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Redaktionsbesuch bei „Bravo“ : Das Magazin, das ewig jung bleiben muss

Heutzutage wollen Fans etwas von ihren Helden haben: Selena Gomez, Cover-Star der „Bravo“ Anfang Juli, übt sich in Gelassenheit. Bild: Picture-Alliance

Die „Bravo“ gibt es seit 1956. Kann die Jugendzeitschrift gegen die Online-Welt bestehen? Wenn sie den richtigen Ton trifft, schon. Denn junge Leute haben immer dieselben Fragen. Ein Redaktionsbesuch.

          5 Min.

          Die Kategorien „in“ und „out“ sind, um im Jargon zu bleiben, „Up-to-date-Indikatoren“. Jungs zum Beispiel, die sich die Beine rasieren, sind, wie die „Bravo“ meint, „out“. Dasselbe gilt für Ringe, die beim Tragen abfärben. „In“ hingegen ist, ins Naturkunde-Museum zu gehen und sich „mal echte Dino-Skelette“ anzugucken. Als Alternativprogramm empfiehlt sich ein nächtliches Picknick mit seinem Schatz: „sooo romantisch“. Vom Cover der Juli-Ausgabe der Jugendzeitschrift lächelt der pausbäckige Teenagerschwarm Selena Gomez. Und das Dr.-Sommer-Team verspricht, mit den größten Sex-Mythen aufzuräumen. Man könnte meinen, bei „Bravo“ sei alles, wie es schon immer war. Doch ist es das?

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Der Tipp mit den Dino-Skeletten hat Verweiskraft, denn die „Bravo“ selbst ist ja eine Art Dinosaurier. Das Magazin erscheint seit 1956, als das Internet mit seinen Youtube-Stars noch in weiter Ferne lag und Talent für eine große Bühnenkarriere unabdingbar war. Es kostete fünfzig Pfennig und hatte eine Auflage von mehr als einer Million Exemplaren. Von 1969 an klärte das Dr.-Sommer-Team die Jugend in Sachen „Liebe, Sex und Zärtlichkeit“ auf - explizit, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Und heute?

          Die Orientierungsfragen haben sich geändert

          Die Redaktion der „Bravo“ liegt im Südosten Münchens, in Neuperlach, einem durch und durch funktionsgerecht bebauten Stadtteil. Viel Beton, wenig Atmosphäre. Die Redaktionsräume hingegen sind lichtdurchflutet, großzügig, offen. Seit Nadine Nordmann, Mitte dreißig, blonde, lange Haare, fester Händedruck, 2013 das Ruder übernommen hat, ist viel passiert. Mitarbeiter wie Jutta Stiehler, die langjährige Leiterin des Dr.-Sommer-Teams, wurden entlassen, die „Bravo“ erscheint nur noch vierzehntäglich, dafür auf besserem Papier und mit größerem Umfang. Sie positioniert sich als „Social Magazine“. Sie kämpft um ihre Auflage, Reichweite und um neue Leser, womit sie in der Medienwelt nicht allein ist. Sieht man sich die bisweilen hämische Berichterstattung der vergangenen Jahre an, kommt es einem so vor, als werde die „Bravo“ besonders hart angefasst, nach dem Motto: Wozu braucht man die „Bravo“ im Internetzeitalter überhaupt noch? Vielleicht braucht man sie aber gerade jetzt.

          Auf Augenhöhe mit der Jugend: Chefredakteurin Nadine Nordmann hat dem „Bravo“-Team eine neue Herangehensweise verordnet. Bilderstrecke

          „Auch Jugendlichen fällt es im digitalen Zeitalter nicht leicht, sich in der Informationsflut zurechtzufinden, zwischen relevant und irrelevant zu unterscheiden, sei es nun beim Thema Ernährung, Fitness oder auch Aufklärung. Wir bieten ihnen die so wichtige Hilfe und Orientierung“, sagt Nadine Nordmann. Wie früher, nur mit dem Unterschied, dass sich die Orientierungsfragen verändert haben und einst weniger Akteure um Aufmerksamkeit buhlten.

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