Studio sei stolz, mit diesem Schritt „neue Wege für Videospielentwickler auf der ganzen Welt zu beschreiten“. „Spiele“, schreibt Miechowski, „sprechen eine Sprache, die instinktiv“ von der jungen Generation verstanden werde: „die Sprache der Interaktion“. Mit dieser Sprache könnten Videospiele über alles sprechen: „Gefühle, Wahrheit, den Kampf zwischen Gut und Böse, die Menschheit und das Leid“. Zwar würden Spiele bereits zu Lehrzwecken eingesetzt (so wie die „Discovery Tour: Antikes Griechenland“ aus dem Spiel „Assassin’s Creed: Odyssey“ von Ubisoft), dass ein Spiel zum nationalen Kulturgut erklärt werde, habe es aber noch nicht gegeben.

          Die Nachricht fällt in eine Zeit, in der die nationalkonservative PiS-Regierung auf die Kulturszene Polens immer stärker Einfluss nimmt. Viele in der Kreativbranche sehen die Regierung als Gegner. Für den polnischen Ministerpräsidenten ist die boomende Videospielbranche jedoch in erster Linie ein vielversprechender Wirtschaftsfaktor. Wie die „Welt“ berichtete, gibt es in Polen etwa 400 Entwicklerstudios. In keinem Land seien so viele wie hier an der Börse notiert. Zusammengenommen hätten sie einen Wert von umgerechnet 7,5 Milliarden Euro. Da verwundert es nicht, wenn sich der Ministerpräsident wie im Februar auf einem Videospielturnier vor die Kameras stellt und erklärt, in Sachen Videospiel sei man eine „Großmacht“.

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