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Hazel Bruggers Stand-Up-Kunst : Ein Leuchten in der Detonation

  • -Aktualisiert am

Schnörkellose Humorgewalt: Hazel Brugger bei einem ihrer Bühnenauftritte Bild: Imago

Stand-up-Comedienne Hazel Brugger transportiert ihren scharfsinnigen Humor auf Youtube ebenso wie auf der Bühne. Sie macht vieles anders als die übrigen Aufregungskünstler.

          Die Frau, die mit Claudia Roth einen Mettigel auf Basis von Reiswaffeln gebastelt hat, sitzt in einem Café in der Kölner Nordstadt und zieht es vor, nichts zu essen. Stattdessen trinkt sie Ingwertee. Sicher würde ihr auch der Anti-Kater-Drink, den sie kürzlich mit Karl Lauterbach gemixt hat, über ihre Erkältung hinweghelfen. Bald muss sie wieder auf Zack sein. Eine der scharfsinnigsten Stand-up-Künstlerinnen des deutschsprachigen Raums geht nach dem gigantischen Erfolg ihres ersten abendfüllenden Programms „Hazel passiert“ abermals auf Tournee. Auf den Plakaten von „Tropical“ ist Hazel unter Palmwedeln zu sehen – eingeklemmt zwischen einer gephotoshopten Ananas und einem Tukan, der aus dem rechten Bildrand herausblickt, als sei er falsch rum ins Plakat montiert.

          Niemanden verbindet man weniger mit dieser feist grinsenden Person auf dem Plakat als die echte Hazel, die jetzt geduldig in ihrem Ingwertee rührt und abwartet, was passiert. Aber genau das ist das Hazel-Prinzip: ein bisschen Nonsens, ein bisschen Trash, ein bisschen Exotik vortäuschen, dann in aller Unschuld die Detonation des Witzes aussitzen. Was an „Tropical“ tropisch ist? Nichts, sagt Hazel. Das Wort habe ihr gefallen. Es sei wie eine Lindor-Kugel: Schokolade gefüllt mit Schokolade. „O Gott, man weiß gar nicht, wo die eine Schokolade aufhört und die andere anfängt!“ Dazu passt, dass Hazel neuerdings keine Übergänge mehr macht. Ein Gang schmilzt rüber in den nächsten. Man könnte meinen, sie sei weicher geworden.

          Ihre Show ist eine Messe

          Hazel Brugger gibt nur wenige Interviews. Und wenn doch, dann ist sie dabei eher schweizerisch diskret als deutsch direkt. Ihr Management schirmt sie gut ab vor Journalisten, die gerne mal mit Hazel an einem Snackautomaten abfeixen würden, weil sie in ihrem alten Programm erwähnt hat, jährlich würden zehn Menschen vor einem Snackautomaten tot zusammenbrechen. Die Leute mit ihrer Sterblichkeit konfrontieren: ein Klassiker der Hazelschen Brüskierungskunst. Wenn der Witz eine Metaphysik hat, wurzelt sie im Tod. Besser: in der Sterblichkeit, die uns Ungleiche ratzfatz wieder zu Gleichen macht – und damit alle zu Freunden Hazels. Ihre Show ist eine Messe.

          Doch auch das ist eine Illusion. Hazel will keine letzten Dinge mit wildfremden Leuten besprechen. Schon gar nicht vor Snackautomaten. Es ist eher so, als wolle sie einen bloß daran erinnern, dass der Snackautomatenmechanismus eines Tages zuschnappt. „Ich hab mir Sie gerade tot vorgestellt“, lockt sie ihr Publikum. Nur um es im gleichen Satz wieder auf Distanz zu bringen. Etwa so groß ist auch der Abstand, der einen von Hazel Brugger trennt, während sie in Köln höflich den Gedankengängen ihrer Interviewerin folgt. „Wenn man höflich ist“, erklärt sie später in Berlin vor achthundert Fans, „ist das Gespräch schneller vorbei.“ Das sei die kommunikative Grundhaltung der Schweizer.

          Hazel Brugger ist erst fünfundzwanzig. Sie hat den sagenhaften Aufstieg einer Slam-Poetin zu einer festen Größe der deutschsprachigen Comedy vollbracht. Sie hat sämtliche Awards gewonnen, die man in ihrer Branche gewinnen kann. Sie ist eine begehrte „Außenreporterin“ der „heute-show“, die sich gerne auf Parteitagen herumtreibt – und zwar mit der ethnografischen Neutralität einer Frau, die in der Schweiz zur Wahlurne geht. Ihr Youtube-Channel „Do it yourself“, ein Format, in dem Hazel mit Politikern Gebrauchsgegenstände bastelt und sie dabei ideologisch aufs Glatteis führt, ist populär – weil Hazel da selbst schon populär war und Politiker sich Sympathiepunkte davon versprechen, mit ihr Dinge wie Mettigel zu kneten.

          Wieso Hazel Brugger schon mit Anfang zwanzig so viel über das Leben wusste, dass sich gestandene Minister, aber auch kleine Parteitagstouristen ohne allzu viel Überredungskunst vor ihr entblößen, bleibt ihr Geheimnis. Fakt ist – und darüber hat Hazel gelegentlich Auskunft gegeben –, dass sie ihre Teenagerzeit eher als Außenseiterin erlebt hat. Bis heute spielt sie die junge Frau, die wenig aus sich macht. T-Shirt, Jeans, Turnschuhe, neutraler Haarschnitt – mit dieser Uniform kann Hazel die Themen Rassismus, Populismus, Feminismus gefahrlos in ihre Rede tröpfeln lassen. Wer jetzt noch optische Akzente setzen würde, wäre vermutlich viel umstrittener. So kann sie sich rühmen, in ihrer Karriere noch keinen einzigen Shitstorm ausgelöst zu haben. Sie plaziert ihre Pointen unaufdringlich und wirkt hinterher immer ein bisschen melancholisch. Hat sie ihr Gegenüber einmal auflaufen lassen, besitzt sie die Freundlichkeit, nicht noch auf ihm herumzutrampeln. „Mit einer humoristischen Aussage riskiert man immer, den Leuten nicht zu gefallen“, sagt Hazel Brugger. Ein Baby brüllt jetzt das Café zusammen. „Vielleicht sollte jemand mal das Messer aus ihm rausziehen?“, schlägt Hazel vor. Dann kommt sie zu ihrem Thema zurück, der weiblichen Gefallsucht. „Wenn du einmal missfällst, ist es viel schwerer, später wieder zu gefallen. Deshalb fährst du besser, wenn Du immer nur so milde amüsant bist. Nie so outrages.“

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